DARKMAN (1990 Sam Raimi)


Dr. Peyton Westlake arbeitet an der Erschaffung künstlicher Haut, die jedoch nur 99 Minuten lang halten will. Als er gerade erste große Fortschritte im Kampf gegen die kurze Lebensdauer der synthetischen Haut macht, wird er Opfer eines Überfalls auf sein Labor, da der skrupellose Verbrecher Durant verräterische Unterlagen über seine Unternehmungen zurück haben möchte, die über Umwege in Westlakes Besitz geraten sind. Als Durant das Labor zur Explosion bringt, glaubt jeder Westlake wäre tot, aber er kehrt als Phantom zurück um Rache zu nehmen, aufgrund einer neumodischen Operation von Schmerz befreit, aber körperlich entstellt. Mittels der Erschaffung künstlicher Haut kann sich Westlake mit fremden Identitäten in die Verbrechergruppe Durants einschleichen, um Rache zu nehmen...


Wenn das Innere sich ändert, kurz nachdem das Äußere sich änderte...

Mit „Darkman“ erschuf Regisseur Sam Raimi seinen eigenen Superhelden, der typisch für den „Tanz der Teufel“-Regisseur ein wenig im Bereich des Horrors beheimatet ist, von seiner Geschichte her letztendlich aber irgendwo zwischen „Batman“, „RoboCop“ und dem später entstandenen „Blankman“ angesiedelt ist. Das Ganze wird mit der hervorragenden Zusatzidee versehen, dass Dr. Westlake aufgrund künstlicher Haut für 99 Minuten fremde Identitäten annehmen kann, was Möglichkeiten und Risiken gleichermaßen beinhaltet. Raimis „Darkman“ besitzt die typischen Eigenschaften und das typische Schicksal einer tragischen Superheldenfigur, so dass es aufgrund dessen und dem gelungenen Aussehen des gar nicht so strahlenden Helden a la „Phantom der Oper“ von der Hauptfigur her nichts zu klagen gibt, zumal sie mit Liam Neeson gut besetzt ist. Der weiß nicht nur mimisch zu überzeugen, gerade der Einsatz seiner Stimme macht viel am Gelingen seiner Figur aus, so wie es einst bei Claude Rains als „Der Unsichtbare“ der Fall war, denn beide laufen verhüllt umher und sind meist nicht zu sehen. Ist es Westlake doch gelegentlich, dann ist dies mit einer faszinierenden Rahmenstory um Selbstlüge und Träumerei verbunden, die den Wissenschaftler glauben lässt, er könne irgendwann in sein altes Leben zurückkehren.

Auch der Gegenpart ist mit dem späteren „Dr. Giggles“-Darsteller Larry Drake toll besetzt, besitzt er doch ein Schurkengesicht, wie man es in dieser comicübertriebenen Art nur selten findet, und auch er weiß hervorragend seine Stimme zum Einsatz zu bringen. Drake weiß als Durant allein durch seine Präsenz sich in jeglicher Szene in den Vordergrund zu spielen, was gerade die wuchtige Eingangssequenz beweist, in welcher wir die Gnadenlosigkeit dieses skrupellosen Verbrechers mittels wuchtiger Action, tollen Stunts und mit recht vielen Statisten für eine derartige Szene versehen kennen lernen dürfen. Scheinbar ging ein großer Teil des Budgets für diese und manch andere Actionszene drauf (allein die angenehm lange Hubschrauberszene im Finale ist eine wahre Wucht), denn an anderer Stelle wird das restliche, scheinbar magere Budget all zu deutlich, ganz erbärmlich in jenen visuellen Effekten zu erkennen, die uns den inneren, psychischen Prozess Westlakes verdeutlichen sollen, da er aufgrund dessen, dass er kein Schmerzempfinden mehr besitzt unter starken Gefühlsausbrüchen leidet, die ihn nahe an den Rand zum Wahnsinn bringen - wahrscheinlich sogar bereits über diesen hinaus.

Das ist etwas schade, da gerade dieser Bereich professioneller umgesetzt die Mystik der Hauptfigur perfekt hätte abrunden können, der eigentliche fatale Fehler, der „Darkman - Der Mann mit der Gesichtsmaske“ (Alternativtitel) jedoch nicht in die Kategorie des wahrlich gelungenen Films katapultiert ist sein Einsparen der Laufzeit in Szenen, die an der Glaubwürdigkeit der Geschichte nagen. Selbstverständlich passieren alle Geschehnisse in einer parallelen Comicwelt, in welcher alles Kriminelle auf ein groteskes Niveau hochgeschaukelt wird, und das ist auch gut so. Der Schwachpunkt findet sich an anderer Stelle, und dies ist eine weitere die an der funktionierenden Mystik des Helden nagt. Der Aufbau des geheimen, neuen Lebens Westlakes weiß nicht zu überzeugen. Seine Gaderobe hat er sich schnell aus der Mülltonne gefischt, über diesen zu schlicht gehaltenen Aspekt kann man noch diskutieren, aber wie der gute Mann bitte in einem angeblich völlig abgelegenen Gebäude seine zerstörten Apparaturen wieder zum Laufen bekommt, um erneut mit der Herstellung künstlicher Haut beginnen zu können, ist völlig an den Haaren herbeigezogen, was mit einer zusätzlichen Laufzeit von etwa 5 Minuten hätte inhaltlich bereinigt werden können, um auch diesem Aspekt wenigstens einen Hauch Comicglaubwürdigkeit zu bescheren.

Da dieser Aspekt so extremst unglaubwürdig ausfällt, geht viel von dem Feeling zukünftiger Aktionen des Darkmans verloren, da nun der düstere Look des Films, der noch die Naivität des Stoffes recht gut verschleiern konnte, nun noch gegen Unsinn kämpfen muss, und da kann der irgendwo zwischen Action und Horror schwankende Fantasyfilm nur verlieren und wird nie dem Mythos gerecht, den die Figur des Darkman theoretisch besaß. Zu welch besserer Leistung Raimi bei mehr Budget im Superheldenbereich in der Lage ist, beweist ausgerechnet der weit mehr im Mainstream angekommene „Spider-Man“, was aber auch zeigt, dass der alternative Film nicht immer die bessere Wahl zum Kommerzfilm ist. Nicht falsch verstehen, „Darkman“ weiß durchaus zu unterhalten, zumal er keine Durchhänger in seiner flotten Inszenierung besitzt, er erreicht lediglich nicht sein volles Potential und weiß inhaltlich nicht vollkommen zu überzeugen, gerade in einem so wichtigen Bereich wie dem Aufbau des neuen Lebens Darkmans im Untergrund. Zumindest im dramatischen Bereich macht Raimi vieles richtig, und die Action ist auch nicht von schlechten Eltern. „Darkman“ ist ein schlichter Superheldenfilm der düsteren Sorte, der gerne mehr wäre als er ist, aber definitiv unterhaltsamer ausgefallen ist als manch anderes Experiment ähnlicher Art, man denke nur einmal an die „Spawn“-Verfilmung oder Millers „The Spirit“.


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