Samstag, 20. Januar 2018

STAY TUNED - MIT DER FERNBEDIENUNG IN DIE HÖLLE (Stay Tuned 1992 Peter Hyams)


Couchpotato Roy Knable lässt sich ein Fernsehsatellitensystem mit 666 Kanälen zur Gratisprobe aufschwätzen, ohne zu ahnen es mit einem Vertreter aus der Hölle zu tun gehabt zu haben. Kaum justiert Knable die Schüssel nach, wird er gemeinsam mit seiner Ehefrau Helen, die ihn gerade verlassen wollte, in das satanische Fernsehsystem hineingesogen. In einer mörderischen TV-Programmvielfalt angekommen müssen sie 24 Stunden als Serienfiguren, Quiz-Kandidaten u.ä. überleben, da ihre Seelen ansonsten ab sofort dem Teufel gehören...


Driving Over Miss Daisy...

Ein wenig klingt es nach „The Kentucky Fried Movie“ auf Spielfilmlänge das amerikanische TV zu verarschen, eingebettet in einer durchgehenden Handlung mehr jedoch noch an „UHF - Sender mit beschränkter Hoffnung“. Zu kritisieren und parodieren gäbe es am Verdummungsprogramm via Kabel, Antenne und Satellit mehr als genug, und das Höllenthema lässt eine hohe Dosis schwarzen Humor zu, so dass dem Anarchiecharakter der beiden Vergleichsfilme eigentlich nichts im Weg stehen könnte. Leider beginnt der erste Fehler der Autoren von „Stay Tuned - Mit der Fernbedienung in die Hölle“ bereits damit den beiden Kindern des im Mittelpunkt stehenden Ehepaares zu viel Bedeutung zukommen zu lassen, die in einer höchst unglaubwürdigen Nebenhandlung das Schicksal der Eltern entdecken und ihnen von außerhalb so gut wie möglich Rückendeckung geben.

Doch ist dies nur eines von etlichen Zutaten, die aus einem guten Stoff ein harmloses Familienprojekt a la „Jumanji“ machen, und mit dem erhobenen, moralischen Zeigefinger Richtung Jungpublikum versehen, wie schlecht der Fernsehkonsum für sie sei, ist das gute Laune-Feeling, welches Peter Hyams auf Seiten der satanischen TV-Programme anstrebt, stark beschädigt. Aber auch ohne deren Zutun leidet der eigentliche Plot darunter dem Konflikt des zerstrittenen Ehepaares zu viel Raum zu gewähren, so dass auch hier der Sozialkitsch mehr als nötig triefen darf. Ein Mitfiebern Richtung ehelische Wiedervereinigung findet beim Zuschauer ohnehin nicht statt, haben wir die beiden Figuren, ebenso wie ihre KInder, doch nur von ihren unangenehmen Seiten kennengelernt, so dass wir nicht wissen welcher Charakter dahinter eine Läuterung verdient hat. Die beiden unsympathischen Figuren keifen einander an und haben in lebensrettenden Situationen eher schlaumeierische Momente, anstatt charmante.

Man sollte meinen in einer Besetzung mit den sympathischen Mimen John Ritter, Jeffrey Jones und Eugene Levy könnte so etwas wie Desinteresse an den Figuren nicht stattfinden, aber wenn man diese drei Talente in einer solch braven Solidaritätssoße präsentiert, funktionieren nicht einmal jene Charaktere, die für die Gegenseite stehen. In der Hölle wird die unterkühlte Art Firmen zu leiten kritisiert, ein ebenso wichtiges Vorhaben wie die Kritik am Fernsehprogramm, aber dort wie hier übt man sich lieber in kindischen Kabbeleien, anstatt auf „Kalkofes Mattscheibe“-Art eine treffsichere Satire abzuliefern.

Lauwarm aufgekocht funktioniert so mancher Seitenhieb auf das TV-Programm, der sich meist jedoch darauf konzentriert aus einem bekannten Titel eine satanische Alternativversion zu machen (die mauesten Ergebnisse diesbezüglich darf man im Abspann „bewundern“). Ansonsten hetzen die Knables Videospiel-artig von Programm zu Programm, die 24 Stunden-Frist im Nacken, die derart sprunghaft daher kommt, dass sie mit der innereigenen TV-Realität so gar nicht konform geht. Liebevoll gestaltete Sets und Masken, die bekannte Vorbilder parodieren, sorgen zumindest für einen kleinen Ansatz guter Stimmung, den Höhepunkt erlebt man in „Höllische Spiele“ (Alternativtitel) meiner Meinung nach während einer länger ausgefallen Zeichentricksequenz, die treffsicher das Konzept von „Tom und Jerry“ und Co immitiert. Zu parodieren gibt es am Erfolgskonzept der Cartoons eigentlich nichts, und da das Vorbild anarchistischen Charakter genießt, wird es zur Ironie von „Stay Tuned“, dass er ausgerechnet dann am meisten provokant wirkt, wenn er nachahmt anstatt parodiert.

Mit Blick auf Regisseur Peter Hyams muss es nicht verwundern, dass aus einer guten Idee maximal Mittelmaß wurde, seine Filme „Unternehmen Capricorn“, „Ein Richter sieht rot“ und „End of Days“ hatten aber zumindest ein unterhaltsames Niveau erreicht, während man beim hier besprochenen Streifen froh ist, wenn die Geschichte endlich vorbei ist. Zu abgehetzt, moralinsauer, brav und oberflächlich ist das Gesamtprojekt ausgefallen. Da wird man weder warm mit Szenarien und/oder Gefühlen, noch mit den Parodieversuchen, die schließlich selbst in simplen Konzepten, wie bei „Scary Movie“, in der Regel selbst dann wenn die Komik mau ausfällt noch eine Art Wiedererkennungsspaß des zu parodierenden Originals verursachen. Nicht einmal dieses Gefühl hat „Stay Tuned“ in mir auslösen können.


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