Mittwoch, 21. Februar 2018

FORMICULA (Them! 1954 Gordon Douglas)


Aufgrund seltsamer Vorkommnisse stößt man in einer amerikanischen Wüste auf eine Kolonie riesiger Ameisen, die es zu bekämpfen gilt, ehe sie sich über den kompletten Erdball ausbreiten...


Die Zuckerräuber...

Die 50er Jahre waren das Jahrzehnt der Tiermutationen im amerikanischen Kino. Von der Spinne, über Grashüpfer, bishin zu Krabben wurde allerhand Viechzeug auf Riesengröße hochgepumpt, um der Menschheit den Kampf um den ersten Platz an der Spitze der Nahrungskette anzusagen. „Formicula“ stellt eine besondere Position inmitten dieser Gattung Science Fiction-Horror dar, war er doch der erste seiner Art und im Gegensatz zu den meisten ihm folgenden Nachahmern nicht einzig am reißerischen Aspekt seines Aufhängers interessiert. Die Geschichte um den Kampf gegen Riesenameisen ist mit allerhand Sorgfalt inszeniert, mit dem Hang zu kleinen Details umgesetzt und gedanklich weitergesponnen als so manches Konkurrenzprodukt.

„Them!“ (Originaltitel) gehört zu den wenigen Produktionen seiner Art, bei denen man heute noch nachvollziehen kann, welch Unbehagen er im Kino verursacht haben mag. Sicherlich sind die liebevoll zurechtgemachten Riesenameisen eine Spur zu niedlich ausgefallen um weniger naive Personen einen echten Schrecken einzujagen, aber allein das ein wenig an „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ erinnernde Szenario, in welchem ein Trupp Soldaten gemeinsam mit einer Wissenschaftlerin in einen Ameisenbau hinabsteigen muss, um zu überprüfen ob auch alle Viecher am Gift gestorben sind, welches man hineingepumpt hat, besitzt einen Spannungsbogen den man im Tiermutationsfilm besagten Jahrzehnts ansonsten vergeblich suchen kann. Aber schon vor dieser Szene, die trotz des großartigen Aufhängers keineswegs das Finale des Filmes darstellt, weiß „Formicula“ eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Die stürmische Wüste zu Beginn, in welcher immer wieder das fremdartige, geheimnisvolle Geräusch auftaucht, und dies eingebracht inmitten überraschend sinnvoller Kriminalszenen, in welchen sich Polizisten tatsächlich wie welche verhalten dürfen und nachvollziehbare Überlegungen anstellen, weiß einen von Anfang an in den Bann der Geschichte zu ziehen, so dass man den theoretisch lächerlichen Aufhänger der Riesenameisen mit offenen Armen empfängt, so professionell und packend wie die Geschichte erzählt ist.

Da „Formicula“ die geistreiche Variante dieser Art Erzählung darstellt und sinnvolles Handeln und ein glaubwürdiges Weiterdenken der wahnwitzigen Grundsituation stets wichtiger genommen werden als sich lediglich auf den reißerischen Aspekt der Geschichte zu konzentrieren, gibt es für den ungeduldigen Zuschauerpart nach der ersten Filmhälfte eine kleine Durststrecke zu durchleben, dauert es doch nun, bis das nächste Ameisennest gefunden wird. Wer jedoch auch Gefallen an ruhigeren, sinnvollen Zwischenmomenten findet und theoretisches Vorgehen so spannend finden kann wie aufregende Actionszenen, der wird auch in dieser Phase mit einem packenden Film belohnt, ein Werk welches sich zudem nicht zu schade ist, die eigentliche Erzählung zu unterbrechen, um uns Nachhilfe im Gemeinwesen der Ameisen zu geben. Selten orientierte sich ein Tierhorror auf so viele Tatsachen der zu behandelnden Spezies, wie hier geschehen. Phantastische Eigenarten der Tiere werden außerhalb ihrer übernatürlichen Größe nicht vorgenommen.

Da die Eigenschaften der Ameisen, wenn auch meist nur theoretisch genannt, auf die Größe der im Film agierenden Riesen umgewandelt werden, entsteht ein tatsächlich bedrohliches Szenario. Das Ende der Menschheit wird zu einer glaubwürdigen Eventualität, und unter diesen Umständen freut es in einem amerikanischen Film um so mehr, dass das Militär tatsächlich sinnvoll mit der Wissenschaft zusammenarbeitet, so dass auch das rein geistlose Hochjubeln der Army, wie sie in anderen Filmen dieser Art heldenhaft gefeiert wird, in „Formicula“ keinen Platz findet. Ganz im Gegenteil besitzt das Drehbuch genügend Demut sich einzugestehen, dass die Menschheit einfach noch einmal Glück hatte. Ganz zum Schluss darf hierfür der erhobene Zeigefinger herhalten, der die Menschheit vor zukünftigen Gefahren warnt, die mit dem Beginn des Atomzeitalters auf uns wartet. Selbst dieser Moment wirkt nicht ganz so lächerlich, wie er klingt, gehört aber trotzdem zu den wenigen unfreiwillig komischen Szenen bezogen auf den naiven Aufhänger um Riesenameisen.

Wie man jedoch herausliest gibt es genügend Gründe „Formicula“ nicht mit solcher Überheblichkeit zu begegnen. Einen fairen Blick hat er aufgrund seiner konsequenten Umsetzung des Themas definitiv verdient. Und als Vorreiter dieser Art Film gebührt ihm ohnehin ein verdienter Platz im Herzen von Cineasten, erst recht wenn man bedenkt wieviel unbekannter „Formicula“ beim Durchschnittszuschauer im Gegensatz zum überschätzten „Tarantula“ ist, der weit weniger professionell umgesetzt wurde als die Geburtsstunde der Rieseninsekten in amerikanischen Science Fiction-Horrors. Bedenkt man zudem, dass dieser spannende Streifen von selben Mann umgesetzt wurde, der auch den letzten Hal Roach-Dick und Doof-Film „Laurel und Hardy auf hoher See“ inszenierte, ist das Ergebnis um so erstaunlicher zu nennen, auf solch unterschiedliche Art wie beide Streifen doch als geglückt betrachtet werden können. Hut ab, Gordon Douglas!


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