Dienstag, 4. September 2012

BAT THUMB (2001 Steve Oedekerk)


Milliardär Wuce Bayne geht nachts heimlich im Fledermauskostüm auf die Jagd nach Verbrechern. Der gefürchtete No Face ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und schmiedet einen finsteren Plan seine ehemaligen Peiniger, die ihn wegen seines fehlenden Gesichtes ausgelacht haben, leiden zu lassen...


Fehlendes Fingerspitzengefühl...

Was sich Regisseur Steve Oedekerk ausgedacht hat, klingt auf dem ersten Blick recht reizvoll. Neben dem überfüllten Markt an Zeichentrickfilmen und als Alternative zum gängigen Puppentrick, drehte er Kurzfilme in Form von Fingerpuppen-Animation, und persiflierte auf diese Art berühmte Kinoereignisse. So gibt es neben dem hier besprochenen „Bat Thumb“, der sich wie unschwer herauszulesen auf die Abenteuer von „Batman“ stützt, u.a. auch Parodien zu „Star Wars“, „Blair Witch Project“ und „Der Pate“.

Während wichtige Randaktionen am Computer animiert werden, tänzeln die Finger an sich in schlichten, aber recht wirksamen Kostümen vor einer Art Kasperle-Theater-Kulisse. Um optisch nicht zu monoton zu wirken, wurden die Gesichter mit Computeranimation zum Leben erweckt, und allein hierin haben wir schon einen ersten Grund dafür, warum die Idee nicht so gut funktioniert wie sie zunächst klingen mag. Was nutzt das ganze Puppentheater, wenn das Hauptaugenmerk für den Zuschauer in der Animation liegt? Und da trauriger Weise selbst für die Verantwortlichen des Streifens das Hauptaugenmerk genau darauf lag, wurde im Gegenzug an einfallsreicher Parodie und geglückter Scherze gespart.

Um es schon einmal vorweg zu nehmen: nach 5 Jahren Fingertheaterarbeit endeten die Oedekerk-Produktionen dieser Art im Jahre 2002. Scheinbar kamen sie nicht so gut an wie erhofft, was jedoch nicht wirklich verwundern mag, klingt die Grundidee orientiert am angewendeten Humor doch erschreckend nach einer Alternative zu den Muppets, die Jahre vorher trotz großartigem Ergebnis in Amerika auch niemand mehr sehen wollte. Die Rede ist vom „Muppet Show“-Nachzügler „Muppets Tonight“. Dieser scheiterte trotz guter Herangehensweise. Nun fährt Oedekerk eine wesentlich unattraktivere Vorgehensweise gegen die Wand.

Während die Muppets durch das Sketcheverfahren immer wieder Themen wechseln konnten und der zunächst flach wirkende Humor damit nie zu eintönig wurde, stecken die Fingerpuppen in einem fast halbstündigen Abenteuer fest. Dass auch die eingearbeitete Mimik und Mundbewegung nicht für die selbe Frische sorgt, wie die aus Jahrzehnte langer Erfahrung kreierten Puppen der Jim Henson-Schmiede, überrascht wenig und sorgt für einen weiteren wichtigen Knackpunkt. All diese Unterschiede konnten bei den Muppets vor etwas hinwegtäuschen, was bei „Bat Thumb“ (und orientiert an den Trailern der anderen Fingertheater-Kurzfilme scheinbar auch bei den anderen Thumb-Filmen) nicht funktionieren will: der Humor.

Man braucht nun keine zu strengen Worte verlieren, hier wird so wahnsinnig plump parodiert, dass es teilweise schon wieder Spaß macht. Und es sind gerade die hohlen Flachköpper, die einen belustigen, aber sie halten kein halbstündiges Werk hoch, und die geglückten Witze dieser Art erscheinen nicht in einem Tempo und in einer Population, wie es für ein besseres Ergebnis ausreichen würde. Das ist schon schade um die eigentliche Grundidee und manch sympathische Gimmicks wie Oedekerks Antwort auf Two-Face, nämlich No Face, der einzigen Figur, die tatsächlich nur ein blanker Daumen ist.

Freilich sorgt auch die deutsche Synchronisation dafür, dass es nie so witzig wird, wie es werden könnte. Interessanter Weise weniger durch schlechte Übersetzung oder lustlose Sprecher in billiger Porno-Synchro, sondern durch übermotivierte Witzigkeit mit Anwenden von Dialekten, überzogener Stimmen-Klischees u.ä.

Ähnlich den Schlümpfen gibt es einige Wortwitze zum titelgebenden Grundthema, hier dem Daumen (allein die Art Kurzfilm ist es ja bereits: das Daumenkino). Und auch inhaltlich kreuzt die ein oder andere Anspielung und Handlung bezüglich der Daumen den möchtegern-chaotischen Rest. Aber eben wegen der Konzentration auf die Art, wie man die Figuren mit Leben füllt, wirkt das Ergebnis zu monoton. Daumenwitze hier, Filmzitat da, das weiß schon auf 28 Minuten nicht wirklich zu begeistern, da nutzt es auch nichts neben der großen Kinofilm-"Batman"-Reihe auch die kultige Serie aus den 60er Jahren gleich mit zu parodieren.

Was bleibt ist manch nette Idee wie Thumbmans schwuler Gehilfe, den der Superheld weder benötigt noch an seiner Seite haben will (zerstört seinen Ruf beim weiblichen Geschlecht), wie erwähnt No Face, der einen Hauch dessen versprüht, was mit der Idee des „Daumenkinos“ möglich gewesen wäre und manch kindische Gags, über die man dann doch lachen muss. Man liest es heraus: ja, ich habe auch mal gelacht, aber das Gagpotential und der viel zu beschränkte Einfallsreichtum reichten einfach nicht aus, um den nötigen Pepp zu versprühen. Schade dass die Idee des Daumenpuppen-Theaters nicht in den Händen kreativer Leute lag. „Bat Thumb“ scheint trotz weitaus weniger aggressivem Humor eher dem „South Park“-Zug aufspringen zu wollen, als dem im Kern verwandten Seelenpartner „Muppets Tonight“. Außerdem reicht es einfach nicht aus die Hülle einer Vorlage zu parodieren. Das ging gerade noch bei „Scary Movie“ gut, aber eben dieses Beispiel bildet eine von wenigen Ausnahmen. So zeigt sich in der nicht-analytischen Parodie auch die Orientierung am schnellen Dollar in Zeiten schräger Jugendunterhaltung.


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