Sonntag, 25. Februar 2018

DER KNALLHARTE PRINZIPAL (Lean on Me 1989 John G. Avildsen)


An der Eastside Highschool herrschen schreckliche Zustände. Unterricht ist inmitten kriminell gewordener Schüler kaum möglich. Joe Clark soll als neuer Direktor für die nötige Wende sorgen, denn wenn die Schule nicht die Mindestvoraussetzungen für den baldigen Elementartest erreicht, wird sie verstaatlicht...


Mit extremen Mitteln...

Filme um Ghettoschulen und der Frage wie man der Situation die auf diesen herrscht Herr werden kann, gibt es zuhauf, begonnen beim eher verspielten „Die Klasse von 1984“, der den sozialen Untergang im Teenagerverhalten eher für den reißerischen Effekt nutzte. Seit dem das Thema in vielen Ländern Realität geworden ist, wird es eher in Dramenform angegangen. Authentische Stoffe wie „Heute trage ich Rock“ sind rar gesät, zumal die meisten Werke, die sich dieser Problematik annehmen, aus Amerika stammen, wo ein Drama meist den verträumten Kinostempel aufgesetzt bekommt und mit der Realität mittels Kitsch, Theatralik und dem Ignorieren wahrer Probleme nicht mehr viel zu tun hat. Glaubwürdige Filme wie „Detachment“ bilden hier die Ausnahme, ärgerliche Stoffe wie „Dangerous Minds“ bedienen den massentauglichen Sektor und wurden zurecht mit der Komödie „High School High“ aufgrund ihrer extremen Naivität aufs Korn genommen.

„Der knallharte Prinzipal“ steckt irgendwo dazwischen, neigt auch zur Klischeebildung und lässt viel zu oft Sozialkitsch aufblitzen, er geht auf der anderen Seite aber auch sehr ehrlich mit der Thematik um, ignoriert nicht den politischen Einfluss der Situation, zeigt die Grenzen des Möglichen auf und stößt vor allen Dingen Sozialträumern vor den Kopf, wenn es um die Methoden Joe Clarks geht, der die Schule keinesfalls mit Samthandschuhen umzukrempeln versucht. Hierbei rutscht „Lean on Me“ (Originaltitel) nie in den reißerischen Unterhaltungsfilmbereich eines „Der Prinzipal“ mit James Belushi ab, das Genre Drama ist das Kernstück und wird nicht zu oberflächlichen Unterhaltungszwecken in den Hintergrund gedrängt, um einem anderen Filmbereich Platz zu machen. Das Genre Drama bleibt sich immer treu, und da einer der Schwerpunkte des hier besprochenen Filmes in der Charakterzeichnung Clarks steckt, der ein Idealist mit allen Vor- und Nachteilen dieser Art Mensch ist, verlangt er einiges vom demokratisch denkenden Zuschauer ab.

Clark hat Erfolg, aber er setzt komplett auf seine Autorität, Schüler und Lehrer gleichermaßen betreffend. Ihm hat man zu gehorchen, egal wie extrem Clarks Methoden sind - und wie hart der Mann durchgreift erfährt man auch gleich kurz nach seinem Antritt als Direktor, wenn er alle verbrecherischen Schüler von der Eastside High ausschließt, um mit dem lernwilligen Rest einen Neuanfang zu starten. In einer staatlichen Schule wäre dies nicht möglich gewesen, diesbezüglich macht es sich das Drehbuch mit diesem ersten Schritt vielleicht ein wenig zu einfach, aber wie Clark nach und nach die Schule rettet und allen Mitmenschen um sich herum, inklusive seiner Vorgesetzten, vor den Kopf stößt, ist schon ein faszinierendes Schauspiel, an dem wir schrittchenweise teilnehmen dürfen, so dass es sich das Drehbuch an anderer Stelle keinesfalls zu einfach macht.

Dies betrifft auch die Charakterisierung Joe Clarks. Der nach einem wahren Fall orientierte Film ist sich der Fragwürdigkeit seiner zentralen Figur durchaus bewusst, was auch ausführliche Wortgefechte mit verärgerten Erwachsenen immer wieder verdeutlichen. Joe ist Idealist, ruiniert mit Kleinkämpfen oftmals das große Ziel, ist nicht fähig nach der Grundsäuberung der Situation auf Teamwork umzuschwenken und glaubt sich mit seiner selbstherrlichen Art immer im Recht. Seine Methoden sind effektiv, und ein derartiges Desaster bekommt man auch sicher nicht mit Samthandschuhen bewerkstelligt. Trotz aller extremen Methoden und der Fragwürdigkeit des Charakters leistet der Mann eine hervorragende Arbeit, er darf zurecht stolz auf sich sein, und dafür feiert „Lean on Me - Joe Clark gibt nicht auf“ (Alternativtitel) seine Hauptfigur und macht sie zum Helden. Sie macht dies aber keinesfalls blauäugig. Auch Clarks Wandel zum halbwegs teamfähigen Chef findet nicht auf die schlichte, blauäugige Kinoart statt, auch hier arbeitet sich der Film Schritt für Schritt durch. Man ist stets hin und hergerissen zwischen den Erfolgen des Mannes und seiner ärgerlichen Methoden, und dieser Effekt ist gewollt und soll sich am Ende keinesfalls einpendeln. Das Leben ist nun einmal so wie es ist, und damit hat sich der Zuschauer ebenso abzufinden wie der autoritäre Rebell Clark, der sich ebenfalls irgendwann der Realität stellen muss.

Die Stärken des Films liegen zum einen in John G. Avildsen gewohnter Routine sich mit dem Ghettoleben und anderer Mentalitäten auszukennen, so wie er es bereits mit seinen Erfolgen „Rocky“, „Karate Kid“ und diesbezüglich nicht zu unterschätzen auch „Karate Kid 2“ bewiesen hat. Dass er auch stets zu Klischees neigt zeigen diese Vergleiche ebenso, aber doch schafft es der gute Mann immer wieder, trotz kurzfristigem Abrutschen in den Kinomainstream, sehenswerte Filme hervorzubringen, so auch geschehen mit „Der knallharte Prinzipal“, der viel von seinem Hauptdarsteller Morgan Freeman lebt. Man sollte das Drama im Originalton gesehen haben, ist es doch eine Wucht den Propagandareden, den verirrt scheinenden Prinzipschimpfereien und Wutausbrüchen und den mutmachenden Worten dieser redegewandten Hauptfigur in Freemans Tonlage beizuwohnen. Die deutsche Synchronisation degradiert einen hervorhebenswerten Film zur Mittelmäßigkeit, eben weil die Stimme Freemans bereits der halbe Preis zum Erfolg dieses Streifens ist.

Wer sich politisch linksgerichtet zu sehr über die Methoden Clarks aufregt, dem sei gesagt dass „Lean on Me“ trotz seiner Heldenverehrung gen Schluss keinesfalls unkritisch mit der Hauptfigur umgeht. Gelingt es einem einen rationalen Blick auf Avildsens Werk zu werfen, erkennt man die vielschichtigen Perspektiven, mit denen hier gearbeitet wird, so dass der Film vom Testerfolg am Ende einmal abgesehen ansonsten frei jedes Einmischens funktioniert. Er zeigt die Dinge wie sie geschehen, er zeigt Methoden die wirksam sind, ob sie uns schmecken oder nicht, und er zeigt Menschen in ihrer Vielschichtigkeit und zeigt wie unterschiedlich positive und negative Charaktereigenschaften im selben Körper wohnen. Mit solchen Methoden entzieht sich der Film einer klassischen Gut-Böse-Trennung. Dass er an anderer Stelle mit Sozialkitsch verägert oder eine Gruppe singender Jugendlicher auf dem Klo wie professionelle Tenöre wirken lässt, entrückt ihn immer wieder kurzfristig von diesem Wahrheits- und Realitätsgehalt. Dank einer ungerechten Gewichtung übertrumpft meiner Meinung nach jedoch der positive, vielschichtige Aspekt des Stoffes und wird immer nur kurzfristig von solchen Kinokrankheiten befallen. In der Deutschfassung schaden diese Schwachpunkte dem Ergebnis jedoch erheblich mehr als im Originalton.


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