Mittwoch, 24. Oktober 2012

REYKJAVIK WHALE WATCHING MASSACRE (2009 Július Kemp)


Eine Touristen-Gruppe, die im Meer Wale sichten möchte, gerät in Seenot, wird von einem fremden Schiff freundlich aufgenommen und alles scheint gut. Die Retter entpuppen sich jedoch als ehemalige Walfänger, die auf Menschenfleisch umgestiegen sind...


Wo Walrecht endet fängt Kannibalismus an...

Ich habe ja nicht viel erwartet von einem Streifen, der gerne "The Texas Chainsaw Massacre" nachspielen will und sich dafür C-Star Gunnar Hansen angelt, der einst den Leatherface mimte und im hier besprochenen Film lediglich eine kurze Rolle absolvieren darf. Das ganze jedoch auf dem Wasser spielen lassen, um die klassischen Schlachter gegen ehemalige Walfänger einzutauschen, hatte hingegen wieder seinen Reiz. Und da man isländische  Beiträge dieser Art ohnehin nicht kennt, war trotz des Misstrauens eine gewisse Neugierde geweckt.

Wie heißt es im Volksmund so schön? Man soll sich auf sein Gefühl verlassen. Denn was Regisseur Július Kemp hier für einen Mist verzapft ist schon kaum bis gar nicht zu ertragen. Das beginnt bereits mit dem Einführen der Charaktere, die nicht nur wegen ihrer selbst für den Horrorfilm überdurchschnittlichen Dummheit und ihres unsympathischen Getues schneller nerven als man Polynomdivision sagen kann, sondern auch noch übelste Länder-Klischees erfüllen dürfen. Biedere humorlose Deutsche erzählen von deutschen Ritualen, von denen man hier noch nie etwas gehört hat. Der Franzose ist besoffen, unhöflich und baggert. Der Japaner unterdrückt, fotografiert, ist reich und interessiert sich notgeil für jeden Rock. Der Amerikaner ist dumm und bieder wie ein Deutscher.

Wäre das ganze in eine ironisch angehauchte Geschichte getaucht ginge das ja noch in Ordnung, aber in einem bierernsten Streifen, den es an jeglichem Schauwert außerhalb des Gore-Bereichs fehlt (und selbst innerhalb dessen ist er auch nicht das Gelbe vom Ei), sorgt dies für erste Ernüchterung. Recht schnell war klar, dass ein Wunder geschehen müsste, um aus "Reykjavik Whale Watching Massacre" noch etwas unterhaltungs-taugliches zu zaubern. Doch dieses Wunder tritt nie auf.

In der Vorbereitungs-Phase werden wir mit einer Gruppe konfrontiert, die aus den verschiedenen Formen von Schurken bestehen. Sympathisch ist hier niemand. Spätestens wenn es zur Vergewaltigung kommt, ist der miese Klau des ohnehin schon miesen Stils von Rob Zombie zu spüren. Sind die Protagonisten endlich dumm genug trotz vorhandener Ausrüstung an Bord hilflos in Seenot zu geraten, nachdem der Kapitän auf noch dümmere Art den letzten Atemhauch gelassen hat, dauert es auch nicht mehr lange bis die Walfänger-Familie auftaucht, von der wir schon vorher wissen, dass sie der Bande unsympathischer Gesellen ans Leder wollen wird.

Nun wäre die allerletzte Möglichkeit gegeben den mies zusammengeschusterten Müllhaufen auf versöhnlichen Kurs mit dem Zuschauer zu bringen. Doch trotz der überraschend schnellen Attacke eines der Psychopathen ist auch ab dieser Phase im Film nichts zu holen. Den Kannibalen fehlt jeglicher Reiz, was fatal ist, da es auf der Opfer-Seite keinerlei Identifikationsfigur gibt, so dass zumindest interessant charakterisierte Bösewichter gut hätten dagegen halten können.

Von nun an dürfen wir erleben wie sich die Opfer verstecken und die Bösen sie jagen. Da wir nur einen emotionslosen Hintergrund-Sound von der Stange präsentiert bekommen, der uns das Gefühl von Spannung einreden soll, kommt unter der dilettantischen Regie von Július Kemp erst recht kein Nervenkitzel auf. Als dritter Unbeteiligter beobachtet man wie ein Haufen Vollidioten von einem anderen Haufen Vollidioten massakriert wird. Manchmal und recht schnell gibt es auch Verluste auf der Mörder-Seite, aber wer da gerade stirbt ist ohnehin uninteressant.

Selbstverständlich bleiben auch in dieser Phase die Figuren völlig unsympathisch, allein schon weil ihre Idiotie keine Grenzen kennt. Wer sich in einer großen Tonne versteckt, schaut natürlich mit halben Kopf raus und lässt beim Vorbeischreiten eines der Verfolger den Deckel lauthals wieder auf die Tonne knallen wenn man wieder in Deckung geht. Selbst in den Verteidigungs-freundlichsten Situationen wird noch gejammert und passiv um Gnade gebettelt. Und als selbst die wunderbar perverse Idee vergeigt wird einen schwimmenden Flüchtling wie ein Tier mit der Harpune zu jagen, kann man Kemp endgültig attestieren, dass er im Beruf eines Filmregisseurs nichts zu suchen hat.

Gorehounds bekommen den ein oder anderen Happen Blut vor die Nase gesetzt. Aber da ist man heutzutage ganz andere Sachen gewohnt, selbst in größeren Produktionen wie "The Toolbox Murders". Dass ausgerechnet der Harpunen-Mord ausgeblendet wird, um uns lediglich das Ergebnis der Prozedur zu präsentieren, enttäuscht nun auch noch den Voyeur unter den Zuschauern, das letzte mögliche Zielpublikum eines solchen Machwerks. Eine solche Sequenz hätte jedoch Geld benötigt, und da schien man nicht viel von zu besitzen.

Zwar würden wahre Idealisten unter den Naturschützern wohl kaum so einen Müll gucken, trotzdem möchte ich noch kurz anreißen, dass auch im Bereich der Gesellschaftskritik, die bei dieser Art Thematik ja durchaus hätte auftreten können, nichts vorhanden ist das nach ehrlicher Kritik ausschaut. Der komplette Film lebt einzig für den Effekt, aufgebaut auf einem kühlen Konzept von Geldscheffler. Da waren keine Menschen am Werk die wirklich einen Horrorfilm drehen wollten. Hier wurde nur theoretisch kalkuliert was in einen Horrorfilm gehört ohne sich mit einem solchen identifizieren zu können. Dementsprechend ist alles von den obligatorischen Titten bis hin zur perversen Grund-Story mit an Bord, alles außer Charme und Talent. Wer auf unfreiwillige Komik hofft sitzt ebenfalls im falschen Boot.


Trailer,   OFDb

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