Mittwoch, 12. September 2012

X-CROSS (XX (ekusu kurosu): makyô densetsu 2007 Kenta Fukasaku)


Die junge Shiyori hat sich den falschen Ort für einen geruhsamen Urlaub ausgesucht. In dem kleinen Ort Ashikari gibt es eine langjährige Tradition, ein blutiges Ritual dessen nächstes Opfer Shiyori sein soll. Ein Unbekannter hilft der jungen Frau am Handy, aber wer kann in einer solchen Situation schon abschätzen wem zu trauen ist und wem nicht?...


Kulturloser Kult...

Den Bereich des Terror-Kinos gibt es seit der frühen 70er Jahre. Er erlebte eine Wiederauferstehung in den 00er Jahren einhergehend mit der zeitlich typischen Glättung in Bild und Handlung. Filme wie das „The Texas Chainsaw Massacre“-Remake schauten sich wie die brave Variante damaligen dreckigen Terrors, wie eine Lightversion, wenn in der Gewaltdarstellung auch extremer denn je angegangen.

Auch das Japankino hatte nie Probleme mit drastischer Gewaltdarstellung, und so klingt es nicht widersprüchlich, dass Beiträge besagten wiederauflebenden Subgenres auch aus diesem Land stammen. Allerdings wirkt ein solcher Beitrag aus besagter Region, zumindest im Falle von „X-Cross“, noch eine Spur sanfter als ohnehin schon, schwimmt man in diesem Land doch gerne auf einer Girlie-Kultur, die nah am Kitsch grenzt, allein schon in der Darstellung weiblicher Figuren. Wird aus diesen dann teilweise noch so etwas wie eine geisteskranke, auf skurril getrimmte Kämpferin, distanziert sich der Terrorgehalt automatisch, muss er doch unweigerlich einer mit Europaaugen aufkommenden unfreiwilligen Lustigkeit weichen.

Ein solch peinliches, wenn auch modernes und zur Zeit wohl angesagtes Element (siehe z.B. auch „Zombie Killer") könnte ein kleiner Schwachpunkt inmitten eines ansonsten gut funktionierenden Filmes sein. „X-Cross“ scheitert jedoch an vielem, kann er sich doch nie entscheiden was er wirklich sein will. Da trifft nicht nur Girlie-Mentalität auf Terror-Kino, da wird auch krampfhaft versucht von einem Ritual zu erzählen, ohne eine dazu passende Atmosphäre aufzubauen.

Wo von einem seit Jahrzehnten zelebrierten Ritual erzählt wird, da muss auch eine gewisse Atmosphäre vorhanden sein, die von einer mit dem Ritual einhergehenden Mystik genährt wird. Eine solch simple Rezeptur, die selbst ein magerer Beitrag wie der 2006er „Wicker Man“ einzufangen wusste, wird in „X-Cross“ schlichtweg ignoriert, sprich nicht für nötig gehalten. Dies wird jedoch zum gravierendsten Fehler eines Streifens, der nur in wenigen Augenblicken humoristisch sein will.

Durchgeknallte Hinterwäldler wirken albern anstatt unheimlich. Zu schnell präsentierte Tatsachen wirken aufdringlich und reißerisch anstatt ominös. Und ein Ritual, das schon in seiner geschichtlichen Präsenz sinnlos wirkt, weiß übertragen in die Moderne erst recht keinen Sinn zu erfüllen.

Da wird Frauen seit je her eins ihrer Beine abgetrennt. Dieses Ritual will gerne so scheußlich sein wie die Vorstellung der Grundsituation in „Saw“. Der schaffte es aber auch diese perverse Idee in einer dreckigen Situation zu präsentieren. Der Prozess sich von einem Körperteil zu trennen, wirkte aufgrund der Umstände krank. Klar war die „Saw“-Situation ebenfalls weit hergeholt. Aber sie schaffte es doch, dass der Zuschauer sich mit ihr zu identifizieren wusste. Die Vorstellung dies selbst zu erleben war grausig. „X-Cross“ schuppst den Zuschauer jedoch in eine fremde, völlig unsinnig wirkende Kultur. Und da ist das Abtrennen eines Körperteils nur noch reine Theorie, die den Zuschauer völlig kalt lässt.

Zwar versucht Regisseur Kenta Fukasaku die Geschichte zusätzlich anzureizen, indem eine Verschwörung eingebaut wird. Irgendwer hat die Heldin Shiyori schließlich in dieses Städtchen gelotst, einen Ort, der nicht einmal im Internet zu finden ist. Aber in einem Film, der sich mehr wie die harte Version eines Beitrags für das  Publikum der „Buffy"-Welle guckt, als wie ein ernstzunehmender Beitrag von Terror- und Folterkino, kommen auch falsche Fährten so naiv daher, dass man meinen könnte, die FSK hätte sich mit ihrer Altersfreigabe von 16 Jahren um zwei Jahre geirrt, jedoch nicht in die 18er Richtung sondern in die für Mädchen bis 14 Jahren.

„X-Cross“ ist so gar nichts, will aber zumindest kein tiefsinniger Genrebeitrag sein wie „Battle Royale“, den der Vater des hier tätigen Regisseurs drehte. „X-Cross“ steht zumindest zu seinem Schund und wirkt damit nicht so verlogen wie das Werk des Herrn Papa. Funktionieren tut „XX (ekusu kurosu): makyô densetsu“ (Originaltitel) aber auch nicht. Und eine deutsche Synchronisation mit nervigen Stimmen weiß da erst recht nicht zu helfen. Glücklicherweise ist der Film von der Firma Amasia jedoch auf DVD mit zusätzlichem Originalton mit deutschem Untertitel gesegnet worden. Damit schaut er sich immerhin ein wenig erträglicher.


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