Samstag, 5. Mai 2018

PORKY'S 2 - DER TAG DANACH (Porky's 2: The Next Day 1983 Bob Clark)


Die Schüler der Angel Beach High, die einst Stripclubinhaber Porky in seine Schranken wiesen, legen sich mit religiösen Moralisten, einem korrupten Politiker und dem Ku-Klux-Klan an, da man ihnen verbieten möchte die angeblich obszönen Werke William Shakespeares aufzuführen...


Freiheit für die Kunst...

"Porky's" mag nichts Großes im Fahrwasser von "Eis am Stiel" und Co gewesen sein, aber er war doch ein unterhaltsamer Abstecher in die alberne Vision wie die amerikanische Jugend der 50er Jahre angeblich drauf war und damit eine provozierende Party im eher biederen Gesamtbild der damaligen Kinokultur des Landes für die Kids des damaligen Heute. Damit war bereits Teil 1, wenn auch versteckt, ein Arschtritt für Moralapostel. Bob Clark, der zuvor Hororfilme wie "Dead of Night" drehte, und bereits dort kritisch mit der amerikanischen Gesellschaft umging, mag eine eher klamaukig geratene Komödie mit dem ersten Teil der auf vier Folgen angewachsenen Kinofilmreihe abgeliefert haben, aber auch eine bissige und vor allen Dingen charmante, so schnell wie man die dort angewandten Figuren liebgewonnen hatte und so schnell wie man ihr grenzüberschreitendes Verhalten tolerierte. 

"Porky's 2" präsentiert uns nun die weniger subtile Variante eines bereits zuvor recht lauten Stoffes, sprich die Moralapostel bekommen diesmal höchst persönlich eins auf den Deckel, und da kann man im tiefstreligiösen Amerika schon staunen wie mutig Clark und seine Mitautoren darin vorgingen Rechtsextremismus und Religionsfanatismus als gleichwertig menschenverachtend auf eine Stufe zu stellen, eine Verbindung die in den Medien aufgrund von Glaubenstoleranz zu selten klargestellt wird. Für einen Film, der dem biederen Amerika etliche Pimmel von Ku-Klux-Klan-Angehörigen vor die Nase hält, ist das aber ohnehin nur eine von vielen Provokationen, so dass das Publikum damals einiges zu schlucken bekam und Clarks Werk bei Konservativen sicherlich zu einem der liebsten Hassobjekte seiner Zeit wurde.

Es ist schön mit anzusehen wie korrupte Politik, religiöser und rechter Fanatismus und mit allen zusammen Moralisten, die es wagen sich über andere zu erheben, ihr Fett weg bekommen, als die drei Ur-Feinde eines liberalen, freiheitsliebenden Miteinanders. Allerdings guckt sich ein solcher Kampf von Schülern geführt schon weit weniger realistisch als der olle Krieg seinerzeit gegen Porky, der bereits nur als Kinovision zu funktionieren wusste. Das etwas zu weltfremde und in seinem Sieg auch arg blauäugig ausgefallene Zusammentreffen pubertierender Schüler und demokratiefeindlicher Moralisten als feindlich gesonnene Lager wirkt wesentlich konstruierter als der sich zumindest auf der Leinwand noch echt anfühlende Konflikt mit dem Stripclubbesitzer, und mag es auch das Herz am rechten Fleck besitzen, wenn er amerikanische Ur-Einwohner als friedliebendes, unterdrücktes Volk in Schutz nimmt und die Doppelmoral von Predigern und Politikern hervorhebt. 

In einer der besten Szenen des Streifens legt sich der Schuldirektor mit dem Referent an, indem schmutzig klingende Passagen als Zitateduell aus den Werken Shakespeares und der Bibel gegeneinander vorgetragen werden. Nicht nur dass diese Szene äußerst lustig gespielt ist, treffsicher ausgefallen ist und aufzeigt wie man Werke, aus dem Kontext gerissen, für seine Zwecke einbinden oder verurteilen kann, besagter Moment lebt zudem stark von der Sympathie der Direktorenfigur, die in ihrer senilen Anlehnung bereits im ersten Teil charmant daher kam, als sie extremistische Moralappelle der Lächerlichkeit preisgab. Es wäre schön gewesen man könnte von einer solchen aufkommenden Sympathie auch bei den jugendlichen Figuren der Fortsetzung sprechen, aber die Kids, die im Vorgänger noch griffige Charaktere waren, wirken nun wie über einen Kamm geschert, keineswegs mehr individuell ausgefallen und bilden nur noch ein solidarisches Gesamtbild, von der jeder nur ein anonymes Stück, ein gesichtsloses Mitglied ist. Die einst menschlich wirkenden Filmfiguren werden fast nur noch für den guten Zweck instrumentalisiert, so dass ihre Schöpfer überhaupt nicht bemerken, dass sie mit dieser Angleichung der Charaktere etwas ähnlich Fragwürdiges erschaffen haben, wie das was sie bekämpfen, ein häufig zu beobachtender Aspekt, wenn Weltenretterer und Freiheitskämpfer extremistische Wege gehen.

Einzig Pee Wee als Zugpferd wirkt durch seine etwas mehr in den Mittelpunkt gerückte Position individueller, was auch erneut an der erkennbaren Spielfreude seines Darstellers liegt, der immer im richtigen Moment die kindliche Ader des kurz vor dem Erwachsenwerden stehenden Jugendlichen aufkommen lässt. Letztendlich ist aber auch er nur Teil der Gesamtclique, so wie es bereits in Teil 1 der Fall war, aber inmitten der zu gesichtslosen Mitspielern verkommenen Figuren ehemalig sympathischer Teeniecharaktere fällt Pee Wee, ohne tatsächlich Zugpferd zu sein, freilich umso mehr auf.

Geht man mit dem Aspekt der etwas fehlgeleiteten Mission der Autoren nicht ganz so streng um, bleibt trotzdem noch der Aspekt im Raum stehen, dass ein krampfhafter wirkendes Szenario die Party nicht noch einmal so rund laufen lässt wie beim ersten Mal. Störend ist meiner Meinung nach aber auch der zu plump ausgefallene Aspekt geraten, dem lügenden Politiker eins auszuwischen. In der sehr lang geratenen Restaurantszene hätte man den Schülern der Angel Beach High doch etwas mehr Raffinesse zugetraut, als die vulgäre Nummer, die da abgezogen wird, aber das vertieft den ohnehin etwas arg bitteren Beigeschmack, den ein Appell an die unreflektierte Spaßgesellschaft ohnehin immer mit sich bringt. Dass der Film nach erfolgreicher Mission viel zu plötzlich endet, ist ärgerlich, beweist aber auf ein Neues, dass die Figuren nur Nebensache eines ideologischen Kampfes waren und für diesen nur gesichtslos instrumentalisiert wurden. Was mit ihnen hinterher passiert, interessiert die Autoren nicht.

Auf simpler Ebene mag das trotzdem noch alles funktionieren, eben weil der Film wunde Punkte trifft, wenn er exakt jene drei Feindbilder ausbuddelt, die einer solidarischen, freiheitsliebenden Gemeinschaft stets die Suppe versalzen wollen. Und auch die neckischen Spielereien der Teenager untereinander wissen das etwas zu verkrampft ausgefallene Gesamtbild aufzulockern, was mit dem "American Pie"-artigen Auslachen eines Einzelnen von einer Gruppe nach der Auflösung eines Streiches oder einer Peinlichkeit stets mehr zu wirken weiß, als durch den auslösenden Streich selbst. Aber selbst in jener Phase, in der es noch einzig um das alltägliche Leben von Schülern geht, verärgert das Drehbuch bereits mit Widersprüchen zu Teil 1 und zu konstruierten Szenarien. Eines davon, der Streich auf dem Friedhof mit dem Zombie, ist zumindest eine Anspielung auf Bob Clarks Erstling "Children Shouldn't Play With Dead Things", geht als Insider also somit in Ordnung, ansonsten hätte man sich vom hier besprochenen Film aber mehr Natürlichkeit, wie im trotzdem realitätsfernen Teil 1 der Reihe, gewünscht, eben weil der im Zentrum stehende Kampf sich bereits so gar nicht mit der Teenagerwelt vereinen lassen will.


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