GLASS (2019 M. Night Shyamalan)


Der unverwundbare David Dunn macht Jagd auf die Horde. Als er ihn/sie endlich stellen kann, wird er von der Polizei überrascht und zusammen mit Kevin Wendell Crumb in eine Nervenheilanstalt geschafft. Hier arbeitet eine Spezialistin für Patienten, die sich für Superhelden halten. Zu den Patienten vor Ort gehört auch Elijah Price, der Dunn einst bei der Entdeckung seiner Superkräfte als Berater zur Seite stand, bevor er seine wahre Seite offenbarte. Dem gebrechlichen Price gelingt es auf rätselhafte Art die Geschehnisse vor Ort zu manipulieren, doch was genau sein Ziel ist bleibt unklar...


Wie das Erwachen entstand...

"The Sixth Sense"-Schöpfer M. Night Shyamalan bewies nach einigen Auf und Abs mit "Split", dass er es noch immer beherrscht in der unaufgeregten Art seiner beiden ersten großen Erfolge großes Kino erschaffen zu können. Als wäre der Horrorfilm um einen Psychopathen mit 24 Persönlichkeiten nicht so schon vielschichtig und interessant genug ausgefallen, offenbarte er uns mit seiner letzten Szene, dass er im selben Comic-Universum spielt wie der 19 Jahre zuvor gedrehte "Unbreakable". Angefixt durch die Klasse des damaligen Streifens und der gelungenen Wiedererweckung des damals angegangenen Erzählstils, schien es, dass aufgrund der Zusammenkunft beider Werke etwas Aufregendes auf uns zukommen müsste, zumindest etwas augenzwinkernd Verspieltes. Immerhin bewies der Autor und Regisseur mit seinem Film über wen Unzerstörbares, wie anders, geradezu besonnen ein Superheldenfilm in völlig anderem Gewandt daher kommen kann, absichtlich besetzt mit Bruce Willis, dem Held vieler lauter Actionfilme, ein Rollenmuster auf welches er gerne von Halbwissenden reduziert wird. Nun in Zeiten der Muliversen von Marvel und DC, und den Versuchen diesbezüglich wie bei Universal mit "Die Mumie", erwartete ich ähnliches diesbezüglich bei "Glass".

Immerhin stoßen nun Figuren zweier unterschiedlicher, in manchen Bereichen aber doch ähnlicher, Filme aufeinander. Und man darf erleichtert feststellen, dass dies nicht nur die drei zentralen Protagonisten betrifft, sondern auch andere wichtige Figuren beider Werke. Besonders gefreut habe ich mich, dass man Spencer Treat Clark für die Rolle von Dunns Sohn zurückgewinnen konnte, so dass tatsächlich jeder Mime in der Originalbesetzung zurückkehrt ist, womit zumindest dieser Teil des Plans schon einmal nicht zu gewollt daher kommt. Auch die angegangene Geschichte wirkt wie ein funktionierender Plan des Projektes, denn was könnte reizvoller sein, als uns nach zwei Filmen, in denen wir in einer scheinbar normalen Welt von der Übernatürlichkeit der Figuren überzeugt wurden, nun daran teilhaben zu lassen, dass die drei lernen müssen eventuell einem Irrtum ihres Geisteszustandes zum Opfer gefallen zu sein? Kann das überhaupt sein, nach all dem was man miterlebte? Zweifel kommen während der Therapiesitzungen schneller auf als man als Kenner der Originalfilme vermutet hätte. Aber fast gleichzeitig kommen auch Zweifel darüber auf, ob Shyamalan erneut ein kleiner Geniestreich gelingt, um die Reihe auf gleicher Höhe mit dem Niveau der Vorgänger zu Ende zu bringen (oder auch nur auf ein neues Ergebnis zu hieven, wer weiß ob der gute Mann noch weiteres mit seinem Multiversum vor hat).

Die Methoden der Psychologin erscheinen so merkwürdig wie die räumlichen Begebenheiten, bzw. wie die zu phantastisch geratenen Schutzmaßnahmen vor Ort. Das könnte man freilich noch als derart übertrieben abtun, da die Filmreihe in einem eigenen Paralleluniversum spielt, welches unserem lediglich stark ähnelt. Dieses Zugeständnis könnte man jedoch nur akzeptieren, wenn von Anfang an klar ist, dass alle Patienten tatsächlich übernatürliche Kräfte besitzen, ein Ansatz, den "Glass" nicht verfolgt. Ohne Wenn und Aber verärgert jedoch, dass der analytische Aspekt und die Therapiedialoge mager und oberflächlich ausfallen sind. Eben darin hatte ich die wahre mögliche Stärke des Streifens vermutet. Nach einem viel zu laut ausgefallenen Einstieg ins Geschehen, der mich auch inhaltlich nur zum Teil überzeugen konnte, hoffte ich mit der Ankunft in der Nervenheilanstalt, "Glass" würde nun die Kurve kriegen. Das kriegt er auch, zugegeben, aus einem halbgaren Werk wird ein netter Unterhaltungsfilm. Aber verglichen mit "Unbreakable" und "Split" ist das Ergebnis eher mager zu nennen, da wollte man als Zuschauer mehr erleben als trivialen Spaß für zwischendurch. Mag der Film um Crumb trotz überdurchschnittlichem Ergebnis schon schwächer ausgefallen sein als der um Dunn, geht es mit dem Abstieg nun etwas zu rapide nach unten, zumal es Shyamalan nur noch um die Täuschung des Zuschauers geht, nicht aber um einen vielschichtig intelligenten Plot. Das beweist auch sein überraschendes Ende, das gerne viel cleverer wäre, als es ausgefallen ist, eben weil es aufgrund von Zweifel nicht die epischen Ausmaße annehmen wird, wie der aufgebauschte Schluss suggerieren möchte. Auch eine gewisse Gleichgültigkeit bezogen auf die hereingelegte Gruppierung ist vorhanden, eben weil man diese nicht näher kennenlernen durfte und nicht weiß, was sie bewegt zu tun was sie tut.

Es wäre möglich, dass in diesem letzten von mir kritisierten Punkt jedoch ein weiterer Film Eintritt in Shyamalans Multiversum nimmt. Ich kenne nicht alle seiner Filme, vielleicht tritt der elitäre Kleeblatt-Bund bereits woanders auf. Vielleicht möchte er Erklärungen zu diesem auch noch in der Schwebe lassen, um in einem zukünftigen Film auf die Geschichte über dessen Hintergrund zurückzugreifen. Sollte "Glass" jedoch den Schluss der Reihe darstellen, so ist er trotz der gelungenen Fortführung und Schließung der Erzählungen beider Vorgängerwerke zu banal geendet, eben aufgrund der beiden weiter oben erwähnten Begründungen. Selbst für einen Film, den man zum ärgernisfreien Konsum nicht all zu kritisch gucken sollte, ist dieser halbgare, zu lieb- und detaillose Schluss etwas zu viel Enttäuschung. Als verpuffende, warme Luft, könnte man ihn bezeichnen, so bedeutungsvoll und wuchtig, wie er gerne wäre, und so banal wie er trotz aller Täuschung doch lediglich ist. Aber er ist nicht das erste Ärgernis in einem Film, der lauter und weit weniger intelligent daher kommt als seine Vorgänger. Glücklicher Weise stehen ihm interessante Figuren, ein rätselhafter Plot und hervorragende Mimen zur Verfügung, um inmitten seiner enttäuschenden Art zumindest kurzweiliges, anspruchsloses Vergnügen zu bereiten - freilich erst wenn man akzeptiert hat, dass Teil 3 nicht zur alten Stärke zurück findet.


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