DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER (Panna a netvor 1978 Juraj Herz)


Auf einem heruntergekommenen Schloss lebt eine einsame, verwunschene Kreatur mit monströsem Aussehen. Als sie nach einem Vergehen das Leben eines Kaufmannes einfordert, tritt statt seinesgleichen dessen Tochter Julia den Weg zum Schloss an, die sich anbietet dort zu bleiben, damit ihr Vater im Gegenzug am Leben bleiben darf. Sie ahnt nicht, dass der Schlossherr ein Monster ist und darf an diesem unheimlichen Ort nur wohnen bleiben, wenn sie sich an die Abmachung hält ihn nie anzusehen. Julia verliebt sich in den Mann, von dem sie nur seine Stimme kennt, und auch die Kreatur fühlt sich zu Julia hingezogen. Aber es graut ihr vor dem Tag, an dem Julia die Wahrheit erfährt...


Düsternis vor schwarzem Hintergrund... 

Es gibt unzählige Verfilmungen des Märchens um "Die Schöne und das Biest". Und von all diesen sticht wohl "Die Jungfrau und das Ungeheuer" am deutlichsten heraus, hebt er doch die düstere Seite des Stoffes hervor und schaut sich deshalb nicht wie ein klassisches Märchen. Eher ähnelt er einem Alptraum, konzipiert für ein erwachsenes Publikum, auch wenn man im Zuge der bekannten tschechischen Märchenfilme zunächst einen solchen erwarten würde. Juray Herz' Werk ist somit ein Ausnahmefilm sowohl bezüglich der Vorlage, als auch bezüglich seiner Herkunft, ist aufgrund Letztgenanntem dementsprechend verwandt mit "Valerie - Eine Woche voller Wunder", stilistisch jedoch völlig anders geartet. Es ist nicht so, dass "Panna a netvor" (Originaltitel) nicht auch die kitschigen Elemente beinhalten würde, welche tief in der Vorlage verankert sind. Herz beachtet sie jedoch nur kurz, lässt sie gelegentlich einfließen, zelebriert sie dann sogar unerwartet, legt dann aber wieder den dunklen Schleier über diese, welcher die komplette Atmosphäre des Reststreifens ausmacht. Einzig hochtrabende Liebesbekundungen, nüchtern vorgetragen, zeugen ansonsten noch vom romantischen Urgehalt der Geschichte. Sie klingen theoretisch vorgetragen so unecht wie sich das Komplettszenario schaut, und eben weil der Film sich so realitätsentrückt schaut geht das auch in Ordnung.

Noch bevor das Monstrum ins Geschehen rückt, serviert uns der Regisseur von "Der Autovampir" eine düstere Grundatmosphäre. Neblige Wälder, eine unheimliche Hintergrundmusik, selbst der mit Zeichnungen untermalte Vorspann besitzt etwas beunruhigendes, während er zugleich mit morbide anmutenden Bildern bezaubert. Es ist die Poesie des Düsteren, die Romantik im Morbiden, welches "Die Schöne und das Ungeheuer" (Alternativtitel) sein gewisses Flair beschert. Herz baut einzig auf die Stimmung des Streifens. Sobald es inhaltlich etwas zu hinterfragen gibt, lenkt er ab. Hintergründe werden nicht geklärt, manch eingebrachte Elemente der Vorlage verlieren gelegentlich ihren Sinn, da ihr Bezug zum Rest nicht aufgezeigt wird. Interessanter Weise wird dies nicht zu einem Schwachpunkt des Streifens, denn diese ungeklärten Elemente besitzen ebenfalls ihre unheimliche Wirkung in dieser stimmigen Umsetzung, die zwar nicht wirklich zum Horrorfilm wird, aber in ihrer düsteren Fantasy-Art eine Nähe zu diesem Genre aufbaut. Herz gelingt es einen derart tief in diese oberflächliche Welt einzutauchen, dass man ihm nicht böse ist tiefer zu greifen. Jegliche Abweichung könnte einen Riss ins morbide Gewandt reißen, dementsprechend handelt der Regisseur mit der reduzierten Vorgehensweise richtig.

"Das Ungeheuer" (Alternativtitel) ist ein Liebhaberstück, welches mit viel Herzblut umgesetzt wurde. Die Kamera arbeitet verspielt, die Verantwortlichen der heruntergekommenen Burg dürfen sich ordentlich austoben, wenn es darum geht eine triste, lebensfeindliche Umgebung zu erzielen, dabei hätten selbst die nüchternen Winteraufnahmen gereicht sich an diesem Ort nicht heimisch zu fühlen. Ein interessanter Aspekt, welcher Ebenfalls von den anderen Verfilmungen des berühmten Märchens abweicht, ist die Entscheidung den monströsen Schlossherrn als Vogelkreatur auftreten zu lassen. Der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht, das Kostüm wirkt bizarr, funktioniert in seinen unheimlichen Szenen ebenso wie in seinen sinnlichen, so dass es das Kunstwerk abrundet, dem man hier beiwohnen darf. Wer auf Tiefgründigkeit zu Gunsten von Atmosphäre verzichten kann, ohne dass dabei die Charaktere vernachlässigt werden, der sollte als Freund älterer Werke aus uns fremd scheinenden Regionen unbedingt einen Blick riskieren. Juraj Herz ist mit "Die unglaubliche Geschichte" (Alternativtitel) wahrlich ein kleines Meisterwerk geglückt, in welchem selbst die bunteren Kitschmomente einen ungewöhnlichen Reiz besitzen.


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OFDb

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