2018/02/19

DAS GEHEIMNIS DER TODESINSEL (La isla de la muerte 1967 Mel Welles)


Eine Gruppe Touristen ist zu Gast auf der Insel eines ominösen Barons. Dieser hatte aufgrund seiner Forschungen jahrelang keinen Kontakt zu anderen Menschen. Der Mann erforscht und züchtet seltene Pflanzen. Manche sehen lediglich etwas schräg aus, andere haben höchst interessante Eigenschaften. Als ein Tourist nach dem anderen stirbt, dämmert es den Überlebenden langsam, dass der Baron wohl eine seiner Züchtungen bisher verheimlicht hat: eine blutsaugende Palme...


Der Vampir der Pflanzenwelt...

Man kann nicht gerade sagen, dass kleine Änderungen in der Umsetzung von „Das Geheimnis der Todesinsel“ dafür hätten sorgen können, dass das Ergebnis des Streifens qualitativ besser hätte ausfallen können. Das von Mel Welles inszenierte Debutfilmchen, dem nur wenige weitere Werke folgen sollten, darunter aber der charmant bescheuerte „Lady Frankenstein“, ist ein Film der Kategorie „liebevoll gescheitert“, sprich es ist ein Werk das zu gefallen weiß obwohl, bzw. weil er nicht funktioniert, und den man sich viel anders eigentlich gar nicht vorstellen möchte. Es fällt einem ohnehin schwer sich vorzustellen, wie man solch einen lahmen und theoretisch leicht zu besiegenden Gegner hätte bedrohlich darstellen können, da hätte jedwege spannendere Umsetzung ohnehin gegen Windmühlen kämpfen müssen. Aber die Bestie eine Banalität inmitten von vielen sein zu lassen, besitzt schon einen ganz eigenen Reiz, wissen Ernst Ritter von Theumer und Mel Miller, der selbst Ideengeber der Geschichte und Mitautor war, doch nicht wie sie das Füllmaterial bis zur entscheidenden Lüftung aller Geheimnisse halbwegs sinnvoll eingesetzt bekommen - egal ob es um das reine Ablenkungsmaterial geht oder die Randmomente, die mit den Ereignissen auf der Insel tatsächlich direkt zu tun haben.

In einem Wallace-ähnlichen Szenario, in welchem innerhalb der Gruppe ein menschlicher Täter vermutet wird, Anschuldigungen jedoch aus dem Bauch heraus getroffen werden oder aber unterstützt von Vorurteilen, verläuft das innereigene Misstrauen nie parallel sinnvoll zu den tatsächlichen Geschehnissen. Da werden Vorwürfe laut, wenn es nichts mehr zu beweisen scheint, da werden Rückschlüsse gezogen, obwohl naheliegendere präsent sind, da werden Menschen minutenlang rein des Füllmaterials wegen verfolgt, obwohl der Zuschauer über die Unschuld des Verfolgten längst informiert ist und ein zusätzlicher Erzählwert des Gezeigten nicht vorhanden ist. Zwischenmenschliche Situationen wirken aufgedonnert und fehlplatziert im eigentlichen Grundszenario, welches auch bei näherer Betrachtung keinen Sinn ergeben will, und für die Story erforderliche biologische Raffinessen sind freilich pure Fantasy, deren Glaubwürdigkeit nur im Wunderland von Alice für voll genommen würden.

In seiner komplett ernst gehaltenen Art weiß dieser ganze Nonsens auf schusselige Art zu funktionieren. „The Bloodsuckers“ (Alternativtitel) ist ein naives Stück Film, das den Eindruck vermittelt dass Welles zu keiner Zeit bewusst war ein Werk mit zu vielen Schwächen fertiggestellt zu haben. Der wird wahrscheinlich sogar seinen Aufhänger des pflanzlichen Vampirs für irre geglückt gehalten haben, so hypnotisch das Wunderwerk auf seine Opfer wirkt, dass ein Versuch der Flucht gar nicht erst unternommen wird. Bekommen wir es im Finale zu Gesicht, wirkt der Vampirbaum wie ein buntes Halluzinationsgewächs, entlaufen aus einem LSD-Trip. Und dass man den Feind besiegt, indem man ihm eine Axt in den Stamm rammt, ist das konsequenteste was der Film zu bieten hat und sorgt für ein fröhlich dämliches Entlassen aus einem Film der auf seine wirr erzählte, unkonzentriert zusammengeschusterte Art einfach Spaß macht, und dies teilweise an Stellen, die woanders für pure Langeweile gesorgt hätten.

Wo ein „Verhängnisvolle Fracht“ zum Thema bösartige Bäume lediglich Langeweile präsentiert, obwohl er im ersten fruchtbaren Monsterjahrzehnt entstanden ist, da weiß „Man Eater of Hydra“ (Alternativtitel) in seinem 60er Jahre-Look aufgrund skuril-banaler Aufeinandertreffen von Situationen und Personen auf seine ganz eigene Art (nicht) zu funktionieren. Die hier agierenden Menschen leben in einer anderen Wirklichkeit. Sie scheinen aus unserer Realität zu stammen, benehmen sich jedoch wie in einem sinnlosen Alternativuniversum angesiedelt, ohne dass das Präsentierte jedoch der hochgeschaukelten Groteske eines „Die Nacht der blanken Messer“ entspräche. Tristesse trifft auf Unvermögen, Banalitäten auf Ungewöhnliches, Bekanntes auf Widersprüchliches und fertig ist ein unausgegorener Mix aus Grusel-Krimi, Mad Scientist-Horror und Pflanzenvampir-Schnarcher, der in seiner kruden inkompetenten Art in Sachen Charme seinesgleichen sucht.


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