2018/06/30

BLUE SUBMARINE NO. 6 (Ao no rokugô 1998 Mahiro Maeda)


Die Welt ist nach einem Krieg extremst zerstört. Ein radikaler Umweltaktivist versucht mittels von ihm erschaffener Mutanten das Ende der Menschheit herbeizuführen. Eine U-Boot-Mannschaft versucht ihm Einhalt zu gebieten. Es ist die letzte Chance die Menschheit vor ihrem Untergang zu bewahren...


Ungewöhnlich ausufernde Frustverarbeitung nach Familienverlust...

Mit dem für den Videomarkt konzipierten Vierteiler um die Mannschaft der "Blue Submarine No. 6" wollte man im Anime-Sektor Neuland betreten, indem man den klassischen handgezeichneten Trickfilm-Stil mit dem der gerade aufkommenden Computeranimation vereinen wollte. Allerdings nutzte man die CGI nicht dazu, wie im Falle von "Blood - The Last Vampire", das fertige Produkt dennoch wie einen klassisch gemalten Zeichentrickfilm aussehen zu lassen, beide Stile sollten deutlich sichtbar parallel nebeneinander herlaufen. Während man bei den Experimenten um realistisch ausschauende Computeranimation bei "Final Fantasy" über diesen Aspekt hinaus vergaß dem Projekt eine interessante Geschichte zu bescheren, versuchte man bei "Ao no rokugô" (Originaltitel) zumindest auf eine Story zu bauen, die geradezu klassisch sämtliche Elemente eines typischen Animefilms besitzt. Die Welt ist in der Zukunft zerstört, Gut kämpft gegen Böse, eine neue Spezies macht sich breit, Fremde vereinen sich, Aggressoren haben tiefschürfende Pläne, der Mensch muss seine Art zu handeln überdenken.

Zugegeben, das klingt nicht sonderlich mutig, macht aber zumindest neugierig auf das aus diesen Zutaten bestehende Werk, und wenn man wissen will warum "Blue Submarine No. 6" als Vorreiter seiner Art selbst in Anime-Kreisen nicht so vielen Menschen bekannt ist, wie es beispielsweise "Akira" ist, oder "Ghost in the Shell", "Jin-roh" und Co sind, der braucht nur einmal einen Blick auf das fertige Produkt zu werfen, um zu erkennen warum dem so ist. Das Ergebnis ist extremst massenkompatibel ausgefallen. Man versuchte es allen recht zu machen, indem man den kleinsten Nenner präsentiert, und das ist, trotz mittelmäßigem Ergebnis, enttäuschend zu nennen. Die Zusammenkunft der beiden Zeichenstile erweist sich als unangenehm, insbesondere bei Aufnahmen die über dem Wasser spielen. Die unübersehbare Differenz der beiden Stile reißt einen stets aus der Illusion des Erzählten heraus, man kann kaum in die schlichte Geschichte eintauchen, das rechte Feeling will sich bei dieser unangenehmen Animationszusammenkunft nicht einstellen.

Das ginge noch aufgrund der meisten Geschehnisse unter Wasser in Ordnung, wenn nicht auch die eigentliche Geschichte zu plump ausgefallen wäre. Zunächst setzt man einzig auf Action, was aufgrund der ärgerlichen Animation nicht mitreißen will, ab Episode 2 besinnt man sich auf eine menschenorientiertere Handlung und scheint zunächst in die richtige Richtung zu tendieren, gerade mit dem an "Elfen Lied" erinnernden Aspekt einer Freundschaft zweier Arten. Aber je weiter die Geschichte voranschreitet, desto ärgerlicher werden ethisch angegangene Ansätze, stehen sie doch im Schatten zwei plumper verfeindeter Ideologien, jener des Krieges und jener des Menschenhasses. Was da für Rechtfertigungen auf beiden Seiten vorgebracht werden ist fragwürdig ausgefallen. Das angesetzte Ziel des Umweltaktivisten wirkt lächerlich und zu radikal, auch weil es mit selbiger Holzhammer-Mentalität präsentiert wird wie zuvor die kriegsgeilen Diskussionen der Mannschaftsmitglieder der "Blue Submarine No. 6". Stets versucht man die Geschichte äußerst tiefsinnig erscheinen zu lassen, aber sie ist das Gegenteil dessen mit ihren hohlen Phrasen und den undurchdachten Ansätzen. Esoterik ersetzt ethischen Tiefgang, vergleichbare Stoffe werden imitiert anstatt verstanden.

Es ist der schlichte, angenehme Zeichenstil der handgefertigten Passagen, die zu gefallen wissen und glücklicher Weise die Animationsteilung dominieren, und es ist die sympathische japanische Synchronisation, die das zu plump ausgefallene Treiben noch guckbar bleiben lassen. Es sind die herrlich ausgeflippten, wenn auch nicht sonderlich kreativ ausgefallenen, Figurentypen der Mutanten die zu gefallen wissen und manch kurze inhaltliche Ansätze, die in die richtige Richtung tendieren, bevor sie durch Quantitäten wieder zunichte gemacht werden. In seinen ruhigen Szenen ist "Blue Submarine No. 6" stets besser ausgefallen als in seinen flotteren, was mitunter auch am lächerlichen Soundtrack liegt, der über die ärgerlich animierten Actionszenen gelegt wird. Mit viel Wohlwollen kann man das Ergebnis noch als annehmbar titulieren. Aus der Geschichte selbst hätte man bei intelligenterer Herangehensweise eigentlich etwas wesentlich unterhaltsameres zaubern können. Möglichkeiten dazu waren zuhauf gegeben.


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