18.11.2020

GIRLS UND PANZER (2012)

Miho stammt aus einer stolzen Familie von Panzerfahrerinnen und hat diese Tradition satt. Deswegen wechselt sie auf eine neue Schule, wo das sogenannte Sensha-do seit vielen Jahren nicht mehr stattfindet. Doch das ändert sich genau in ihrem ersten Jahr, und aufgrund ihrer Familienerfahrung drängt die Schülervertretung sie an diesem Wahlfach teilzunehmen. Zunächst sträubt sich Miho dagegen, doch mit der Rückenstärkung ihrer neu gewonnenen Freundinnen ändert sie ihre Meinung und findet bei den auf sie wartenden Herausforderungen sogar ihren persönlichen Weg des Panzerfahrens...

Panzerfahren ist Mädchensache...

"Girls und Panzer" spielt in einer alternativen Welt, in welcher es selbstverständlich ist, dass weltweit Meisterschaften im Panzerfahren stattfinden, ein Wettbewerb der traditionell unter Mädchen ausgefochten wird. Ob man sich Männer in dieser parallelen Realität überhaupt in diesen Vehikeln vorstellen kann, bleibt offen, es ist hier selbstverständlich dass es Schulmädchen sind, welche die tödlichen Maschinen steuern. Dieser groteske Ansatz funktioniert umso mehr in seiner ominösen, wie auch humoristischen Art, da wir real existierende Panzertypen verschiedener Länder und verschiedener Zeiten vorgesetzt bekommen. Dieser irreale Ansatz gemischt mit überraschend Pointen-sicherem Humor und einer großen Dosis Mädchen-Kitsch ergibt zusammen mit einer sympathischen, wenn auch simpel kombinierten, Charakter-Schar den Charme einer Serie, zu der man entweder Zugang findet oder nicht. "Girls & Panzer" versucht nicht zu gefallen, es wird erwartet selbst zu entdecken ob besagter Zugang zu dem merkwürdigen Stoff beim Zuschauer vorhanden ist, oder nicht. 

Die Serie gehört zu den Ausnahmen am Anime-Himmel, bei welchem die Serie vor den Mangas entstand. Zeitgleich mit der 12teiligen Serie erschienen 6 Zehn-Minüter als sogenannte OVAs, die im Anschluss an die abgeschlossene, überraschend interessant erzählte, Serie aufzeigt was die Mädels neben dem Panzerfahren sonst so drauf haben. Diesen kitschigen Schrott mit verkrampft humoristischem Ansatz Geschichtsunterricht zu erteilen, kann man sich getrost sparen. Die eigentliche Serie jedoch spritzt nur so vor Sympathie und Charme, zeigt wie so oft bei japanischen Produkten wie ein gewisser Grad Anspruch sich durchaus mit Trivialität verbinden lässt. Man lässt sich Zeit die Charaktere zueinander finden zu lassen. Man baut eine sich langsam entwickelnde Geschichte auf, die strategisch ausgearbeitete Momente bietet, die einen guten Teil des Spannungsbogens ausmachen. Zeitgleich entwickelt man mit nur kleinen Nebensächlichkeiten ein alternatives Weltbild, in welchem sich Schulen z.B. weltweit auf riesigen Schiffen befinden. Derartiges wird stets mit trockenem Humor präsentiert, selten mit albernen, meist zielsicher anvisiert und großteils auf den gut funktionierenden Figurentypen bauend, deren oberflächliche, aber wirksame Charakterzeichnungen nicht nur Unwichtigkeit des Serienrezepts sind.

Mag manche Panzerfahrt auch recht billig animiert anmuten aufgrund der Mithilfe von Computeranimationen, gerade in den ersten Minuten der Serie, ansonsten überzeugt der schlichte Animationsstil, der zwar immer wieder, ebenso wie die eigentliche Serie, in Anime-Klischees abrutscht, an anderer Stelle den darauf entstehenden Erwartungen jedoch immer wieder ausweicht. Eine 12jährigen Kitsch-Mentalität trifft auf Fakten und Fiktion des Panzerfahrens, und dieser Widerspruch mutet ähnlich gut funktionierend an, wie der Mix aus Kitsch-Musik und Heavy Metal bei der japanischen Band Babymetal. Am Ende bietet der 12-Teiler eine abgerundete Geschichte über Freundschaft, dem Entdecken von Selbstbewusstsein und der Fähigkeit zu Strategieentwürfen, angereichert mit persönlicher Problembewältigungen diverser Protagonisten, überraschenden Wendungen und humorvollen Randfiguren, die Teil eines immer größer werdenden Meeres an Charakteren werden, da sie nach ihren Hauptauftritten nie ganz vergessen sind und immer wieder auftauchen. Besagter grotesker Mix in Kombination mit dem erfrischend treffsicheren Humor und dem Wohlfühl-Faktor durch liebgewonnene Figuren machen "Gâruzu & pantsâ" (Originaltitel) zu einer unterhaltsamen Serie der sehr eigenen Art. Ich bleibe dran, denn es folgten zwei Jahre später weitere OVAs, ein Jahr später ein Kinofilm und seit 2019 eine weitere Serie, welche als das Finale betitelt wird. Weitere Neben-Produkte, die unter dem Projekt "Girls & Panzer" entstanden sind, haben es bislang nicht nach Deutschland geschafft, aber mit den hier aufgezählten habe ich erst einmal ohnehin genügend Material, um dieser wunderbar schrägen, wie liebevollen und kitschigen Welt weiter meine Aufmerksamkeit zu schenken.  OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar posten