07.03.2020

BLACK RAIN (1989 Ridley Scott)


Der unter Korruptionsverdacht stehende Polizist Nick überführt zusammen mit seinem Partner Charlie ein japanisches Mafiamitglied von den USA in dessen Heimatland. Nach der Übergabe an die Polizei dort, müssen die beiden feststellen ausgetrickst worden zu sein, als kurz darauf die wahren Gesetzeshüter den Mann übernehmen möchten. Vor Ort dürfen sie nur als Beobachter unter der Aufsicht von Masahiro im Fall tätig sein. Freilich halten sich die beiden nicht an die Spielregeln, und der stets korrekte Polizist Masahiro sitzt dadurch immer wieder zwischen den Stühlen beider Mentalitäten, rafft sich nach einer tragischen Wendung aber dazu auf Nick auch entgegen aller Regeln zu helfen...


Nicht des Geldes wegen...

Im selben Jahr, in dem mit "Karate Kid 3" ein intoleranter Film gegenüber einer den US-Amerikanern fremden Kultur in die Lichtspielhäuser kam, da präsentierte "Alien"-Regisseur Ridley Scott einen Action-Krimi, der den Respekt vor Asiaten ähnlich gekonnt einfängt, wie die ersten beiden Teile von "Karate Kid". Interessanter Weise schafft er dies ohne Anbiederung, ist "Black Rain" doch sowohl inhaltlich, als auch von seinen Bildern und Spielorten her ein dreckiger Film und lässt beide Kulturen zunächst nicht positiv erscheinen. Es sind die Feinheiten, die inmitten des Sumpfes, in dem ermittelt wird, die Anerkennung und den Respekt der japanischen Besonderheiten und Liebenswürdigkeiten hervor bringen. Und das Drehbuch tut gut daran, dass Nick mehr von Masahiro lernt, als es umgekehrt der Fall ist, denn der ist mit seiner penetranten und selbstgerechten Art, mit der er lange Zeit nicht in der Lage ist über den eigenen Tellerrand zu gucken, nicht gerade sympathisch gezeichnet. Aber das passt zum dreckigen und leicht pessimistischen Stil des Streifens, in welchem ohnehin nur die übelsten Bösewichter in ein reines Gut/Böse-Schema gesteckt werden, wohingegen so ziemlich jede andere Person zumindest ein Hauch Graustufen zugestanden wird, selbst dem mit Sato konkurrierenden Mafiaoberhaupt.

"Black Rain" ist mehr Kriminalfilm als Actionfilm, rummst es doch eher selten in dem atmosphärisch dicht erzählten Streifen, und ein guter Teil der Action findet über rasante Motorrad-Szenen statt. Erst Richtung Finale wird ordentlich geballert, und selbst dann liefert sich Scotts Genrebeitrag keinen unnötigen Schwanzvergleich. Sein Film bleibt für die Gattung die er bedient überraschend bodenständig und zurückhaltend erzählt und erfährt letztendlich nur über die beiden amerikanischen Polizisten jenen Leichtsinn und Unsinn, der sonst auch in Drehbüchern des Action-Kinos zu Hause ist. Der Hauptteil ist ohnehin ein Mix aus leicht zu lösendem Kriminalfall und hart inszeniertem Thriller, der auch manch brutale Szene vorzuweisen hat, die klar macht, dass hier nur der Freund von 80er Jahre-Action seine Freude haben wird, bodenständiges Drehbuch hin oder her. Mit Michael Douglas und Ken Takakura ist der Streifen überzeugend besetzt. Scott weiß es die Fremde gut in Szene zu setzen, was nicht ganz leicht ist, da die Figuren, die sich in dieser befinden, nie den Eindruck erwecken ohne fremde Hilfe verloren zu gehen. Das anfängliche Thema um Korruption erweist sich im Laufe der Handlung als wesentlich weitreichender, anstatt lediglich als Charaktervertiefung Nicks zu dienen, wird es doch gerade mit der Figur des Mafiachefs zu einem interessanten Motivationen-Kontrast beider Seiten, und freilich dient es auch der Lehre um Ehre im Umgang mit dem neu und schwerlich gewonnenen Freund Masahiro.

Auf 120 Minuten ausgewalzt ist die eigentlich recht minimalistische Story ausführlich erzählt, eben weil man sich Zeit für die zwischenmenschlichen Entwicklungen und dem damit einhergehenden Respekt unterschiedlicher Kulturen nimmt, und das weiß mir an "Black Rain" besonders gut zu gefallen. Dennoch sind die Charaktere zu oberflächlich gehalten und die Geschichte zu plump ausgefallen, als dass man Scotts Action-Thriller über den grünen Klee loben müsste. Gerade Nick betreffend fällt das Drehbuch und die Umsetzung trotz aller vorhandenen Toleranz doch ein wenig zu pro-amerikanisch aus. Denn mag sein Wesen auch Schwächen aufzeigen und ihn keineswegs als Strahlemann darstellen, so wird seine raubeinige, selbstentschlossene und egoistische Art doch stets als Vorbild des zu korrekt agierenden Masahiro verstanden, und das passt so gar nicht zu den asozialen Taten und dem selbstgerechten Denken Nicks. Hier steckt dann doch der Kopf der Amis zu tief im eigenen Arsch, um zu erkennen, dass dies den positiven Aspekten des Filmes widerspricht. Aber "Black Rain" will trotz gelegentlicher gezielt treffender Gesellschaftskritik hauptsächlich ohnehin nur Unterhaltungskino sein, und als solches funktioniert er ziemlich gut, ohne gleich zur großen Empfehlung zu werden. unterhaltsam


Trailer,   OFDb

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