Sonntag, 10. März 2013

KROKODILE (Chorake 1979 Sompote Sangduenchai)



Zwei Ärzte verbringen mit ihren Frauen einen Urlaub am Strand in Hongkong. Durch Atombomben-Tests ist ein Reptil zum Riesen mutiert, das sich von seiner Heimat, den Sümpfen, Richtung Strand fortbewegt und einen großen Appetit mitgebracht hat...


Von einer unverarbeiteten Handtasche...

Ich kann die meist negativen Meinungen zu diesem Film durchaus verstehen, besteht der Film doch schließlich aus einer Aneinanderreihung peinlicher Unlogiken mit einem Tier im Mittelpunkt, das mittels einer plumpen Attrappe umgesetzt wird und im Laufe des Filmes, dem Vieh aus „Python“ nicht unähnlich, ständig eine andere Größe hat.

Die Dummheit beginnt bereits im deutschen Titel, immerhin haben wir hier nur ein Exemplar seiner Gattung und nicht mehrere, und ein Krokodil ist es, wie bereits im Film erwähnt wird, auch nicht. Käufer der DVD-Fassung werden zudem noch laut anderer Reviews, mit idiotischen Off-Kommentaren in den in Deutschland damals fehlenden Szenen gefoltert. Dies dürfte „Krokodile“ den Todesstoß versetzen. Aber zum Glück habe ich die extremst gekürzte 77-Minuten-Fassung gesehen, so blieb mir wenigstens dieses Ärgernis erspart.

Ich bin Freund trashiger Filme, doch der zu recht schundig genannte „Krokodile“ bietet in meinen Augen noch einen Hauch mehr als reine unfreiwillige Komik. Sicherlich erleben wir hier Unsinnigkeiten wie ein Krokodil mit leuchtenden Augen bei Nacht, Idioten die trotz vergangener Tierattacken am Rande des Schiffes stehen oder auf der Jagd lieber schlafen anstatt zu lauern.

Die wechselnde Größe des Ungetüms schwankt zwischen dorfniedertrampelnder Übergröße und einer Größe, in der das Opfer gerade mal so in das Maul der Bestie passt. Dennoch ist der ganze Quatsch, vielleicht auch durch seine 70er Jahre-Atmosphäre und dem trashigen Asia-Stil, sehr dicht erzählt. Trotz ständiger Peinlichkeiten weiß der Film bedingt zu packen, und das liegt nicht nur daran, dass auch in der von mir gesichteten Kurzfassung nicht auf Blut verzichtet wurde.

Es liegt z.B. an der sehr verwundernden Tatsache, dass die billige Tierpuppe meist recht gelungen in Szene gesetzt wird. Lustig dass einige Tierhorrorfans, die sonst fast alles gut finden, ausgerechnet diesem Werk nicht seine Pluspunkte anerkennen. Es ist schließlich eine beachtliche Leistung inmitten von Vollschrott so etwas wie eine dichte Atmosphäre entstehen lassen zu können („Die Nacht der reitenden Leichen“ lässt grüßen).

Die Bilder sind meist recht düster gehalten, das Wetter großteils unangenehm regnerisch, und mitunter sorgt gerade die unprofessionelle, ruckartige Erzählweise, die oftmals den Eindruck macht als ob der Regisseur selbst den Überblick verloren hat, für ein leicht unbehagliches Gefühl, bestehend aus dem Interesse wissen zu wollen wie es weiter geht und dem Neuorientieren, da man schließlich auch als Zuschauer versucht den Überblick zu behalten.

Ständig wird man aus dem Geschehen hinausgeworfen, weil irgendetwas unvorhersehbares (meist unlogisches oder saudämliches) den sonst so gewohnten glatten Fortlauf der Geschichte zunichte macht. So fragt man sich z.B. warum unser Held wann was herausfindet, oder warum ein Fotograf unerwartet und uneingeladen an Bord kommt und die uns bis dahin bekannten Figuren trotz seiner unerwünschten Anwesenheit auch noch für ihn eine offene Rechnung begleichen. Das sind Dinge bei denen man sich einerseits augenverdrehend an den Kopf greift und die andererseits wiederum die Herausforderung des ungewöhnlichen Sehvergnügens sind.

Auf ewig unbeantwortet bleibt wohl die Frage, warum der Held der Geschichte glaubt, das Tier sei intelligent. Ich weiß ja nicht ob da in der ungekürzten Fassung etwas mehr erwähnt wird, oder ob sich die deutsche Synchronisation einen Patzer erlaubt hat, aber in der von mir gesichteten Fassung gab es nicht einen einzigen Grund, das Tier für schlau zu erklären. Der Held ist sogar so von der Intelligenz des Reptils überzeugt, dass er sich fragt, was es mit dem Fressrhythmus des Viechs auf sich hat. Alle 3 Tage wütet es los. Auf die Idee zu kommen, dass das Vieh vielleicht nach einer Attacke 3 Tage satt ist, kommt er gar nicht erst.

Selten fand ich eine derart bescheuerte Geschichte mit so viel unfreiwilliger Komik so interessant und packend erzählt. Man darf sich zurecht von „Krokodile“ verarscht vorkommen, aber eine geglückte Atmosphäre kann ich ihm nicht abstreiten.


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