Sonntag, 29. April 2018

THE LAST HOUSE ON DEAD END STREET (1977 Roger Michael Watkins)


Terry kommt mal wieder aus dem Knast frei und kommt auf die Idee, da seiner Meinung nach der Pornofilm out ist, Gewaltfilme zu drehen. Publikum und Finanzgeber sind erstaunt über die realistischen Effekte in seinen Filmen und ahnen nicht, dass es sich bei diesen Werken um Snuff-Movies handelt, die Terry dazu veranlassen immer extremere Wege zu gehen...


Was wohl der katholische Filmdienst dazu sagte...
 
Ein durch maue Beleuchtung, wenig Gefühl für spannende Kameraperspektiven und mangelndem Schauspieltalent sich teilweise wie ein Amateurfilm anschauender Provofilm mag im heutigen Meer an Produktionen nicht mehr sonderlich auffallen, aber zu seiner Zeit riss "The Last House on Dead End Street" wahrlich Grenzen ein, mehr als es schnell dahin gesagt ist, mehr als es "Blutgericht in Texas", "Hügel der blutigen Augen" und "The Last House on the Left" taten. Was hier an Pornografie und blutrünstigen Bildern geboten wird, was hier an kreativen Ideen des Abstoßenden sprudelt und fern jedem Werteempfinden an Perversion dargeboten wird, um den Zuschauer aus seinen Wohlfühl-Sehgewohnheiten zu reißen, suchte damals erfolglos seinesgleichen. Roger Michael Watkins hingeschludertes, aber recht gut getrickstes, Werk war ein Unikum zu seiner Entstehungszeit, mehrere Schläge ins Gesicht zugleich für Zensoren und Sittenwächter und selbst eine harte Prüfung für hartgesottene Horrorfans der gerade aufkommenden Terrorfilm-Welle.

Das mag dann alles sehr innovativ, unangepasst und auch herrlich schmutzig inszeniert sein, beweist aber auch, dass einzig durch Provokation kein guter Film entsteht, wenn die Rebellion stumpfer Natur ist, anstatt einen geistig reifen Hintergrund oder zumindest Hintergedanken zu besitzen. In der ersten Hälfte sehen wir allerhand nackte Haut, immer wieder knallhart ins Zentrum des Bildes geknallt, so dass es für den Zuschauer auch kein Entkommen gibt an Arschbacken und ähnlichem vorbei zu sehen, die zweite Hälfte kostet hauptsächlich Brutalitäten aus, oder auch mal grotesk scheinende, sexuelle Perversionen, so z.B. ein Moment, in dem Körperteile eines Rehs zu den Schauwerten einer bizarren, mehr als zweideutigen, Vergewaltigungssequenz werden. Schlecht gespielt und abgefilmt, und nur der Abartigkeit wegen auf Zelluloid gebannt, weiß mir eine solche Aneinanderreihung an Provokationen nicht zu gefallen. Für einen Experimentalfilm zu sehr eine Geschichte erzählend, für einen klassisch erzählten Film zu sperrig thematisiert, findet sich nur schwer ein Zugang zu einem Werk, dessen Sehenswürdigkeiten, die er zweifelsohne besitzt, eher für einen Nebenbeiverzehr geeignet sind, als für ein klassisches Filmegucken, bei dem man dauerhaft auf den Bildschirm starrt.

Klar geht so etwas in diesem, für damalige Verhältnisse völlig neuem, Underground-Touch als Kunst durch, aber Achtung habe ich nicht vor diesem Werk, auch wenn es Jahrzehnte des Filmedrehens gedauert hat, bis Horrorfilme von der Extreme der Schauwerte her erst wieder an dieses schockierende Niveau angeknüpft haben. Man kann dem Film seinen frühen Stellenwert im damals anders gearteten harte Filme-Meer nicht abstreiten, dieser Platz steht ihm cineastisch feste zu, aber so uninspiriert wie das alles wild aneinander geschnitten ist, ohne eine wirkliche Form der Bedrohung zu vermitteln, ohne dem Zuschauer die Chance zu geben das Gesehene ernst nehmen zu können anstatt sich nur provo-peinlich berührt zu fühlen, so wenig weiß es schließlich außerhalb der Kotz- und Schamgrenze zu wirken. Mit Blick von heute besteht schließlich gar kein Sehwert mehr, "The Cuckoo Clocks of Hell" (Alternativtitel) muss man, wenn man überhaupt etwas mit ihm anfangen kann und will, möglichst mit den Augen von einst gucken, sich stets bewusst machend, dass es etwas derartiges damals nicht gab, auch nicht in den Werken des Splattererfinders Herschell Gordon Lewis.

Roger Michael Watkins wandte sich nach diesem Werk nur noch einmal dem Horrorfilm zu und drehte drei Jahre später "Shadows of the Mind", interessierte sich aber letztendlich mehr für den Bereich des Pornofilms, was der hier besprochene "The Fun House" (Alternativtitel) bei all den unnötigen Sex- und Nacktszenen bereits erahnen lässt. Selbst aus cineastischer Sicht ist das Teil eher Zeitverschwendung, entfacht der Film doch auch theoretisch bei mir keine wirkliche Bewunderung, sondern lediglich gleichgültige Anerkennung des Vorreitertums. Es wäre schön gewesen einen Hauch Intellekt inmitten dieses Provokationscocktails entdecken zu können, stattdessen gab es nur hirn- und geschmackloses Grenzeneinreißen für Minderbemittelte, die dies für ihr Ego brauchen.


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