Donnerstag, 6. September 2012

DER LETZTE EXORZISMUS (The Last Exorcism 2010 Daniel Stamm)


Cotton Marcus ist Prediger und Exorzist und beauftragt ein Kamerateam ihn bei einer Teufelsaustreibung zu begleiten. Ziel der Sache ist den Fake einer solchen Aktion aufzuzeigen, denn Marcus hat schon vor einigen Jahren seinen Glauben verloren und will mit der Wahrheit raus. Zunächst läuft auch alles wie geplant. Der Schwindler zieht an einem Mädchen, das von einem Dämonen besessen sein soll, seine Show ab. Aber recht schnell wird klar, dass mit dem Kind tatsächlich etwas nicht stimmt...


Exorcism Project Activity...

Von diversen Medien zum Veröffentlichungszeitpunkt im Kino als ein besonders gruseliger Vertreter der Found Footage-Filme a la „Blair Witch Project“ angepriesen, wurde ich aufgrund der interessant klingenden Handlung schon recht neugierig auf „Der letzte Exorzismus“. Ins Kino bin ich trotz alledem nicht gegangen, wissendlich, dass „Blair Witch Project“ und „Paranormal Activity“ vom Grusel-Faktor her dort wesentlich effektiver waren als auf dem heimischen Bildschirm. Daniel Stamms Film um eine Teufelsaustreibung sollte also im selben Fahrwasser der gelungenen Vertreter seiner Filmgattung mitschwimmen, was aber bedeutet, dass er auch in abgeschwächter Form, sprich an einem Ort des Vertrauten gesichtet, genug Angstgefühle erzeugen müsste.

Schade, aber die erhoffte Wirkung trifft nicht ein. Gruselig ist hier nichts, nicht einmal phasenweise, und das liegt mitunter auch daran, dass der Film trotz seiner gefaketen Doku-Art nicht authentisch wirkt. Zu sehr orientiert sich Stamm an den Sehgewohnheiten des Kinopublikums. Sein größter Fehler dürfte es sein spannend gewollte Momente mit spannungsgeladener Musik zu untermalen, ein Fehler den bereits George A. Romero in „Diary Of The Dead“ begangen hatte, und trotz offizieller Begründung/Ausrede dieses Vorgehens scheiterte. Kein Wunder also, dass eine erklärungsfreie Vorgehensweise musikalischer Untermalung, wie jener des hier besprochenen Streifens, erst recht scheitern musste.

Außerdem sind einige Aufnahmen des Kamera-Teams sinnlos, wenn man innerhalb der filmeigenen Logik bleibt, dass hier eine Dokumentation gedreht wurde. Dass es im US-Kino zu Szenenwechseln üblich ist, für einen kurzen Moment das Gebäude von außen zu zeigen, in dem sich alles abspielt, ist eben eine Gewohnheitssache, die manchem wahrscheinlich deshalb gar nicht erst in „Der letzte Exorzismus“ negativ auffällt. Mir als Fan solcher Werke wie „Cloverfield“ und „Die Delegation“ stößt ein solcher Stilbruch jedoch sauer auf.

Da es viele Leute gibt, die sich aufgrund der Wackelkamera mit diesem Stil schwer tun, möchte ich nebenbei kurz anmerken, dass „Der letzte Exorzismus“ wohl zu jenen Werken seiner Gattung gehört, die sich diesbezüglich am angenehmsten gucken lassen. Erst gegen Ende, wenn der Streifen mich ein wenig zu sehr an „Blair Witch Project“ erinnert, geht es für einen kurzen Augenblick wackeliger zur Sache als im Restfilm.

Mit Gruselmomenten ist wie bereits erwähnt nicht viel los. Das ist schade, macht zunächst jedoch nichts, denn anfangs wird der Film recht interessant erzählt. Die Hauptperson weiß zu wirken, wird gut und ausführlich charakterlich vertieft, und so wird die etwas lange Einleitungsphase auch niemals langweilig. Auch die Ankunft vor Ort, der erste Exorzismus und die ersten Anzeichen dass mit dem Mädchen etwas nicht zu stimmen scheint, sind alles Momente die interessant umgesetzt wurden, so dass man sich trotz Spannungsarmut mitten im Geschehen wiederfindet. Ein Horrorfilm muss schließlich nicht zwingend als Gruselfilm punkten. Und bis über die Hälfte seiner Laufzeit hinaus wusste mich Stamms Genrebeitrag zu überzeugen.
Die erste Ernüchterung kommt mit dem Schwangerschaftsaspekt der zu behandelnden Person auf. Denn nun rückt der Vater als zwielichtige Person in den Mittelpunkt, ein Part der zunächst nur als mögliche Variante am Rande im Raum stand. Das Spiel mit seiner fragwürdigen Person ist schon ein geglückter Kniff. Aber die Reaktionen der Filmschaffenden darauf macht wenig Sinn. Nicht einmal kommt der Gedanke auf, man könne die Polizei benachrichtigen. Was bereits in dieser Phase wenig Sinn ergibt, erweist sich inhaltlich sogar als vergeigte Chance, wenn man erst einmal die Schluss-Pointe des Streifens gesichtet hat.

Diese ist völlig an den Haaren herbeigezogen, da zu reißerisch und unglaubwürdig umgesetzt. Mit ruhiger Herangehensweise hätte die überraschende Auflösung viel atmosphärisches Spannungspotential geboten. Leider dient sie Stamm nur dem schnellen Effekt, um zu einem zügigen Schluss zu kommen. Dass seine „Auflösung“ noch viele offene Fragen bereit hält, ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist es gut, dass nicht alles verraten wird, weckt es doch die Phantasie des Zuschauers. Auf der anderen Seite wirkt manches zuvor Gesehenes dadurch unsinnig oder unlogisch, und eben solche Bereiche hätten dann doch per Zusatzinformationen bereinigt werden müssen.

Kurzum ist „Der letzte Exorzismus“ also leider nicht das intensive Filmerlebnis geworden, das ich mir erhofft hatte. Leider ist er in meinen Augen nicht einmal angenehmer Durchschnitt geworden. Da nutzt es auch nicht viel, dass die Geschichte sich so lange über Wasser halten kann. Je unsinniger die Handlung wird, um so mehr geht von der möglichen authentischen Wirkung verloren, die aufgrund der technischen Herangehensweise Stamms ohnehin auf wackeligen Füßen stand.


Trailer,   OFDb

Kommentare:

  1. Eine wahrhaftig grausame Achterbahnfahrt voller Tölpel und Nichtskönner. Gehört mit dem noch um eine Haaresbreite schlechteren THE DEVIL INSIDE zu den unsinnigsten Filmen seiner Art.

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    1. "The Devil Inside" habe ich bislang nicht gesehen. Bei der OFDb kommt er jedoch auch nur sehr durchschnittlich davon. Meiner Meinung nach gibt das Exorzismus-Thema aber ohnehin nicht wirklich so viel her im Gegensatz zu den meisten anderen Grund-Themen im Horror-Bereich. "Der Exorzismus der Emily Rose" war für mich eine erfrischende Ausnahme. Ich weiß auch nicht, warum ich mir gerade von "Der letzte Exorzismus" mehr versprochen habe.

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