Samstag, 8. September 2012

SCHÄM DICH, BRIGITTE! (1952 E.W. Emo)


Als der Mathematiklehrer Stieglitz einen amourösen Liebesbrief bei seiner Schülerin Brigitte entdeckt und deren Eltern über dieses unmoralische Verhalten informieren will, tritt dieser damit eine Lawine an Ereignissen ins Rollen, die Brigittes Vater Felix in eheliche Schwierigkeiten bringen. Dessen Versuche mit kleinen Tricks und der Hilfe seines alten Schulfreundes Paul aus der unverschuldeten Sache herauszukommen, verschlimmern die Situation nur noch mehr...


Die Macht des geschriebenen Wortes...

Wo Heinz Rühmann drauf steht, da steckt meist die leichte Unterhaltung drin. Und so weiß auch das auf einem Theaterstück basierende Lustspiel „Schäm Dich, Brigitte“ dieses Ruf auf ein neues zu beweisen. Wie so oft zu dieser Zeit geht es in der Komödie um einen Irrtum, der derartige Wellen schlägt, dass daraus ein heilloses Durcheinander entsteht. Bis es zum obligatorischen Happy End kommt, schlagen die Wellen immer höher und wird die Zahl der betroffenen Personen immer größer. Am Höhepunkt des Desasters angekommen, stehen in E.W. Emos 78. Regiearbeit drei Ehen auf dem Spiel, eingeschlossen jene des Lehrers Stieglitz, der die ganze Situation überhaupt erst ins Rollen brachte.

„Wir werden das Kind schon schaukeln“ (Alternativtitel) steckt fest in seiner Zeit fest, beweist aber hin und wieder Mut durch Provokationen gegen Prüderie, was zu aller letzt die Auflösung der Herkunft des Chaos stiftenden Liebesbriefes beweist. Selbst zwar aufgrund seines Herstellungsjahres mit Blick von heute äußerst bieder geraten, entpuppt sich der Film als frech und gewagt, wenn auch immer nur für kurze Momente, um dem Zuschauer ansonsten zu bieten, was allgemein im Genre der Trivial-Komödie seinerzeit erwünscht war. Emos schwebte schließlich kein Skandalfilm vor, und die lange Nase, die er hin und wieder der strengen Moral und Prüderie entgegen streckt, ist nur ein Bereich vieler Seitenhiebe, die er nach allen Seiten hin ausschlägt.

So darf im umgekehrten Falle auch die lockere Moral und Oberflächlichkeiten ihr Fett abbekommen, was hauptsächlich in der Arztpraxis der Hauptfigur Felix thematisiert wird, ist dieser doch in der Schönheits-Chirurgie tätig und muss neben den alltäglichen Operationen auch immer wieder lästige Konversationen mit Patienten führen. Einzig die mit solchen Werken einhergehende lockere Moral des Helden erfährt keinen Kritikpunkt, und das obwohl Felix an der Extreme der Missverständnisse mitbeteiligt ist.

So zieht er, um seine Unschuld zu beweisen in einer Situation für die er nichts kann, mit seinem besten Freund und einem weiteren aus der Not heraus hinzugezogenen Gehilfen ein Schauspiel ab, sprich er bekämpft Lüge mit Lüge, was ihm und seinen Kumpanen nach Richtigstellung der Gesamtsituation freilich verziehen wird. Am Ende sind alle so erleichtert davon Opfer eines Missverständnisses geworden zu sein und damit einhergehend drei scheinbar in Scherben liegende Ehen gerettet sind, dass die weiblichen Rollen des Lustspiels die linken Wege, bzw. im Falle des Lehrkörpers die arroganten Wege, ihrer Ehegatten ignorieren, obwohl sie für dieses Verhalten Schelte verdient hätten.

Aber so ist sie, die Leichtigkeit dieser heute so antiquiert scheinenden Komödien aus dem deutschsprachigen Raum, und in einer Welt in welcher der Schelm zur Sympathiefigur wird ist dies nicht einmal eine Unlogik, geschweige denn ein Filmfehler. Hineinsteigern würde ich mich in einen solchen Punkt ohnehin nicht, und ähnlich wie bei Filmen mit Peter Alexander, so macht es auch beim verschmitzt immer grinsend aussehenden Heinz Rühmann auch immer wieder Spaß dem simplen Treiben zu folgen, diesmal um so mehr, da Rühmann Theo Lingen zur Seite steht, der die Sympathie des Publikums ebenso gewinnt wie sein Kumpan.

„Schäm Dich, Brigitte“ lebt jedoch nicht nur vom sehenswerten Spiel der beiden Schauspielern mit ihren unverkennbaren Stimmen und der wunderbar übertriebenen biederen Performance Hans Mosers, auch das Buch selbst weiß zu gefallen, behält es innerhalb vieler amüsanter Verwirrungen doch immer wieder den Überblick und weiß es doch, wohl der wichtigste Punkt, all das Wirrwarr im Laufe der Geschichte glaubhaft zu entknoten ohne mit faulen Ausreden oder unter den Tisch fallenden Auseinandersetzungen zu arbeiten. Emos Werk ist eine Verwechslungskomödie wie sie sein soll, auch wenn sie sich in der ersten Filmhälfte eine Spur schwungvoller schaut als in der zweiten.


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