2018/08/11

LEPTIRICA (1973 Djordje Kadijevic)


In einem jugoslawischen Dorf werden die Müller von einer übernatürlichen Kreatur überfallen und getötet...


Die Motte ersetzt die Fledermaus...

Wenn von einem schlicht abgefilmten, aber trotzdem atmosphärisch fotografierten Werk die Rede ist, das einige Jahrzehnte zurück liegt, mit Vampirthematik gesegnet ist und aus einem Land kommt, aus dem man nicht so oft Filme konsumiert, dann ist nicht nur die Neugierde bei mir geweckt, dann wachsen automatisch auch Erwartungen. Und was soll ich sagen? "Leptirica" hat sie so gar nicht erfüllt und mir auch mit heruntergeschraubten Erwartungen so gar nicht zugesagt. Ich fand kein Zugang zu diesem Werk, welches plump abgefilmt jede Chance auf künstlerischen Wert in Sachen Optik vergeigt hat, und gleichzeitig einen arg klamaukigen Mix aus Horror, Komödie und Heimatfilm präsentiert, dessen Geschichte so konfus geraten ist, dass der Regisseur innerhalb einer schlichten Story bei einer Gesamtlaufzeit von einer Stunde bereits die Übersicht verliert.

Im deutschen Untertitel der hier erhältlichen DVD wird man sich nicht ganz einig, ob es um einen Werwolf oder einen Vampir geht. Das ist verständlich, wenn man die Kreatur des Streifens einmal erblickt hat, weckt jedoch die Neugierde ob das im Originalton auch der Fall ist. Immerhin geht "The She-Butterfly" (Alternativtitel), und das ist das einzig positive was ich über ihn sagen kann, einer eigenen Mythologie nach. Nicht nur dass die Kreatur von ihrem Aussehen her dementsprechend Vampir-fremd für unsere Augen kreiert ist, im Film nicht erklärte Gesetzmäßigkeiten werden zu Wichtigkeiten zum Verstehen der Geschehnisse. Motten spielen eine Rolle, entweder als Gestaltenwandler des Vampirs, oder als eine Art Seelenfortbewegungsmittel. Eine Vampirgestalt im Sarg, verbuddelt in der Erde, lässt entweder einen Parallelkörper vermuten, oder einen Vorgänger (letzteres wirft mehrere Fragen über Schuld und Unschuld, Infekt oder Vererbung des anderen, nicht verbuddelten, Vampirs auf). Ich bräuchte keine Erklärungen dieser Dinge, um mich in "Butterfly" (Alternativtitel) wohl zu fühlen, sehr wohl aber eine stimmige Atmosphäre, welche diese Mystik zu greifen begreift.

Doch das lässt sich schwer erfüllen bei hauptsächlich am Tag abgefilmten Szenen, in denen sich Figuren naiv wie in einem Kinderfilm benehmen und bewegen (ewig stolpert man herum), und da sieben Trottel an der Zahl sind, denkt man unweigerlich an die sieben Zwerge, während Schneewittchen kaum eine Rolle spielt, obwohl sich die Geschichte zur zweiten Hälfte mehr für ihre Verlobung mit dem scheinbar einzig jungen Mann im Dorf interessiert, als für die eigentlich zuvor erzählten Handlung, dass die trotteligen Dorfältesten unbedingt etwas gegen die von einem Vampir ausgeübten Müllermorde unternehmen müssen - was auch immer das sein soll, sie wissen es selbst nicht. Schnell ist man davon überzeugt das Grab eines unangenehmen ehemaligen Einwohner des Dorfes finden zu müssen. Die Begründung hierfür ist so unersichtlich wie die Entfernung des irgendwann tatsächlich entdeckten Grabes. Einmal benötigt man ein Pferd um über einen kurzen Zeitraum zum Grab zu gelangen, ein andermal reicht ein 5minütiger Spaziergang. 

Warum man vor Ort das unsichtbare Grab entdeckt gehört zu den vielen anderen offenen Fragen für deren Antworten man sich irgendwann nicht mehr interessiert, eben weil nichts einer erkennbaren Rationalität unterliegt und sich in Sachen Horror ohnehin nicht die Mühe gegeben wird auf eine der vielen Arten, mit denen Horror funktionieren kann, zu unterhalten. Zu wichtig ist Djordje Kadijevic die Komik des Stoffes, zu sehr verlässt er sich auf seine Schlusspointe, die man bereits erahnt, obwohl sie kaum Sinn macht. Irgendwo zwischen Schneewittchen, Räuber Hotzenplotz, Dracula und Ziegenpeter pendelt dieser unausgegorene Film hin und her, ohne aufgrund dieser schrägen Aufzählung interessant oder wenigstens unfreiwillig komisch zu werden. Schade, ich hatte wirklich mit einem kleinen Geheimtipp für ein eingeschworenes Publikum gerechnet. Wer diesen Film mag sympathisiert sicherlich auch mit dem "Werwolf in Bangkok".


Weitere Besprechungen zu Leptirica: 


Kommentare:

  1. Möchtest Du die DVD loswerden? Der steht nämlich schon seit geraumer Zeit auf meiner Wunschliste ganz weit oben ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, tut mir leid, der bleibt in der Sammlung. :)

      Löschen