GYO - DER TOD AUS DEM MEER (Gyo 2012 Takayuki Hiaro)


Urplötzlich wird Japan in verschiedenen Städten von aus dem Meer wandernden Fischen auf Stelzen überrannt, die nicht nur einen unangenehmen Geruch verbreiten, sondern auch durch ihr aggressives Verhalten und ihrer großen Population zu einer Gefahr für die Menschheit werden. Sie übertragen einen Virus auf uns Menschen, der zu einer bösartigen Mutation führt...


Hai am Stiel...

Gern greift "Gyo - Der Tod aus dem Meer" auf den Hingucker Haie auf Stelzen zurück, was inmitten seiner ungewöhnlichen Geschichte auch gut zu funktionieren weiß. Dieses Rezept klingt nach einem Leckerbissen a la "Sharknado" aus dem Hause Asylum, ist aber ein Anime von Takayuki Hiaro, der zuvor lediglich Teil des Regisseuren-Teams der Animeserie "Futakoi Alternative" war. Mittlerweile hat er noch den Zeichentrickfilm "Yoyo und Nene - Die magischen Schwestern" abgeliefert, der eher fröhlicher und üblicher Natur der kinderfreundlichen Gattung seines Genres zu sein scheint, sein hier besprochenes Werk gehört jedoch zu der düsteren, erwachsenen Gattung, und ist nicht gerade gewöhnlich zu nennen. Waren Horror-Animes wie "Wicked City" und "Twilight of the Dark Master" noch hauptsächlich Fantasy-lastig angelegt, eine Mythologie um zwei sich gegenseitig bekämpfende Fronten im Fokus haltend, da kommt der Horrorbereich in "Gyo" (Originaltitel) schon wesentlich zentraler daher. Ein Blick auf "Knight of Thorn" und "Seoul Station" wird dem Bereich schon gerechter. Und obwohl Hiaros animiertes Horrorwerk kein Zombiefilm ist, so ist er dieser Gattung trotz seines anderen Aufhängers doch wesentlich näher als man vermuten sollte.

Immerhin wird auch hier die Menschheit von einer unangenehmen Bedrohung überrannt, die zudem die Menschheit mit einem Virus anstecken kann, der zu einer bösartigen Mutation führt. Wenn sich "Gyo" mit seiner reißerischen und relativ schlicht animierten Art im ersten Drittel befindet, ahnt man aufgrund des noch braven Blickes auf den üblichen Handlungsverlauf einer solchen Chose (trotz ausgeflipptem Aufhängers) noch nichts von seinem Endzeitcharakter, der ihn ebenfalls mit dem Zombie-Genre vereint. Auf den Weg zu dieser herrlich tristen Science Fiction-Eigenschaft stehen dem Zuschauer aber ohnehin noch einige ungewöhnliche Wendungen, Szenen und Absonderlichkeiten bevor, denn der auf einem Manga basierende Film tobt sich ordentlich aus. Hier wurden diverse kranke Ideen eingebracht, hemmungslos wird sich in diversen Richtungen ausgetobt, dabei auch gerne mal den Überblick für das Gesamte verlierend. Wo anfangs gerne auch mal auf harmlose Art auf Hentaifilme anspielend sexuell provoziert wird, da lernen wir innerhalb von Massenpanik, Fischsmenschmutationen in gasgesteuerten Laufmaschinen und einer übelst stinkenden neu dominierenden Gattung noch die herrlich abgedrehten, historischen Hintergründe des Phänomens kennen, dürfen erfahren was ein durchgeknallter Wissenschaftler aus dem ihm zur Verfügung stehenden, absonderlichen Informationen gezaubert hat und lernen wir einen Zirkusdirektor kennen, der die Grenzen des Rationalen in diesem herrlich irren Film endgültig komplett einzureißen weiß.

Mag "Gyo - Tokyo Fish Attack" (Alternativtitel) auch lediglich ein reißerisches Trivialwerk sein, dem es nie um irgendeine Art von Tiefgang geht (weswegen man ihm auch seine Schwächen gerne verzeiht), einfallsreich ist er sehr wohl ausgefallen, angereichert mit einer zwischenmenschlichen Tragödie der bizarren Art und versehen mit solch wundervollen Ideen, wie den Gestank zu einer zentralen Thematik zu machen und ihn aufgrund dessen auch zeichnerisch darzustellen. Schwarzer Humor weht hier ebenso mit wie Endzeitstimmung, WTF-Momente, sexuelle Provokationen, Dramatik, Monster- und Mutationsszenen, sowie eine abenteuerliche Geschichte in einer bizarren Science Fiction- und Horrorwelt. Und dieser schräge Mix für Freunde ungewöhnlicher Geschichten und pubertierender Stoffe, an denen nur junggebliebene Geister kompromisslos ihre Freude haben können, kommt mit solch einer angenehmen Laufzeit von unter 70 Minuten daher, dass die Zeit nur so dahin fliegt. Dementsprechend entspannt und unterhaltsam lässt er sich geistfrei gucken, manchmal gar eine geistvolle Idee präsentierend, hauptsächlich jedoch dazu gedacht mit viel Sehwerten versehen eine einfallsreiche Chose aufzupeppen. Zwar hätte man sich sicherlich über eine professioneller Animation gefreut, dem Jahr 2012 wird dieser Mix aus gekonnter und zu billiger Animation nicht gerecht, andererseits unterstreicht der veraltete Animationsstil den Schundbereich des kompletten Produktes, so dass auch dieser ähnlich Charme zu versprühen weiß, wie das Gesamtwerk ohnehin. Mir hat der herrlich unreife Film für Erwachsene zumindest unheimlich Freude bereitet, weit entfernt von der Oberliga der Animefilme, aber ein sympathischer Außenseiter darstellend in seiner provokativen, absurden und bizarren Art.


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Trailer,   OFDb

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