Sonntag, 26. November 2017

DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH (Madhouse 1974 Jim Clark)


Horrorfilm-Star Paul Toombes wurde durch die Filmreihe „Dr. Death“ berühmt. Auf einer Veranstaltung ihm zu Ehren wird seine Verlobte umgebracht, scheinbar von ihm selbst im Irrzustand begangen tatsächlich Dr. Death zu sein. Selbst nach einer eindringlichen Therapie fühlt sich Toombes noch immer unwohl mit der Dr. Death-Rolle konfrontiert zu werden, nimmt viele Jahre nach dem schrecklichen Vorfall jedoch trotzdem das Angebot an seine berühmte Rolle erneut für eine TV-Produktion zu spielen. Kurz nach Beginn der Dreharbeiten kommt es erneut zu Leichen, die im Stile der alten Dr. Death-Filme begangen wurden...


Die letzte Rolle seines Lebens...

Hinter dem oftmals verwendeten Filmtitel „Madhouse“ (Originaltitel) verbrigt sich zwar erneut kein großer Filmklassiker den man als Fan des Genres gesehen haben muss, aber ein kleines, ungewöhnliches Werk, welches trotz seiner unbeholfenen Ausstrahlung aus verschiedensten Gründen einen Blick wert ist. Besetzt mit Vincent Price und Peter Cushing in den wichtigsten Rollen mag manch einer mehr vom Streifen erwartet haben als manch anderer, Fachkundige erkennen jedoch bereits bei der Namenseinblendung Samuel Z. Arkoffs als Produzent im Vorspann, dass hier eine schnell heruntergekurbelte Billigproduktion auf den Zuschauer wartet und sind somit vorgewarnt.

Zeit nahm man sich scheinbar wahrlich nicht für die Vorbereitungen auf „Das Schreckenshaus des Dr. Death“, wird beim Schauen doch nie seine Orientierung deutlich, was er eigentlich sein möchte. Irgendwo zwischen Grusel-Krimi, Horrorfilm und einem Hauch Horror-Parodie pendelnd weiß zumindest sein Spiel mit der Horrorszene innerhalb des Horrorfilms zu gefallen, handelt Jim Clarks Werk doch von Schauspielern, Autoren und Produzenten dieses Genres, sowie von den Dreharbeiten und dem Kult um die entstandenen Werke. Diesbezüglich versuchte sich Arkoff bereits in den 50er Jahren mit „Der Satan mit den 1000 Masken“, „Der Dämon“ (Alternativtitel) geht jedoch noch einen Schritt weiter und nimmt die Idee von „Scream 3“ und „Nightmare on Elm Street 7“ vorweg, um durch die gegebenen Mittel mit den Metaebenen zu spielen. „Deathday“ (Alternativtitel) ist dabei ebenso wenig gewitzt ausgefallen wie die später entstandenen prominenten Vergleichsfilme, aber allein Vincent Price bei seinem augenzwinkernden, spielfreudigen Agieren zuzusehen, beweist wie richtig es war sich an dieser Art der Thematik zu versuchen.

Wie für eine Arkoff-Produktion typisch wurde nicht gerade viel Geld in den Streifen investiert. Dies bescherte aber immerhin den Schauspiellegenden Boris Karloff und Basil Rathbone eine spezielle Nennung im Vorspann aufgrund von Gastauftritten, verkauft uns der Film doch ehemalige, real existierende Werke mit Vincent Price (u.a. „Das Pendel des Todes“ und „Der Rabe - Duell der Zauberer“) als damalige Dr. Death-Filme, um für diese nicht zusätzliche Szenen drehen zu müssen. Und in diesen treten besagte ehemalige Filmstars innerhalb von „Das Schreckenshaus des Dr. Death“ auf.

Geiz hat sich selten so gelohnt, denn das Verwenden alter Price-Filmszenen unterstreicht den augenzwinkernden Grundton des Filmes und lässt ihn an Sympathie gewinnen, gerade weil gewählte Szenen offensichtlich auf das Ur-Werk verweisen, im Gegensatz zu dem wie es bei neutraler entliehenen Momenten der Fall gewesen wäre. Zudem existiert im Film eine Interviewszene mit Paul Toombes, die mit einem echten Showmaster vor einem tatsächlichen Livepublikum aufgenommen wurde, so dass man davon ausgehen kann, dass hier Dreharbeiten mit der Möglichkeit ein echtes Interview mit Vincent Price aufzuzeichnen, vermischt wurden. Diverse von Toombies geäußerte Sätze schein gar vom realen Price-Interview entliehen worden zu sein und wirken dementsprechend authentisch.

Da durch diesen Umgang mit realen Aufnahmen diverser Medien und der dazugehörenden augenzwinkernden Darstellung Prices der Großteil des Filmes wie ein verschmitztes Spiel aller Beteiligten wirkt, verzeiht man dem Gesamtwerk seine etwas orientierungslose und vorhersehbare Chose, guckt sich das alles doch unterhaltsam, ohne je zum Retrozirkus, zu groben Albernheiten oder zum Selbstzweck zu verkommen. Subtil sieht anders aus, aber der dezente Umgang mit diesen Mitteln nicht zu übertreiben sorgt für den richtigen Grundton, und da jede Szenen, die das Ganze nicht betrifft, ohnehin zu spannungsarm ausgefallen sind, bereichert dieses Vorgehen, anstatt eine möglicher Weise vorhandene düstere Grundatmosphäre unangenehm aufzubrechen.

Von einem großen Wurf braucht man wie eingangs erwähnt nicht sprechen. Dafür ist „The Madhouse of Dr. Fear“ (Alternativtitel) zu banal und vordergründig ausgefallen. Diverse Handlungselemente kommen ebenso wie diverse Figuren zu kurz, die Auflösung steht zu vorhersehbar im Raum, und die Tricks sind zu erkennbar umgesetzt, als dass sich eine wahre Illusion auftun würde. All dies verzeiht man dem Film aufgrund seiner sympathischen Ausstrahlung jedoch all zu gerne. Einzig die Schlussszene, die es verfehlt das finale Geschehen freudianisch zu erklären, wirkt in ihrem Realitätsbruch ärgerlich und billig angehangen, und dies obwohl sie eine reizvolle zentrale Idee von „Dance of the Demons 2“ und „Ring“ vorwegnimmt.


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