SCHWER VERDÄCHTIG (Getting away with Murder 1996 Harvey Miller)


Als es heißt sein Nachbar Max Müller wäre ein gefürchteter Naziverbrecher gewesen und komme nun straffrei davon, beschließt Ethik-Professor Jack Lambert Selbstjustiz auszuüben...


Von einem der wusste, dass sie wussten, dass er es wusste...

Naziverbrechen in einer Komödie zu thematisieren ist ein schwieriges Vorgehen, darf das Ergebnis doch weder geschmacklos, noch zu moralinsauer, geschweige denn zu gleichgültig ausfallen. Zudem muss das Thema eine gewisse Daseinsberechtigung innerhalb eines humorvollen Stoffes besitzen, da sie sonst als lediglich reißerische Methode auffällt. Zwar spielt der hier besprochene Film eher mit dem Ausleuchten der Zwielichtigkeit von Moralisten, und bietet den Spielball Naziverbrechen somit nur als eine von vielen Möglichkeiten an, über die Hauptrolle Jack Lambert hätte stoßen können, so wirklich glücklich wird man mit dem Ergebnis trotzdem nicht, so dominant wie das Verbrechen einer unverzeihlichen Epoche Deutschlands über jenen Dingen schwebt, die der Amerikaner gern als lockerleichte Komödie verstanden haben möchte. Dem geht das Thema als ein zu theoretisches auch sicherlich nicht so nah wie uns Deutsche, als geschmacklos wird er den Umgang mit dieser Thematik in einem Stoff wie „Schwer verdächtig“ nicht empfinden, bei mir blitzte dieses Gefühl jedoch gelegentlich auf, wenngleich ich das fertige Werk als durchaus gourtierbar empfinde.

Vielleicht liegt es daran, dass gerade dieser Themenbereich des Filmes relativ subtil treffsicher persifliert wird. Die biedere Inneneinrichtung der Müllers und die Prüderie der Tochter, die Lily Tomlin so punktgenau wiederzugeben weiß, wie nur sie es kann (was sie bereits in „Solo für Zwei“ unter Beweis stellen durfte), treffen ins Schwarze. Die Spielerei mit dem deutschen Spießertum ist im Hintergrund stets geglückt, während die lauten Töne zum Thema Müller mein zwiespältiges Gefühl zum Gesamtwerk auslösen. Da kommt es dem Werk recht gelegen, dass es nur selten in Albernheiten wie jener badet, in welcher der maskierte Lambert ein monotones Verkehrschaos auslöst und dabei ein älteres Pärchen verschreckt. Diese Szene hätte in vielen anderen Komödien zum herzhaften Lachen angesteckt, hier schmunzelt man lediglich, will das Szenario doch nicht wirklich zum trockenen Grundton passen.

Aber dieser ansonsten eingehaltene trockene Grundton, gepaart aus der veralberten Prüderie der Spießer, wie auch jener der Intellektuellen, ist es, welcher den bitteren Beigeschmack entschuldigen lässt und „Getting away with Murder“ (Originaltitel) zu einer kurzweiligen und doch recht sympathischen Unterhaltung verhilft, sofern man etwas mit dieser langsam geschalteten Gangart innerhalb einer relativ pointenarmen Geschichte anfangen kann.

Ob „Schwer verdächtig“ funktioniert oder nicht hängt jedoch nicht allein davon ab, ob man mit dem kruden Mix aus Komik und trauriger Realität, sowie mit der verkrampften Erzählweise mit subtilen Volltreffern etwas anfangen kann oder nicht, letztendlich entscheidet die Sympathie zu den Darstellern und ihre Leistung darüber, ob das an sich eher routiniert ausgefallene Produkt beim Zielpublikum ankommt oder nicht. Und in meinem Fall kann ich da wahrlich nicht klagen, bin ich doch von Kindheitstagen an großer Bewunderer des Komikers Dan Aykroyd, und auch Lily Tomlin sehe ich aufgrund ihrer stets eigenwilligen Figurentypen, die sie verkörpert, immer wieder gern.

Lediglich den ursympathischen Jack Lemmon in der Rolle des Altnazis erleben zu müssen, sorgt wieder für den bitteren Beigeschmack, eben weil er für mich Jack Lemmon ist und nicht Max Müller - ein Beweis dafür dass ich nie so sehr in den Film eingetaucht bin wie man es eigentlich erwartet. Er blieb doch stets Produkt während der Sichtung und ist somit ein Wackelkandidat zwischen annehmbarer und unterhaltsamer Sichtung. Da ich „Schwer verdächtig“ nicht zum ersten Mal gesichtet habe und nun nach vielen Jahren, wissendlich worauf ich mich einlasse, wesentlich unverkrampfter an den Streifen heranging als damals, tendiere ich wohlwollend eher zur gnädigeren Sichtweise, immerhin ist der Stoff kurzweilig und die Person des Lambert stilsicher ausgefallen, so dass ich über manch bitteren Beigeschmack gütig hinwegsehen kann. Das sollte man aber nicht selbstverständlich von jedem Zuschauer erwarten. Ich kann gut verstehen, wenn jemand anders Probleme mit der Art hat, wie „Schwer verdächtig“ seine Geschichte erzählt.


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