Sonntag, 16. September 2012

DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (Invasion Of The Body Snatchers 1978 Philip Kaufman)



Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes von San Francisco findet heraus, dass außerirdische Pflanzen emotionslose Doppelgänger von Menschen produzieren...


Der Klon-Effekt...

Kennt man das US-Kino der 70er Jahre in seinem stilvollen, tiefsinnigeren und ruhigem Stil, in welchem stets mehr auf Psychologie, Geschichte und Charaktere und weniger auf äußere Schaueffekte geachtet wurde, dann kann man von der zweiten Version des mit "Die Dämonischen" begonnenen Body Snatcher-Themas schon überrascht sein. Auf dem Weg in die Richtung der 80er Jahre, welche diese Pluspunkte nicht mehr besaß, schien sich das so wundervolle Rezept eines Unterhaltungsfilmes mit gehobenen Ansprüchen langsam aufzulösen. So wie ein Jahr später im stilprägenden "Alien", so tauchen auch bereits in Kaufmans Film Modernisierungen auf, die im Falle des hier besprochenen Filmes das Werk auf ein Niveau unter solch großer 70er Jahre Science Fiction-Filme wie "Westworld", "Rollerball", "Phase IV" und "Der Omega Mann" hievte.

Sie ging langsam vorbei, die Zeit in welcher der Spezialeffekt sich der Geschichte unterzuordnen hatte und Figuren individuell geprägt waren anstatt einem Klischee folgend. "Die Körperfresser kommen" erweist sich bei näherer Betrachtung als eine Art Bastard, 1978 lebend zwischen dem niveauvollerem Stil des 70er Jahre Kinos und dem simpleren Unterhaltungskino der 80er Jahre. Denn bis auf bessere Spezialeffekte und einer Versimpelung der eigentlichen Grundidee von "Die Dämonischen" hat Kaufman der ersten Verfilmung nichts hinzuzufügen.

Ich möchte über die Spezialeffekte gar nicht meckern, das sind wundervolle handgemachte Momente ihres Genres. Aber wenn man sie inmitten eines sich immer nur wiederholenden Szenarios zu sichten bekommt in einer Geschichte in welchem einem die Figuren halbwegs egal sind, dann bleibt bis auf das Staunen nicht mehr viel übrig. Dann wird auch der letzte übrig gebliebene Pluspunkt des 70er Jahre-Kinos, die ruhige Erzählweise, zu einem eher ungeliebten Begleiter der Geschichte, so dass man verstehen kann, dass in den 80er Jahren für die neuen Schwerpunkte ein flotterer Stil zum Standard werden musste.

Toll und gleichzeitig schade ist die Veränderung in der Verhaltensweise der Klone. Die Doppelgänger in Don Siegels Original, welches auf einer Romanreihe einer Zeitschrift basierte, tarnten sich innerhalb der menschlichen Gesellschaft perfekt. Außenstehende konnten selbst in Gesprächen mit ihnen keinen Unterschied ausmachen. Erst die nahestehenden Personen, welche ihr Gegenüber in- und auswendig kannten, konnten Aufgrund von Eigenarten und Ritualen eine Emotionslosigkeit feststellen um zu dem Schluss zu kommen, dass ihr Gegenüber ein Fremder anstatt der geliebte Mensch war.

Dies schaut sich besonders unheimlich und wäre verglichen mit dem eher schlichten Kino der 50er Jahre genau der Anreiz gewesen wo das tiefer greifende 70er Jahre-Kino hätte ansetzen müssen, um näher am Gefühl des Zuschauers zu arbeiten, als es das Original fest sitzend in seiner Zeit überhaupt konnte. Stattdessen wird nun eine ähnlich unheimliche, aber auch simplere Idee aufgegriffen, in welcher die Doppelgänger noch emotionsloser sind, so sehr, dass selbst ein Außenstehender die Fremdartigkeit der Wesen bemerken kann. Das ist sicherlich nicht ohne Reiz, verstärkt es doch die Paranoia der Protagonisten und führt zu dem wundervollen Erzählkniff sich schauspielerisch unter den Invasoren tarnen zu müssen.

Damit entsteht zudem ein Spannungspotential, welches seine Stärken auch im viel späteren "Equilibrium" fand, nämlich die Idee, dass man aufgrund unmenschlicher Beobachtungen die emotionslose Fassade nicht mehr aufrecht erhalten kann und sich somit selbst verrät. Eine vollwertige Beachtung bekommt diese Idee innerhalb des Body Snatchers-Universum erst in der 00er Jahre-Version "Invasion" beschert, eine Verfilmung die wesentlich besser ausgefallen ist als ihr Ruf. Solche Ideen bleiben in "Die Körperfresser kommen" aufgrund ihrer Neuartigkeit noch im Ansatz stecken.

Darf man bemerken wie sehr sich gerade in der zweiten Hälfte des Streifens die Geschichte im Erzählen der Flucht und des entdeckt werden sich zu sehr in einer Wiederholungsschleife befindet, kann man es schon als schade empfinden, dass man manch gute im Ansatz steckende Idee nicht schon seinerzeit als etwas erkannt hat, was man tiefer hätte thematisieren können. Aber ein Film ist nun einmal immer nur ein Kind seiner Zeit, und allein schon das Bereichern solcher Zusatzideen im Vergleich zu einem Original sind freilich bereits als Pluspunkt zu bewerten.

Als Kind seiner Zeit hat "Die Körperfresser kommen" auch andere Beweggründe eine solche Geschichte zu erzählen, als es der 50er Jahre-Film "Die Dämonischen" hatte. Spielte dieser noch mit der politischen Kommunisten-Paranoia geht es in den 70er Jahren viel mehr um die persönliche Entfremdung. Die Anonymität der in immer größeren Städten lebenden Menschen schien dem damaligen Publikum genügend Angst zu bescheren, sich für eine solche Thematik zu interessieren. Gerade das Science Fiction-Genre seiner Zeit spielte sehr häufig mit der Idee ausgetauschter Menschen ("Futureworld", "Die Frauen von Stepford", ...). Während die 90er Jahre-Verfilmung "Body Snatchers" in einer Zeit entstand, in welcher eine neue, kühlere Moral in der Gesellschaft aufkam, scheinen die Beweggründe der 70er Jahre mit Blick von heute schlichter, um mit einer derartigen Thematik aktuelle Ängste zu verarbeiten. Andererseits sind wir es heute gewohnt isolierter miteinander zu leben, gerade in Zeiten des Internets. In wie weit wir uns da überhaupt noch in die Ängste der damaligen Bevölkerung hineinversetzen können, sei einmal dahin gestellt.

"Die Körperfresser kommen" ist kein schlechter Film. Er besitzt eine wundervolle Pointe, ist stellenweise spannend erzählt, er besitzt tolle Spezialeffekte und verbeugt sich würdevoll vor seinem Vorgänger, was am deutlichsten in der Anfangssequenz zu sehen ist, welche mit dem Schluss des Originals spielt (gibt es einen tolleren Cameo-Auftritt von Stars der Originale im Remake?). Verglichen mit der bereits so geglückten ersten Verfilmung und mit Blick der sich zu sehr wiederholenden zweiten Hälfte und solch mittelmäßigen bis nervigen Nebenfiguren wie jene gespielt von Leonard Nimoy und Jeff Goldblum darf man trotzdem etwas enttäuscht vom Ergebnis sein. "Invasion Of The Body Snatchers" (Originaltitel) ist sympathisches Unterhaltungskino, aber eines mit Schwächen, welche die großen, vorangegangenen Genrebeiträge dieses Jahrzehnts nicht besaßen. unterhaltsam


Kommentare:

  1. Sorry, Schlombie. Aber das ist Geschmackssache. Meiner Ansicht nach ist die Version die beste. Und sie ist hochaktuell. Hast du etwas gegen Goldblum und den dieses Jahr verstorbenen Nimoy?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, ich hege sogar Sympathie für beide Schauspieler. Deswegen war ich von ihren Rollen in Körperfresser auch so enttäuscht. Verglichen mit dem atmosphärischem wie beklemmendem "Die Dämonischen" stinkt "Die Körperfresser kommen" gewaltig ab, der meiner Meinung fast nur ein Film der Spezialeffekte ist. Deswegen verstehe ich nicht wie man ihn als die beste Verfilmung empfinden kann. Als Film für sich ist er aber durchaus okay.

      Löschen