Donnerstag, 25. Oktober 2012

IDENTITÄT (Identity 2003 James Mangold)


10 Personen treffen wegen eines Unwetters zufällig in einem abgelegenen Motel aufeinander. Nach einiger Zeit ist einer von ihnen tot. Die Polizei kann man nicht rufen, der Kontakt zur Außenwelt ist abgebrochen. Also stellt sich die Frage welche der Personen der Mörder ist. Und der belässt es nicht bei einer Leiche. Auf der Suche nach dem Killer wird deutlich, dass alle Personen mehr miteinander zu tun haben, als es den Eindruck machte...


10 kleine Besucherlein...

Dank hervorragender Besetzung und einer interessanten Ausgangslage ist dieser Horrorfilm zunächst interessant und packend erzählt. Der Stil zu Anfang, der mit den Zeiten der Geschehnisse spielt, erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als der 08/15-Horror-Thriller von nebenan. Allerdings ist diese Form der ungewöhnlichen Erzählweise auch schon lange kein Neuland mehr, so dass man hier nicht von Individualität reden kann.

Hat der Film erst einmal seine Vorgeschichte erzählt, in der Figuren interessant eingeführt werden und die Neugierde des Zuschauers geweckt wird, geht es auch recht gelungen weiter. Die Atmosphäre stimmt und die Motel-Location unterstützt diese. Im Mittelteil geht einem jedoch langsam ein Licht auf, worauf „Identität“ hinausläuft. Zu Hilfe kommen dabei der Titel des Films und die deutsche Synchronstimme in der anfänglichen Therapie auf dem Tonband, die bereits zu früh den Täter entlarvt.

In diesem Wissen liegt jedoch gleichzeitig die Falle, die einem zur Mitte des Streifens klar wird, früher als es Regisseur Mangold wollte. Spätestens bei der Nennung der Geburtsdaten dürfte jedem ein Licht aufgehen oder Bestätigung eintreten. Und mit dieser Gewissheit nutzt das anfängliche Identifizieren mit der Synchronstimme nichts mehr, und jeder ist erneut verdächtig. Zumindest weiß man nun mehr, und nun setzt das letzte Drittel ein, von dem man nun Erklärungen erwartet.

Leider nutzten Drehbuch und Regie das letzte Drittel eher dafür "überraschend" die Auflösung zu präsentieren, die man aber zuvor bereits vermutete. Ich will jetzt nicht behaupten haarklein gewusst zu haben was da vor sich geht, so vermutete ich z.B. dass der Psychopath die Morde begeht, um sich zu heilen. Man erfährt hier nun die Auflösung, der man sich zuvor bewusst war, und das wenige was uns im letzten Part nun noch erklärt wird, ist nicht gerade nachvollziehbar. Bereiche der Medizin, die heute noch in den Kinderschuhen stecken, werden als Methoden dargestellt, die genau wissen was wie zum Ziel führt. Die Idee dahinter macht wenig Sinn, da Tote unter diesem Aspekt nicht zwingend tot bleiben müssten. Außerdem wird die Krankheit, die zu einem entscheidenden Faktor der Geschichte wird, in ihren Eigenschaften komplett verändert, nur damit sie zum Sinn der Geschichte passt.
 
Immerhin ist die Mörderauflösung überraschend, und man ohrfeigt sich im Nachhinein, weil doch so viele Sätze darauf hingedeutet haben. Andererseits ist es schade, dass diese Auflösung in Form eines bösen Schlussgags stattfindet. Dieser ist leider etwas fehl am Platz, und die Auflösung selbst wirkt nicht wie ein nachgeschobener „Gag", da der Erstbeschuldigte ohnehin nicht glaubhaft war, musste der doch nur eine Nacht überleben um frei zu sein.

Zumindest ist „Identität“ in der ersten Stunde sehr interessant erzählt, weckt auch immer wieder das Interesse des Zuschauers durch die Agatha Christie-ähnliche Situation des „10 kleine Negerlein"-Prinzips und der wiederholenden Elemente, in diesem Falle das Auftauchen der Schlüssel. Als diese auch bei Unfallopfern in der richtigen Reihenfolge auftauchen, ist der Übergang vom Thriller zum Horrorfilm noch vor dem ominösen Verschwinden der Leichen erfolgt.

Ich habe mich nicht besonders intensiv mit Deutungen und Symbolik dieses Filmes befasst, deswegen frage ich mich im Nachhinein, ob eigentlich eine genauere Deutung in den Geschehnissen zu suchen ist, welche die Figuren überhaupt erst zusammen brachten. Hochwasser, Motel, ein Frauenschuh,... steht das alles für etwas, das es in einer Filmanalyse zu entdecken gäbe, oder wollte der Film lediglich leicht reißerisch beginnen?

Zumindest wurde in der Einleitung richtig ergründet, dass sich alle Figuren gegenseitig beeinflusst haben, wenn auch nicht gewollt, um in diesem Motel zu landen. Immerhin der unbewusste Aspekt der Zusammenführung wird zu einem glaubwürdigen Teil der ansonsten zu Filmzwecken zu stark veränderten Krankheit.

Trotz all des Gemeckers meinerseits muss ich nun aber mal deutlich betonen, dass „Identität“ ansonsten ein gut gemachter Horrorfilm ist, der mit einer tollen Besetzung trumpft, halbwegs clever erzählt ist, wenn in seiner Auflösung auch leider nur halb überraschend und psychologisch mangelhaft. Den meisten Spaß macht der Film nur dann, wenn man sein Gehirn ausschaltet. Eigentlich sollte es bei einem gewitzten Film anders herum sein.


Trailer,   OFDb

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