Mittwoch, 31. Oktober 2012

THE HORROR OF PARTY BEACH (1964 Del Tenney)


Radioaktiver Abfall wird mit fatalen Folgen auf dem Meer entsorgt. Das radioaktive Material läuft aus und kommt auf dem Meeresboden in Kontakt mit dem Körper eines Menschen, der bei einem Schiffsunglück starb. Dieser wird nach einer Mutation wieder lebendig. Von nun an attackiert der Mutanten-Zombie junge, Party feiernde Menschen am Strand. Da die Mutation ansteckend ist, werden aus einem Ungeheuer mit der Zeit mehrere. Es stellt sich für die Menschheit nicht nur die Frage wie man diese Wesen aufhalten kann, sondern auch wo sie eigentlich zu Hause sind...


Gummimonster gegen Badenixen...

Wenn man Lust auf einen kleinen, Party-fördernden Monsterfilm hat, bietet sich „The Horror Of Party Beach“ unbedingt an. Der Film versteht es einen interessanten Spagat aus unfreiwilliger Komik und Komödien-freiem Horror mit freiwilligem Augenzwinkern zu bewerkstelligen. Dass diese kleine Perle aus amerikanischen Autokino-Zeiten nie den Weg nach Deutschland fand, ist für mich unverständlich. Er ist von der ersten bis zur letzten Minute interessant und bietet ein herrlich trashiges Monster mit Kulleraugen.

Für seine Zeit untypisch sind die meisten Figuren des Streifens sehr jung, spielt das Geschehen doch oft, wie der Titel verrät, auf einem Partystrand. Die wesentlichen Rollen, die wichtig für das Erforschen und Einfangen der Kreaturen sind, sind allerdings mit erwachsenen Schauspielern besetzt. Ansonsten dürfen Teenies kreischen und sterben, so wie wir es auch heutzutage ständig vorgesetzt bekommen. Damals war so etwas allerdings noch eine Seltenheit.

Ganz toll ist das schnelle Erscheinen der ersten Kreatur. Wir dürfen ziemlich zu Beginn sichten wie es entsteht, und seine erste Attacke lässt auch nicht lange auf sich warten. Total überrascht war ich, als sich die Story plötzlich als Zombiefilm-artig entpuppte mit der Tatsache, dass es nicht nur bei einem Monster bleibt. Das Vieh im grünen Gummianzug ist ansteckend, bis zum Filmende hat es sich gut vermehrt, und da es aus einer Menschenleiche mutiert ist, wird passend, wenn auch für sein Jahrzehnt erstaunlich früh, der Begriff Zombie verwendet.

Der Film selbst ist kostengünstig schnell heruntergekurbelt worden. Von den Kreaturen sieht man nie mehr als sechs gleichzeitig auf dem Bildschirm, die feine Großaufnahme auf das wunderbar schrottige Monstergesicht gibt es nur in Einzelaufnahmen. Tauchen die Monster vereint auf, sieht man ihr Gesicht nie deutlich genug, scheinbar gab es von der Maske wohl nur ein Exemplar, dafür aber immerhin genügend Gummianzüge.

Belustigend fällt auf, dass die Schauspieler, die in den Monsterkostümen stecken, die Verkleidung in ihrem Spiel nicht mitdenken. Der Gummianzug ist größer als die Schauspieler selbst. Sie tragen den Kopf über ihrem eigenen, laufen aber nach menschlicher Größe gesehen aufrecht, so dass der Monsterkopf immer leicht nach hinten kippt und somit etwas nach oben guckt.

Den flotten Soundtrack steuerte eine Band bei, die immer während der Party-Szenen auftritt. Das ist flotter Rock aus seiner Zeit, nicht hitverdächtig, aber auch nie nervig. Zu Beginn scheint die Musik zunächst kein Ende zu nehmen, aber schließlich soll erst einmal der Alltag am Partystrand eingefangen werden. Nach dem ersten kompletten Song wird die Musikgruppe jedoch zur Nebensache und die eigentliche Geschichte kann beginnen.

„The Horror Of Party Beach“ ist für seine Zeit ungewohnt flott und brutal. Trotz seiner trashigen Art werden gelegentlich kleine Momente von Suspense versprüht, beispielsweise wenn eine Gruppe junger Frauen in einer Baracke haust, man ein verdächtiges Geräusch hört und die Mädels vorsichtig zu den Fenstern und der Türe schleichen. In späterer „reitenden Leichen“-Manier verschaffen sich die Wesen Eintritt, und die Mädels haben nicht den Hauch einer Chance. Es findet kein Hinhalten, Ablenken oder gar eine Verschonung statt, Regisseur Del Tenney setzt die Szene konsequent um.

Die Art wie die Wesen nun zu zerstören sind und wie man auf die Lösung kommt sind nett erzählt, auch wenn man bei letzterem nicht um Klischees herum kommt. Eine Schwarze muss sich mit Voodoo auskennen, ebenso wie im ersten Drittel Rocker in Lederkleidung als die Asozialen auftreten müssen. Aber in einem kunterbunten (wenn auch schwarz weißen) Comic-Filmchen kann ich mit derartigen Klischees gut leben.

Trotz der geringen Kosten und des nicht vorgesehenen Anspruches versucht Tenney sein Werk immer wieder mit simplen Mitteln aufregender zu gestalten. Dies findet nicht in Form verstaubter 60er Jahre-Erotik statt (obwohl zu meiner Verwunderung Bikinis statt Badeanzüge getragen wurden), sondern durch das Anwenden von Spezialeffekten. Häufige Verwendung findet zum Beispiel das übereinander legen von Bildern, nicht neu, schon zu seiner Zeit, aber in seiner Wirkung doch recht putzig.

So darf man beispielsweise bei der ersten Mutation dank Bild-über-Bild-Legung im Vordergrund Fische vorbei schwimmen sehen, während die Mutation sich im Hintergrund ausweitet. Auch im Finale, wenn den Glupschaugen-Kreaturen der Kampf angesagt wird, versucht man mit billigsten Rauchexplosionen und anderen Tricks den Zuschauer bei Laune zu halten. Nur selten findet ein Effekt zu häufige Verwendung, man versuchte immer wieder etwas neues zu bieten.

Für ein kleines Trash-Filmchen der Marke „Monster im Gummianzug“ ist dieser Horrorfilm ein Highlight seiner Gattung und sollte unbedingt von jedem Freund dieses Subgenres geguckt werden. Er ist zwar nur ein kleiner, spaßiger Schundfilm, aber letztendlich will er aber auch gar nichts anderes sein und versucht dennoch innerhalb seiner Möglichkeiten Innovationen zu bieten.


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Der Film hat ja eine recht merkwürdige Wirkung auf mich. Ich mag ihn eigentlich überhauptnicht, habe aber öfter das bedürfnis ihn einzulegen, bis ich dann wieder merke das ich ihn nicht mag. Keine Ahnung woran es liegt, irgendwie mag ich wohl das Feeling des ganzen.

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