2018/05/06

BLUTNACHT - DAS HAUS DES TODES (Night of the Dark Full Moon 1972 Theodore Gershuny)


Das Butlerhaus steht seit vielen Jahren leer, nun soll der unheimliche Besitz so schnell wie möglich weit unter Preis an die Stadt verkauft werden. Als der Besitzer nachts die Stadt erreicht, findet er seinen vorausgeschickten Makler nicht wie geplant vor. Und ohnehin scheint in dieser Nacht etwas ungewöhnliches vorzugehen, bekommen Bewohner wichtiger Positionen doch ominöse Anrufe und gehen spurlos verschwunden, so dass der Besitzer zusammen mit einer jungen Anwohnerin zu vermuten beginnt, dass die Vergangenheit des Hauses die Stadträte einzuholen scheint. Alte Dokumente geben Klarheit diesbezüglich...


Aus Kaviar Käse gezaubert...

Eine stimmige 70er Jahre-Atmosphäre legt sich über ein rätselhaftes Szenario. Das dreckige, recht wenig überarbeitete Bild der DVD unterstützt das Feeling, welches "Blutnacht" zunächst auszustrahlen scheint. Die Darsteller sind mittelmäßiger Natur, der Erzählstil wirkt manchmal etwas unbeholfen, aber insgesamt wirkt diese Halbprofessionalität stimmig auf seine Art, rau und trocken, selbst in seinen sanften, ruhigen, eher unbedeutend scheinenden Momenten. Ein John Carradine mag etwas ungewöhnlich wirken, wenn er auf "Breaking Bad"-Art lediglich mit einer Hotelklingel zu kommunizieren in der Lage ist, so dass solche skurrilen, für die eigentliche Situation unsinnig scheinenden Nebensächlichkeiten den Sehwert erhöhen und die Gesamtsituation in ihrem gerade mit heutigen Augen ungewöhnlichen Touch unterstützen. Wenn uns nun noch plötzlich auf "Psycho"-Art die Identifikationsfigur genommen wird, steigt die Erwartung und fühlt man sich doch in einem Glücksgriff des vergessenen Horrorfilms aufgehoben.

So reagiert man auch erst einmal nur verwundert, wenn die eigentliche Hauptfigur nun sehr merkwürdig und realitätsfern ins Geschehen gestoßen wird, gefolgt von einem ebenso wunderlichen Zusammentun mit einer jungen Frau die er kontaktiert und von nun an kaum mehr los wird. Kennen lernen durften wir diese durch einen sonderbaren Off-Kommentar, der nicht wirklich eins mit dem Gesehenen werden wollte, was eher verstörend sonderbar war, anstatt schon früh zu offenbaren, was später tatsächlich aus "Death House" (Alternativtitel) werden sollte: eine zerfahrene Sache, in der man nie weiß was die Autoren warum eigentlich tun. Schneller als einem lieb ist, muss man erkennen dass der bislang sympathische ungewöhnliche Stil einen Mangel an funktionierendem Erzählfluss geschult ist, der irgendwann nicht mal mehr mit anderen Sehgewohnheiten schön zu reden ist. Ständig werden auf umständlichen Wegen einfachste Szenarien angegangen und verhunzt, was nur halb so ärgerlich wäre, wenn nicht nach einer künstlich verworrenen Nacht eine Auflösung aller ungewöhnlichen Geschehnisse auf den Plan treten würde, die wahrlich großartiger Natur ist und es nicht verdient hätte, über einen ellenlangen Rückblick offenbart zu werden, der einen endgültig aus dem Geschehen reißt.

Was hätte manch anderer Filmschaffender, selbst mittelmäßigem Talentes, aus dem Plot gezaubert, welcher die wichtigen Menschen der Stadt urplötzlich in Wirklichkeit ehemalige Insassen einer Irrenanstalt sein lässt, in welches das im Zentrum stehende Haus einst von seinem Besitzer umgewandelt wurde, zur Behandlung seiner sich wunderlich verhaltenden Tochter? Aber nicht nur, dass Regisseur Theodore Gershuny eine solch brillante Idee zusammen mit seinen beiden Mitautoren lediglich für eine Auflösung verheizt, obwohl der Hauptteil eines Horrorfilms von dieser hätte zehren können, die drei Schreiber finden eigentlich auch innerhalb ihrer Anwendung keinen wirklichen Bezug durch diese Offenbarung zu den bisherigen Geschehnissen. Klar, manche Ältere der Stadt haben sich etwas merkwürdig verhalten, aber das war es auch schon. Und wenn im Finale jemand Totgeglaubtes doch noch lebt und zum Irren geworden ist, dann lebt nur kurz noch verfrüht ein kaum nennenswertes Slasher-Feeling auf, so dass auch hier der Bezug zur eigentlich fantastischen Idee durch zu wenig Verknüpfung mit dieser verschenkt wird. Dass die weibliche Hauptrolle mit Aufdeckung der Wahrheit erfahren muss, dass ihre Mutter einst von gewaltbereiten Psychos geschwängert wurde, dessen Produkt dieser qualvollen Prozedur sie nun ist, interessiert innerhalb von "Night of the Dark Full Moon" (Originaltitel) nicht, obwohl dieser verstörende Gedanke von analytischen Horrorfilmen mit offenen Armen empfangen worden wäre. Reines Ignorieren diesbezüglich lässt besagte Figur desinteressiert erscheinen, gefühllos gar, Adjektive die jedoch dem Drehbuch zuzuschreiben sind, so wenig wie hier eine brillante Idee, mit all ihren möglichen und sich zwingend darbietenden Auswirkungen, nicht als solche erkannt wurde. 

Gern hätte es eine Art Prequel geben dürfen, in der man miterlebt wie die Geisteskranken die Stadt beziehen und wie sie (wahrscheinlich halbwegs friedlich, da stets unentdeckt) mit Durchreisenden umgehen. Was geschah mit der Ur-Bevölkerung? Was mit Menschen, die auf das Geheimnis stießen aufgrund toter, hier einst lebender Verwandter? Da hätte so einiges an Potential in der grandiosen Idee von "Silent Night, Bloody Night" (Alternativtitel) auch für Fortsetzungen gelauert, stattdessen wird man mit einer ungelenken Erzählung bestraft, die es nicht zulässt in den umständlich erzählten Plot einzusteigen, zumal die neuen Identifikationsfiguren nach dem Tod der ersten hohle Hüllen bleiben, die sich wunderlich verhalten (obwohl sie nicht zu den finalen Geisteskranken dazu zählen). Wirft man auf den Filmdatenbanken im Internet einen Blick auf die Neuverfilmung von "Zora" (Alternativtitel), dem 2013 erschienenen "Stille Nacht - Blutige Nacht", kann man sich schnell die Hoffnung abschminken, dass eine Neuerzählung vieles von dem wett macht, was "Das Haus des Todes - Blutnacht" (Alternativtitel) als Original nicht in der Lage ist zu erfüllen. Die Bewertungen sind sowohl auf der IMDb, als auch auf der OFDb derart niedrig ausgefallen, dass man in diesem Falle wohl was um besagte Werte geben darf. Somit bleibt "Deathhouse" (Alternativtitel) ein missglückter Versuch mit stimmigem Einstieg und völlig verschenkter Wahnsinnsidee, von der ich mir wünsche, dass sie eines Tages in einem anderen Film die Aufmerksamkeit erlebt, die sie auch verdient hat. Bei all den themenverwandten Werken auf dieser Welt muss es ja nicht zwingend eine Neuverfilmung des hier besprochenen Streifens werden, ein Alternativstoff wäre völlig ausreichend.


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