INDEPENDENCE DAY 2 - WIEDERKEHR (Independence Day: Resurgence 2016 Roland Emmerich)


Die Invasoren kommen zurück. Erneut muss sich die Menschheit gegen sie behaupten...


Ach, die schon wieder...

Dass man von Roland Emmerich keinen Geniestreich erwarten würde, dürfte wohl klar sein. Und dass man wieder sein patriotisches Weltbild ertragen muss, gekleidet in Stereotype, Klischees und Pathos, müsste ebenso jedem klar sein. Mehr Kawumm würde man ebenfalls von dem Meister des plumpen Mainstreams erwarten, das ist in gewisser Weise auch gegeben, schließlich schenkt uns "Independence Day - Wiederkehr" wenig Atempausen, es fühlt sich jedoch gar nicht so an. Das interessanteste und überraschendste Merkmal der Fortsetzung des recht tauglichen Vorgängers ist die, dass Emmerich aufgeregendes erzählt, aber unaufgeregt umsetzt. Vor dem Abspann hätte man noch eine große Actionsequenz erwartet, so zahm wie sich das Sequel guckt, aber nein, das war es tatsächlich, den Sieg leichter errungen als man meinen sollte.

Eine wirkliche Gefahr scheinen die Außerirdischen nicht mehr zu sein. Sie zerstören zwar wieder allerhand, etliche Menschenleben werden eingefordert, und doch ist "Independence Day: Resurgences" (Originaltitel) in eine Gleichgültigkeit getaucht, die den Angriff der Invasoren wie ein sich wöchentlich wiederholendes Ärgernis anfühlen lässt, aber nicht gerade, wie es trotz aller Schwächen selbst das Original schaffte, wie das Womögliche Auslöschen der kompletten menschlichen Rasse auf diesem Planeten. Emmerich interessiert sich mehr für Selbstzitate, das Erschaffen von Ritualen für mögliche kommende Fortsetzung irgendwann und für das Wiedererkennen von Figuren. Die Rolle Bill Pullmans ist zumindest halbwegs interessant ausgefallen, aber auch er spielt in diesem unaufgeregten Werk nur mit halber Backe, bis sein Charakter endlich ableben darf. Der Rest, ob bekannt oder nur an bekannten Figuren des Erstlings orientiert, interessiert so wenig die Bohne wie der komplette Stoff.

Zwar ist das Ganze irgendwie trotzdem so kurzweilige inszeniert, dass man bis zum Schluss dran bleibt, aber gerade in Zeiten sich stets überbietender Blockbuster ist am Ende diese Ernüchterung da. Aha, das war es also. Hätte man mir vorher vom Zustand der Fortsetzung erzählt, ich hätte mich gefreut, klingt doch in Zeiten von zu viel Schauwerten im Popkornfilm ein Zurückfahren nach dem typischen weniger ist mehr. Aber in einer Figuren- und Klischeewelt Emmerichs braucht man scheinbar diese Schauwerte, um die eigentliche Leere zu überschatten. Und die offenbart sich in "IDR" (Alternativtitel) geradezu erschreckend.

Glücklicher Weise mag ein gewisser Grad unfreiwilliger Komik zusätzlichen Sehwert bescheren. So konzentriert sich zwar das erschaffene alternative Weltbild nach dem Alienkrieg auf den technischen Fortschritten die aufgrund außerirdischer Technik seit dem gemacht wurden, aber trotz aller herben Verluste und Zerstörungen der ersten Invasion ist man gesellschaftlich so dekadent geraten wie heute üblich in den USA, und die Bevölkerungsdichte entspricht auch nicht gerade dem, was sich nach Teil 1 hätte fortpflanzen können. Kurzum ist das Amerika hier im Film das glattgebügelte, aber technisch weiterentwickelte Amerika von heute, zumindest aus der Sicht naiver Menschen. Selbst bei geringer Erwartungshaltung habe ich tatsächlich mehr erwartet. Mit seinem mickrigen, fast gleichgültig bekämpften zweiten Invasionsversuch hat mich der Schwabe überraschend negativ überrumpelt.


Weitere Besprechungen zu Independence Day 2:


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Eine Fortsetzung, die die Welt nicht brauchte. In vielerlei Hinsicht. Dann doch lieber noch einmal das Original schauen.

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