Sonntag, 25. Februar 2018

AMERICAN CYBORG (American Cyborg: Steel Warrior 1993 Boaz Davidson)


In einer Endzeitwelt ist Mary die letzte Überlebende einer Gruppe von Wissenschaftlern, die das letzte Embryo einer ansonsten unfruchtbar gewordenen Welt zum Hafen bringen muss, damit die Menschheit wieder eine Zukunft hat. Verfolgt wird sie in dieser gefährlichen Welt aus Freaks und Mutanten von einem Cyborg, der den Auftrag hat ihre Mission zu verhindern. In dem Dieb Austin findet sie einen Verbündeten, zunächst jedoch nur aus geschäftlichen Gründen...


Der Homonator...

Inmitten der handvoll bislang von mir gesichteten Billig-Cyborg-Schrottfilme ist mir „American Cyborg“ bislang der liebste, wusste doch kein weiterer derart in diesem Maße kurzweilig zu unterhalten wie dieser schräge Mix aus „Die Klapperschlange“, „Terminator“ und „Mad Max“. „Eis am Stiel“-Regisseur Boaz Davidson übertrifft sich diesmal selbst und liefert uns einen selten dämlichen Streifen ab, dessen inhaltliche Unzulänglichkeiten selbst der naivste Geist bemerken müsste, so hanebüchen, widersprüchlich und unsinnig wie das Drehbuch daher kommt, damit aber zur absoluten Stimmungsgranate wird, was aber auch am hohen Tempo liegt, welches Davidson einer Geschichte mit allerhand wiederholender Thematik, aber auch vielen inhaltlichen Überraschungen, beschert.

Dass „American Cyborg - Steel Warrior“ (Originaltitel) nie ernsthaft funktionieren kann, liegt bereits an seiner Besetzung, hat man sich für den gefährlichen Cyborg doch einen lederbekleideten graumelierten Vatertyp mit grauem Schnauz entschieden, der keinerlei Ahnung hat wie ein Maschinenmensch sich bewegen würde und letztendlich ohnehin nur wie der schwule Dominante wirkt, was den Streifen zu einer Art Homoversion der Cyborgfilme macht. Irgendwie passt das ja auch zu einer Zukunft, in der keine Babys mehr in die Welt gesetzt werden können, und der ebenfalls völlig fehlbesetzte Joe Lara als „Conan“-artiger Held mit „Groo der Wanderer“-Touch und viel zu zartem Gesicht, passt sich diesen warmen Eindrucks an, auch wenn er im Laufe der Geschichte ein Interesse an der weiblichen Hauptfigur entwickeln darf.

Begleitet man die beiden Helden durch eine Stadt voller Freaks und Mutanten, fällt immer wieder auf wie wenig man sich in die einzelnen Situationen hineingedacht hat. Der Cyborg erhält seinen Auftrag per Computer und wirkt dabei wie ein all zu menschlicher Arbeitnehmer, seine Computeroptik besteht aus höchst wenigen Informationen, seine Art zu schießen gleicht der diesbezüglich darin untalentierten Alienrasse aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, und die Aufgabe des Helden besteht eigentlich nur darin, der ohnehin schon flüchtenden Frau zuzurufen, dass sie nun bloß rennen möge, da der Maschinenmensch wieder auftaucht. Einfallslosere Texte gibt es andernorts kaum vorzufinden, wahrscheinlich gab es überhaupt keine Textvorlage für den überforderten Hauptdarsteller, dem das Improvisieren nicht zu liegen scheint.

Belustigend kommt solchen Szenen zugute, dass sich die beiden Hauptfiguren immer arg in Sicherheit wiegen, bis der Cyborg sie dann doch wieder recht schnell aufstöbert. Sie begreifen es im Laufe der Zeit einfach nicht und lernen nicht dazu. Da wird sich nicht geschützt, man wiederholt nur plump jede bislang erfolgslose Handlungsweise, ohne zu begreifen dass dies bereits eine Szene zuvor ein Fehler war. Freilich schießt man auch pausenlos auf den Cyborg, obwohl nach den ersten Versuchen klar ist, dass dies nichts bringt, und wenn der Film, um Abwechslung zu erzielen, ein längeres Kapitel einer Auseinandersetzung mit den schrägen Gesellen der Stadt widtmet, pausiert der Cyborg aus welchen Gründen auch immer, nahm er bislang doch stets die Witterung im Stile Yul Brynners aus „Westworld“ auf. Eigentlich hätte er längst vor Ort sein müssen, um als dritte Partei in die Differenzen eingreifen zu können, warum er fernbleibt bleibt ein Rätsel.

Zwischendurch gerät unser Heldenpaar stets aneinander, da man nie ehrlich zueinander ist, sich aus egoistischer Perspektive nicht in den anderen hineinversetzen kann und Austin mit der Zeit herausfindet, dass er ebenfalls ein Cyborg ist. Das bereichert die Geschichte nur insofern, als dass Mary nun einen weiteren Grund hat ihrem Begleiter trotz aller Treue und etlichen Lebensrettungen nicht zu vertrauen, einen weiteren Mehrwert für die Geschichte hat dieser Ansatz nicht, zumal die Autoren selbst keine Erklärung dafür finden, warum der arme Kerl nicht wusste, dass er ein Cyborg ist. Von einem Fehler ist gegen Ende die Rede, als Austin kurzfristig und erstmals nachgrübelt, den Autoren reicht dieser Gedankenansatz als Erklärung.

Und für den Zuschauer ist dieser Nonsens eine wunderbare Ergänzung inmitten nicht weniger hohler Plotlöcher, Unzulänglichkeiten und unsinnigem Wahnwitz. Es macht Spaß zuzusehen welche Filme man versucht zu immitieren, es unterhält ebenso mitzuerleben auf welche Weise man sich um Innovation bemühte, und man stellt fest, dass die Verantwortlichen des Streifens ebenso über all den Nonsens stehen, wie der Zuschauer selbst, denn so blödsinnig „American Cyborg“ auch erzählt ist, die Macher sind sich dessen bewusst und hauen trotzdem weiter fleißig in die Scheiße. Das nenne ich mal wahren Ehrgeiz Trash auf die angenehme Art zu erschaffen, und eines Tages werde ich mir dieses hoch amüsante Stück Cyborgschrott definitiv noch einmal ansehen, überbietet er in Sachen Unsinn „Die Klasse von 1999“ und die beiden „Cyber Tracker“ doch um Längen, und dies ohne zwischendurch zu schwächeln.


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