Samstag, 13. April 2013

SILK (Guisi 2006 Su Chao-Pin)


Polizist Ye wird aufgrund seiner Fähigkeit Lippen lesen zu können in das Team des Wissenschaftlers Hashimoto geholt. Dem gelang es einen Geist einzufangen, und der soll nun studiert werden, um mehr über den Tod herauszufinden...


Am seidenen Faden...

Ich gebe zu, ich habe eher mit einem Forschungs-orientierten Film a la „Phase IV“ oder „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ gerechnet, als ich voller Erwartungen diesen interessant klingenden Streifen aus Taiwan sichtete. Nach einem Einstieg, der eher in den Bereich Action-Thriller passen würde (ein Graus für jemanden der auf einen Wissenschaftsfilm eingestellt war), beruhigte sich die Geschichte glücklicher Weise wieder, um nie wieder in diese Richtung abzudriften.

Das Untersuchungsobjekt ist der Geist eines kleinen Jungen. Wer nun aber glaubt die ewig gleiche Soße wie „Ring“ samt Nachahmer serviert zu bekommen, der irrt. Gruselszenen sind rar verteilt und beschränken sich auf Situationen, in denen es lebensbedrohlich ist Blickkontakt zum Verstorbenen aufzunehmen. Ohnehin ist „Silk“ eigentlich kaum Horrorfilm, zumindest keiner der gruselt. Er geht eher in Richtung Thriller-Drama und Fantasy, so esoterisch wie er angehaucht ist. Man muss sich schon arg der Film-eigenen Logik hingeben, um Gefallen an dem Streifen finden zu können. Schwer fällt das meiner Meinung nach aber eigentlich nicht.

Wir lernen nicht nur das ein oder andere über die Gesetzmäßigkeiten des Todes, wir werden auch des öfteren auf die falsche Fährte geführt. Irrtümer sind in der Forschung nie ausgeschlossen, und so spiegelt uns der Film hin und wieder falsche Tatsachen vor, beispielsweise bei der Beantwortung der Frage woran der Junge starb, um uns mit der Auflösung des Irrtums vor neue Tatsachen zu stellen.

Das macht den sehr hübsch fotografierten und mit guten Darstellern gesegneten Film recht kurzweilig, zumindest in Ergänzung damit, dass die Geschichte über einen eingefangenen Geist schon ein Selbstläufer für sich ist. Vielleicht lässt er sich ein wenig mit „Asphyx“ vergleichen, in welchem man von einem Dahinsterbenden die aus dem Körper weichende Seele einfangen konnte. In Richtung „The Darkling“ geht die Geschichte glücklicher Weise nie, Kommunikation mit dem Geist findet ohnehin nur nonverbal statt, da er über eine andere Wahrnehmung als wir Menschen verfügt.

Doch so gut wie sich der Film mit all seinen Vorzügen auch gucken mag, und so schön augenzwinkernd er mit einer geglückten Schluss-Pointe auch enden mag, nach Sichten hatte ich das Gefühl „Silk“ wäre gerade dann besser gewesen, wenn er sich doch etwas mehr dem Gruselbereich zugewendet hätte. So interessant die Geschichte auch ist, ein wirkliches Spannungspotential baut er kaum auf. Und nachdem man sich an die Gesetzmäßigkeiten des Geistes und die merkwürdige Erfindung des Wissenschaftlers gewöhnt hat besitzt „Silk“ zur zweiten Hälfte kaum noch eine mysteriöse Atmosphäre. Was als rätselhafter Fantasyfilm begann, wird immer mehr zu einem esoterischen Kriminal-Drama, und Letzteres betreffend streift der Film typisch seiner Herkunft auch stark den Kitschbereich, der sich für einen Europäer immer eine Spur zu übertrieben guckt.

Insgesamt ist der Film aber definitiv zu empfehlen, u.a. wegen seiner ruhigen Erzählweise, die ich mir auch im US-Kino wieder zurückwünschen würde. Dank einer nicht all zu gradlinigen Erzählung und der vielen anderen bereits genannten Pluspunkte des Streifens, ist „Silk“ auf jeden Fall Unterhaltung über dem Durchschnitt geworden. Er hätte das Zeug für noch mehr gehabt, aber mit dem vorliegenden Ergebnis bin ich bereits zufrieden. Mich fröstelt es jetzt schon vor einem möglichen US-Remake.


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