Mittwoch, 20. September 2017

WER - DAS BIEST IN DIR (Wer 2013 William Brent Bell)


In Frankreich wird eine Familie beim Camping attackiert und regelrecht zerfetzt. Nachdem zunächst von einem Tierangriff die Rede ist, wird einige Wochen nach der Tat plötzlich ein Einheimischer festgenommen. Eine amerikanische Anwältin übernimmt dessen Verteidigung, da sie von der Unschuld des Mannes überzeugt ist, schließlich leidet dieser an einer Krankheit, die ihn recht bewegungsunfähig macht, und auch die Kraft der Taten sind mit den Muskeln von Menschen nicht zu bewerkstelligen. Eine Diagnose der seltenen Krankheit soll die Unschuld des Mandanten beweisen. Sie soll anhand von Tests in einem Labor nachgewiesen werden. Doch dann passiert das Unfassbare...


Diagnose: Vollmondtaten...

Warum ein Film, der erst so spät den Wandel der Krankheit des Angeklagten offenlegt, mit dem Titel „Wer“ (Originaltitel) zu viel verrät, will sich mir nicht erschließen, ist der Film von William Brent Bell doch bei möglichst hohem Unwissen aufgrund des angeblichen Justizskandals, der damit einhergehenden Dramatik eines scheinbar Unschuldigen und mit der (wissenschaftlichen) Forschung über die Krankheit ein interessanter Stoff, der völlig überraschend mit der Werwolf-Diagnose seine Wendung erleben würde, wenn der Zuschauer aufgrund der Namensgebung nicht längst auf eben diese gewartet hätte. Manch ungeduldigem Zuschauer wird die Wartezeit aufgrund dessen, dass der Titel einen bereits einweiht, in einer solch theoretisch angegangenen Story sicherlich auch zu lang ausgefallen sein, der geduldige Zuschauer wiederum wird ebenfalls für nichts belohnt und stellt sich jene Frage, mit der ich diesen Text begonnen habe.

Doch „Wer - Das Biest in dir“ ist ohnehin ein Film der merkwürdigen Entscheidungen. Zunächst beginnt er mit einer Szene im Found Footage-Stil. Ist diese vorbei behält er die Wackeloptik eben jener Szene bei, so dass man sich zunächst fragt, ob die Anwältin von einem Kamerateam begleitet wird, während sie ihre ersten Nachforschungen angeht. Dem ist jedoch nicht so. „Wer“ ist pausenlos in eine unangenehme Wackeloptik getaucht, die es weder zulässt intensiv in den den wunderbar theoretischen Plot einzutauchen, noch gelungene Bilder zaubern kann, um eine stimmige Atmosphäre aufzubauen. „Wer“ ist ein Film der Hektik im Äußeren und ein Film der Ruhe inhaltlich. Was soll dieser Widerspruch?

Optisch gibt es ohnehin wenig Gutes zu vermelden. Wenn die CGI-Kreatur des verwandelten Angeklagten Superhelden-artig von Gebäuden hüpft, weiß dies nicht zu überzeugen, obwohl derartige Szenen mittlerweile nun wirklich relativ günstig glaubwürdig zu bewerkstelligen wären. Die eigentliche Mutation hingegen weiß zu überzeugen, muss aber auch nicht zu viel leisten in einem Film, in dem es lediglich um eine Krankheit geht, die einst den Werwolfmythos auslöste und nicht um eine tatsächliche Werwolfgeschichte.

Dieser wissenschaftliche Ansatz ist im Horrorgebiet nicht neu. Spuk wurde gerne aus Forscher-Sicht untersucht (z.B. in „Tanz der Totenköpfe“), dem Vampirismus erging es nicht anders (z.B. „Dracula 2“), im Werwolf-Genre ist mir bislang jedoch kein Versuch bekannt dem Mythos einen wissenschaftlichen Blick zu schenken, aber bei der Flut an Beiträgen zu diesem Thema ist es recht wahrscheinlich, dass ein solches Thema an mir unentdeckt vorbeigezogen ist. Letztendlich greift dieser Schwerpunkt im hier besprochenen Film Richtung Finale aber ohnehin ins Leere. Denn nun wird die Geschichte endgültig zu einer Art Superheldenfilm, wenn zwei Menschen gleicher Erkrankung einander bekämpfen, der eine durch Eigenrasur peinlich zu einer möchtegern-kultgestilten Hautversion der Werwolfthematik zurecht gemacht und ähnlich peinlich fotografisch eingefangen, immer eine Spur zu cool wirkend, um scheinbar dem Jungpublikum gefallen zu wollen.

Interessante Ansätze sind durchaus gegeben, aber die Optik lässt keinen hohen Unterhaltungswert zu und gegen Ende fühlte ich mich altersbedingt vom Film ausgeschlossen. Vieles verstehe aber auch wer will, der Widerspruch zwischen Hektik und ruhiger Geschichte findet sich vergleichsweise auch im Widerspruch zur Erzählung anfangs und gegen Ende wieder. Da wird aus einer besonnenen Geschichte des Nachforschens plötzlich ein affenartiger Kinderzirkus sich bekämpfender Mutanten, freilich ohne dabei klassischen Monsterfilmreiz auszustrahlen. Ich habe keine Ahnung was dieser Film, außer seinem Versuch dem Werwolf-Genre neue Facetten abzugewinnen, wollte. Letztendlich ist das Gesamtergebnis nur deshalb nicht völlig in die Hose gegangen, weil die Geschichte so einige interessante Elemente enthielt, von denen ich mir wünschen würde, sie wären in einem niveauvolleren Film gelandet.


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