2018/05/10

KILLERSCHLANGEN (Rattlers 1976 John McCauley)


Ein Reptilienexperte wird bei Ermittlungen ungewöhnlicher Todesfälle hinzugezogen, damit dieser den Verdacht auf Schlangenattacken bestätigen kann. Zwar stimmen die Vermutungen, jedoch ergibt das Verhalten besagter Tiere keinerlei Sinn, so dass die Situation näher erforscht werden muss. Eine Spur führt in ein Militärlager, wo man mehr über die Ursache des ungewöhnlichen Verhaltens der Klapperschlangen zu wissen scheint, als man zugibt...


Der 200-Dollar-Mann...

Dank des großen Erfolges von Spielbergs berühmten Hai-Horror wurde seiner Zeit in den USA eine Welle an Tierhorror-Filmen losgetreten, in welcher allerlei Gattungen um die Furcht des Publikums wetteiferten. Selbst niedliche Hunde ("Killerhunde") und Kaninchen ("Rabbits") ließ man mörderisch auf die Menschheit los. Schlangen gibt es nicht ganz so oft zu sichten wie Haie, Krokodile und Spinnen, aber auch sie sind ein recht häufiger Vertreter dieses Sub-Genres, und der zur Hochzeit auf der Bildfläche erschienene "Killerschlangen" schafft es trotz aller Routine auf die er aufbaut zumindest die sonst ständig verwendeten Elemente eines ignoranten Bürgermeisters, der Sorge um Touristeneinkünfte und ähnliches zu umgehen. Er spielt im staubtrockenen Süden Amerikas, und dort wird eine solche Thematik eher nüchtern angegangen, wie auch "Mörderspinnen" und "Taranteln - Sie kommen um zu töten" beweist, eine Nische innerhalb der Tierhorror-Nische, die andere Reize besitzt als es bei "Der weiße Hai", "Der Alligator" und Co, die in anderen Regionen Amerikas oder gar der kompletten Erde spielen, der Fall ist.

"Unternehmen Klapperschlange" (Alternativtitel) ist ein besonders konservativer Beitrag aus der höchst spießigen Ecke der USA und kommt in so ziemlich jedem Bereich der Erzählung unsensibel daher. Dementsprechend enttäuschend sind auch die schnell dahingeschluderten, mit echten Schlangen umgesetzten, Tierattacken ausgefallen, die mit schlechten Schnitten und nicht überzeugender Anzahl Geschehnisse vortäuschen sollen, die so beim Publikum nicht ankommen. So gibt es beispielsweise eine Szene, in welcher der recht kühn mit Klapperschlangen umgehende Experte beim Sichten eines Exemplars panisch aus einem tiefen Stollen hinaus rennt, und sich erst draußen in Sicherheit wiegt. Scheinbar wollte man mit dem Zeigen einer Schlange auf ein ganzes Nest verweisen, aber das kann man als achselzuckender Zuschauer nur vermuten. Ein wenig Rückendeckung bekommt diese Szene aufgrund des erhöhten Aggressionspotentials besagter Viecher, ein Aspekt der "Killer-Schlangen" (Alternativtitel) zumindest in manchen Bereichen glaubwürdiger gucken lässt als manch anderen Werke, schließlich wird immer wieder auf das gattungsuntypische Verhalten der Klapperschlangen hingewiesen, wohingegen manch anderer Genre-Beitrag so tut, als würde das gezeigte Verhalten der jeweiligen tierischen Gegner zu ihrem natürlichen Verhalten gehören.

Ich weiß nicht warum mir diese verkrampften Südstaaten-Horrorfilme von ihrer Mentalität her immer wieder gefallen, obwohl nur ein kleiner Teil Spießer in mir steckt, aber irgendwie gelingt es diesen Filmen immer ein Restinteresse am Stoff in mir zu wecken, auch wenn alles recht routiniert und albern daher kommt, gerade hier in "Rattlers" (Originaltitel), in dem gerade aufgrund des komplett egoistischen Superexperten und der hart um Gleichberechtigung kämpfenden Emanze einiges an unfreiwilliger Komik auf das Publikum losgelassen wird. So ist die Emanze freilich eine sehr attraktive Frau, die nicht nur recht belanglose Argumente für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz aufführt (so als ob ein Kind sich mit Luftschlägen zu wehren versucht), sie fühlt sich auch kichernd geehrt, wenn ihr auf höchst sexistische Art ein "Kompliment" gemacht wird. Der Experte hingegen ist derart von sich selbst überzeugt und irrt sich zu keinem Zeitpunkt, so dass er auch nie von seinen noch unbestätigten Vermutungen abkommt. Er erinnert an den total unsympathischen Protagonisten aus der Science Fiction-Serie "Der Unsichtbare", den man in dieser Charakterausrichtung erst einmal schaffen muss zu toppen. Übersprudelnd komisch wird es dann, wenn der höchst unsensible Film urplötzlich die Romantikkarte zieht und uns eine Klischeeaneinanderreihung an Romantikszenen präsentiert, die kein Auge trocken lassen, gerade was den Übergang von der bedrohlichen Szene zuvor zum direkt darauf folgenden Kuss nach einem plötzlichen Schnitt betrifft, der jegliches Mitempfinden ausschließt.

Trotz all seiner Negativpunkte kann man John McCauley zumindest durchaus zugestehen eine bedrohliche Grundatmosphäre geschaffen zu haben. Die staubtrockene Gegend, der ebenso ausgefallene ernste Grundton und die Sachlichkeit die stets vordergründig im Raum steht, anstatt die Action oder das Gefühl, hinterlassen einen angenehmen Eindruck, so dass "Killerschlangen" nicht als komplett gescheitert durchgeht, sondern zumindest in den Ermittlungsszenen zu funktionieren weiß. Dass man trotz aller Militärkritik gegen Ende brav wie ein Lamm das Militär huldigt und den Verantwortlichen zu einem Einzeltäter macht (der als eine Art Entschuldigung vergangener Mentalitäten als ewig Gestriger halbwegs Liberale als Kommunisten abtut), dürfte bei einem stets korrekt gehaltenen Südstaatenfilm kaum überraschen, der nie ernsthaft Kritik an allem was den Bürger beschützt ausüben würde. Aber das gehört zu dieser Art Film dazu, und wenn die Tierattacken etwas besser umgesetzt wären, könnte trotz all dieser Umstände ein brauchbarer Genrebeitrag entstanden sein. Schade dass dem nicht so ist, aufgrund der reichhaltigen Konkurrenzprodukte ist das aber durchaus leicht zu vertrösten.


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