Sonntag, 25. November 2012

SCHOKOLADE FÜR DEN CHEF (2008 Manfred Stelzer)


Nach einem Herzanfall wird der knallharte Geschäftsmann Ernst Schmitt, der achtreichste Mann Deutschlands, sentimental. Die Patrizia-Werke sollen geschlossen werden, jene Schokoladen-Produktionsstätte, mit der sein Imperium einst begann. Getarnt als Kur-Urlaub, macht sich Schmitt mit seinem Chauffeur Hubert Ollerbeck auf den Weg zur besagten Fabrik, um zu schauen was hier falsch läuft. Da kommt es ihm ganz gelegen, dass der Chef der Patrizia-Werke gerade einen Chauffeur sucht. Ernst gibt sich als Hubert aus, währenddessen darf dieser den Milliardär mimen. Es dauert nicht lange, und der als Fahrer getarnte Großunternehmer findet heraus, dass Patrizia absichtlich gegen die Wand gefahren wird...


Ein Unternehmer unternimmt etwas...

Dass einer der reichsten Männer der Welt sich als Chauffeur ausgibt, beherbergt die „Unlogik“, dass ihn niemand erkennt. Deswegen geht RegisseurStelzer das Problem direkt in der ersten Szene an, in welcher wir erfahren, dass Fotografen der Presse schon lange scharf darauf sind, endlich ein Foto des Großunternehmers schießen zu können, ist sein Aussehen für die Öffentlichkeit doch ein Geheimnis. Da das Drehbuch es Ernst in seiner Tarnung als Chauffeur nicht zu einfach macht, da immer wieder bekannte Gesichter seinen Weg kreuzen, bleibt die Geschichte in diesem Punkt realistisch.

In Herzensangelegenheiten bleibt sie es nur bedingt. So ist der Sub-Plot um den sich als Milliardär ausgebenden Chauffeur zwar nett anzusehen und bereichert den Film auch um einige Witze, aber doch wird recht blauäugig mit seiner Liebschaft zu einer Kosmetikerin umgegangen. Klar, „Schokolade für den Chef“ soll ein Unterhaltungsfilm und keine Milieu-Studie sein, aber die Schlichtheit und das Happy End dieses Nebenplots treffen doch eher den Stil eines Märchens, etwas das der Film an anderer Stelle nicht anstrebt.

Das könnte man theoretisch vermuten, wenn ein Milliardär sentimental seine Firma rettet. Im Kern bleibt Schmitt jedoch ständig der knallharte Charakter, der er als Geschäftsmann gewesen sein muss. Zwar erfährt er Veränderungen, wenn er erstaunt nachfragt, ob er ebenso fies klingt, wenn er Kommandos gibt. Denn sein Chauffeur geht in seiner Rolle als Milliardär recht ruppig mit dem „untergebenen“ Chef um. Eine leichte Charakterentwicklung a la „Der kleine Lord“ findet also sehr wohl statt. Aber sie ist gering zu nennen. Sie ist so dosiert, dass die Geschichte glaubhaft bleibt und der Hauptcharakter ebenso.

Dass Bösewichter und gute Menschen, also fast alle wichtigen Nebenrollen, nicht so glaubhaft bleiben und unter Überzeichnung leiden, wäre nur dann ein echter Kritikpunkt, wenn der Film zu viel wollen würde. Doch obwohl er den Weg alter Geschäftsführungen propagiert, und im Gegenzug der modernen Geldscheffelei Verachtung schenkt, will „Schokolade für den Chef“ nichts weiter als eine locker flockige, harmlose Komödie sein, bei der man nur einmal 90 Minuten in die Geschichte eintauchen und sich amüsieren soll.

Da kommt es dem Film zugute, dass er trotz dieses schlichten Ziels ernst genug angegangen wurde. Das Drehbuch erlaubt sich nur wenige Schnitzer, die Darsteller wissen alle zu überzeugen und auch die Regie kümmert sich um dieses TV-Produkt, als sei es ganz wichtig, dass dieses ein gutes Ergebnis bekommt. Manfred Stelzer ist hauptsächlich TV-Regisseur, mag also sein dass ihm ein Fernsehfilm deshalb so viel bedeuten kann. Der Mann drehte einige „Tatort“-Episoden und welche für die Serie „Polizeiruf 110“. Eines seiner bekanntesten Werke dürfte jedoch „Superstau“ sein.

Kämpfte er dort noch mit zu vielen Charakteren auf dünner Story, so schafft er es hier den Zuschauer gut zu unterhalten, da er Figuren und Geschichte gleichermaßen im Auge behält. „Schokolade für den Chef“ mag nur ein kleiner, naiver Film sein, aber er wusste mich gut zu unterhalten. Die Zeit flog nur so dahin. 


Trailer,   OFDb

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