Sonntag, 16. September 2012

BODY SNATCHERS (1993 Abel Ferrara)



Teenie Marti zieht mit der neuen Familie ihres Vaters auf einen Militärstützpunkt. Dort verhalten sich einige Menschen nicht mehr so wie zuvor. Marti findet heraus, dass Außerirdische Menschen durch Doppelgänger ersetzen...


Emotionslosigkeit beim Militär...

Jedes Jahrzehnt hat seine eigenen Beweggründe Filme über den Identitätsverlust zu produzieren. Der Stoff um die Body Snatchers, erstmals verfilmt als "Die Dämonischen" und eigentlich ein Plagiat von Heinleins Roman "Puppet Masters", erstmals verfilmt als "The Brain Eaters", bieten sich hierfür geradezu an. In den 90er Jahren war es mal wieder so weit den Stoff neu zu verfilmen. Die dritte Version sollte es mittlerweile sein, und wenn sich ein Jahrzehnt außerhalb der Kommunistenhatz je anbot, dann war es das besagte, kam die Welle der politisch korrekten Moral doch gerade auf, verbreitete sich wie ein Lauffeuer und erlebt in den USA bis heute den Siegeszug gegenüber der mutigeren, individuellen Moral einer Streitgesellschaft.

Ein Volk schien wie ausgetauscht, die beste Voraussetzung um das nächste Remake nach Kaufmans "Die Körperfresser kommen" zu starten. Mit Regisseur Abel Ferrara hatte man zudem eine Ausnahmeperson an Bord, jemanden der mit Independent-Filmchen wie "The Driller Killer" auf sich aufmerksam machte und mit Filmen wie "Bad Lieutenant" zu einer kleinen Berühmtheit wurde. Ferraras Filmwelt lebte außerhalb der des Mainstreams, und das machte sein Mitwirken so unglaublich interessant im Vorfeld - bis man "Body Snatchers" schließlich gesichtet hat.

Mit der dritten Verfilmung ist das passiert, was vielen Menschen in den Mühlen der Filmindustrie widerfahren ist. Ferrara liefert mit "Body Snatchers" das Paradebeispiel eines Mainstream-Werkes für die Masse ab. Es ist erschreckend mit anzusehen wie glattgebügelt sich der dritte Anlauf der außerirdischen Pflanzen guckt, die Doppelgänger von Menschen herstellen.

"Body Snatchers", der in Alternativtiteln mal den Anhang "Angriff der Körperfresser", mal "Die Invasion lebt fort" und mal "Die Körperfresser kommen" hinzugefügt bekommt, hätte in der Theorie so einiges zu bieten gehabt, präsentiert aber lediglich die bereits bekannte Situation aus der Sicht einer Teenagerin innerhalb eines in optisch uninteressanten Glanzbildern eingebetteten Szenarios, das Tiefsinnigkeit immer nur kurz aufblitzen lässt, anstatt ihr den Rahmen zu gewähren der ihr gebührt.

Der Spielort eines Militärstützpunktes, der geradezu dafür prädestiniert wäre die Invasion unauffällig aufzuzeigen (sind Soldaten doch rein beruflich ohnehin auf Emotionslosigkeit getrimmt), wird als solches kaum genutzt, was meist daran liegt, dass man keinen Bezug zu den Figuren aufbauen kann. Ziemlich durchschnittlich besetzt stampfen allerhand Personen durch die Story, von der keine genug vertieft wird, um die Geschichte psychologisch gesehen tief genug greifen zu können. Ein von Forest Whitaker gespielter Psychiater dient lediglich als Stichwortgeber, die Stiefmama der Story sieht schon vor ihrer Umwandlung geradezu dämonisch aus, der Familienvater wirkt schon emotionslos wenn er menschliche Gefühle bereits besitzen soll (und nein, er ist kein Soldat bei dem das Sinn machen würde) und die Teenagerin ist die typisch oberflächliche Göre ihres Jahrganges, deren Probleme zu Beginn des Streifens viel zu banal wären, als dass es irgendwen Erwachsenen nahe gehen könnte.

Zwar wird recht interessant mit ihrer Generation abgerechnet, beispielsweise wenn der bloße Verdacht jemand könne ein Alien sein bereits dazu führt ein Familienmitglied umzubringen, noch bevor sich der Verdacht bestätigt hat, aber inmitten einer sterilen Erzählung wirkt nicht einmal eine solche Provokation schockierend. Rätseln darf man als Zuschauer zudem darüber, was eigentlich die Off-Kommentare der Heldin für eine Existenzberechtigung haben sollen. Sie bereichern weder das Hintergrundwissen, noch beleuchten sie die Gefühlswelt der Protagonistin oder schaffen eine stimmige Form der Atmosphäre. Da fallen leere Worthülsen, die u.a. auf das Problem hinweisen, dass die Doppelgänger im Schlaf entstehen und man als Mensch nicht ewig wach bleiben kann. Merkwürdiger Weise beschäftigt sich "Body Snatchers" im Gegensatz zu "Die Dämonischen" und "Invasion", der vierten Verfilmung dieses Stoffes, außerhalb der Off-Kommentare jedoch nicht weiter mit den Problemen der Schlaflosigkeit.

Das würde emotional und inhaltlich auch viel tiefer gehen, als alles was sich Ferrara traut zu erzählen. Jeglicher Anspruch wird umschifft. Wieder einmal ist die einzige Bereicherung im quantitativen Bereich der Spezialeffekte zu finden, im Gegensatz zum Vorgänger diesmal jedoch mit negativem Beigeschmack in der Glaubwürdigkeit der erzählten Geschichte versehen.

Ohnehin leidet "Body Snatchers" durch sein mangelndes psychologisches Verständnis, seine Risse in der Logik und der fehlenden Glaubwürdigkeit. Da besitzt ein Hubschrauber den Bombenvorrat einer ganzen Einheit, und Originale fallen bei Fertigstellung eines Klones als leere Hülle in sich zusammen, aber Sekunden vor der Fertigstellung sind die Opfer noch als komplett intakte Menschen zu retten.

Durch solche stets vorhandenen Unsinnigkeiten, die sich nicht nur in Nebensächlichkeiten zeigen, kann nie eine stimmige oder gar bedrohliche Atmosphäre entstehen. Und so betrachtet sich der Zuschauer, selbst zum gefühlskalten Body Snatcher mutiert, emotionslos das ganze Treiben und ist enttäuscht darüber, dass ein Stoff, der sich durch die Nähe des damals aktuellen Zeitempfindens geradezu für Neuverfilmungen eignete, selbst nur ein billiger Klon geworden ist, also genau das wovon er eigentlich erzählt.

Einzig die sehr geglückten Momente um den kleinen Bruder der Heldin bieten Momente zum Mitfühlen. Geradezu schwarzhumorig schupst Ferrara den hilflosen, kleinen Mann in die Invasion, als erstes wissend was passiert, und kognitiv unfähig dies in Worte zu fassen, um sich helfen zu lassen. Wenn der Kindergarten, der sich von Beginn an in Alienhänden befindet, zur einzigen Alternative zur geklonten Alienmutter daheim wird, dann darf einem der kleine Junge leid tun, der eine Nacht zuvor mit ansehen musste, wie seine echte Mutter als Hülle in sich zusammenfiel.

Leider können solche kurzen Momente "Die Körperfresser" (Alternativtitel) nicht mehr vor der Mittelmäßigkeit bewahren. Aber immerhin ist diese erreicht, kurz angesiedelt vor der kompletten Enttäuschung. Als Jugendlicher hat mir dieser Film recht gut gefallen, aber wie sich zeigt kommt "Body Snatchers" über seine Teenie-Tauglichkeit nicht hinaus. mittelmäßig


Trailer,   OFDb

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