2017/11/04

EIN PRÄSIDENT FÜR ALLE FÄLLE (My Fellow Americans 1996 Peter Segal)


Haney, der Präsident der USA, sorgt dafür, dass eine Schmiergeldaffäre, an welcher er beteiligt war, auf den ehemaligen Präsidenten Kramer zurückfällt. Darüber freut sich dessen Erzfeind, der ehemalige Präsident Douglas. Als jedoch beide gemeinsam per Zufall einem Mordanschlag der NSA entkommen können, müssen sie sich zusammenraufen, um Beweise für die Verschwörung aus dem Weißen Haus zu finden. Auch mit ihren Mördern im Rücken können sie es nicht lassen sich gegenseitig zu bekriegen...


Der Pfennigfuchser und der Schwerenöter...

Ähnlich wie in „Hallo, Mr. Präsident“ wird das Thema um das höchste politische Amt der USA nicht für eine politische Satire genutzt. Zugegeben, in „Ein Präsident für alle Fälle“ gibt es deutlich mehr Seitenhiebe auf die Politik als im Vergleichsfilm, gerade auf den Egoismus der Regierenden bezogen, im Mittelpunkt steht jedoch hier wie dort der private Aspekt, und das wäre in Peter Segals Film das Gekabbel der beiden Streithähne. Diese beiden setzt man als Opfer in eine Verschwörung, und da diese nicht auffliegen darf, müssen sie sterben. Hierfür steht den Verantwortlichen der Menschenjagd die geballte Macht der NSA zur Verfügung, so dass die Situation unglaublich brenzlig wird.

Wer nun einen Thriller mit gelegentlichen pointierten Dialogen erwartet, so wie es im Actionbereich bei „Lethal Weapon“ der Fall war, irrt. Mag die Geschichte auch danach klingen, „My Fellow Americans“ (Originaltitel) ist eine lupenreine Komödie, einzig darauf aus die beiden Widersacher in mal brenzligen, mal dramatischen Situationen aneinander geraten zu lassen, und dies so harmlos umgesetzt, dass Freunde ernsterer Genres oder jene, die sich einen bissigen Umgang mit dem Thema gewünscht haben, enttäuscht werden können. Müssen sie aber nicht, denn als simple, kurzweilige Unterhaltung weiß die manchmal etwas zu brav ausgefallene Komödie durchaus zu wirken, sind die Charaktere doch schrullig genug ausgefallen, um sie zu lieben und zu hassen. Nie würde man für einen von beiden Partei ergreifen, beide haben Recht und Unrecht, und es bereitet viel Freude den ständigen Schlagabtauschen der beiden beizuwohnen.

Es ist nicht so, dass das Drehbuch äußerst gewitzt vorginge, das arbeitet eher brav mit den Sehgewohnheiten des Stammpublikums des Genres und überfordert deren Wunsch auf leichte Unterhaltung nicht. Aber die Sprüche und die Schwächen der beiden zentralen Figuren stimmen, und mit James Garner und Jack Lemmon sind die beiden auch nahezu perfekt besetzt. Dan Aykroyd weiß in einer kleineren Rolle zu belustigen (so wie es Jack Lemmon im selben Jahr in der Dan Aykroyd-Komödie „Schwer verdächtig“ tat), und viele bekannte und gern gesehene Gesichter, deren Namen man in der Regel oft nicht kennt, runden die sympathische Besetzung ab, die den Großteil am Funktionieren des eigentlich zu routiniert ausgefallenen Streifen ausmachen.

„Ein Präsident für alle Fälle“ wird selbst dann nie zu moralinsauer, wenn die Helden on the Road auf den kleinen Mann von nebenan stoßen, sind solche Momente doch kurz gehalten und baden nie so tief in Kitsch und erhobenem Zeigefinger, wie es in einer typischen Disneyproduktion der Fall wäre. Dass das Ganze jedoch trotzdem nur ein Zugeständnis an das Mainstreampublikum ist, braucht man eigentlich schon nicht mehr betonen. Ehrlich oder wirklich reflektiert wirkt solch ein Blick auf die Politik im eigenen Land nicht, viel mehr streift der Film in solchen Momenten den Bereich der Seifenoper.

Eine weitere Drehbuchkrankheit ist das Spiel mit den Zufälligkeiten. Immer wieder glaubt der Autor Randfiguren wichtiger Erlebnisse noch einmal einbauen zu müssen, so dass aus dem eigentlich demonstrativ dargestellten Land der großen Weiten ein Mikrokosmos wird, in dem sich alle irgendwann einmal wiedersehen. Der Einwanderer hat freilich sein großes Glück gefunden, ein Homosexueller, den man auf einer Schwulenparade traf, muss sogleich für die Staatssicherheit arbeiten, all diese und weitere Anbiederungen an ein Publikum, welches unbedingt emotionale Bestätigung auf völlig realitätsfernem Weg braucht, wissen den positiven Gesamteindruck ein wenig zu schmälern.

„Ein Präsident für alle Fälle“ hat also durchaus seine Schwachpunkte, die man zu Recht kritisieren kann. Und wenn man bedenkt, dass die Reibereien der beiden zentralen Rivalen stets wichtiger waren als all das abenteuerliche, nicht all zu schlicht gestaltete, Drumherum, welches überhaupt die Grundsituation der ganzen Chose ausmacht, versteht man auch nicht, warum die Geschichte sich gegen Ende trotzdem mit immer neuen Wendungen immer wichtiger nimmt als nötig, anstatt es bei dem eigentlichen Hauptaugenmerk zu belassen. Auch dieser Fehler verhindert kein fröhliches Happening mit dem Film, aber er zeichnet sich doch als unnötiger Drang von Autor und Produzenten ab, unbedingt mehr bieten zu müssen als die Geschichte nötig hat und tragen kann. Zumindest beweist das schwächelnde Drehbuch, dass die Besetzung ein wahrer Glückstreffer für den Zuschauer ist, bei all dem was der sympathische Cast zu retten vermag.


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