Montag, 8. April 2013

TERROR AT TENKILLER (1986 Ken Meyer)


Jana fährt jährlich zur Erholung an den Tenkiller-See. In diesem Jahr nimmt sie ihre Freundin Leslie mit, da diese von ihrem Freund Josh nicht gut behandelt wird und Abstand benötigt. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem was Tor am See blutiges treibt, jener junge Mann, den beide Frauen recht interessant finden...


Das kleinere Übel...

Wer die kleine Inhaltsangabe gelesen hat, weiß dass „Terror At Tenkiller“ zu jenen Slasher-Beiträgen gehört, bei denen der Mörder relativ schnell feststeht, damit man als Zuschauer eingeweiht zuschauen darf, wie sich die ahnungslosen Fliegen der nimmersatten Spinne anvertrauen, ohne zu wissen recht bald ihr Opfer zu werden. Das mag bei Slasher-Serien wie „Freitag der 13.“ und „Halloween“ selbst ohne Anvertrauen des Killers funktionieren, jene Gattung, die übernatürliche Bösewichter präsentiert, aber in Filmen mit realen Menschen will das meist nicht hinhauen, zumindest dann nicht, wenn man nicht über das Talent eines Alfred Hitchcock verfügt und nur den Schnelldreh für zwischendurch abliefert.

Dass ein unbekannter Slasherfilm der 80er Jahre genau letzteres ist, ist jedoch klar, weiß man doch, dass im besagten Jahrzehnt solche Werke am Fließband hergestellt wurden, zumal man weder in Sachen Geld noch in Sachen Talent für die Fertigstellung eines solchen Streifens viel benötigte. 1986 war das Hoch der Beliebtheit solcher Filme eigentlich schon längst vorbei, doch immer wieder versuchte noch wer vom großen Geldkuchen ein Stückchen abzubekommen. Und einer davon war Ken Meyer, der mit „Terror At Tenkiller“ sein Regie-Debut ablieferte, um danach nie wieder einen Film zu drehen.

Da kann man ruhigen Gewissens danke sagen, denn was Ken Meyer uns da recht nah am Niveau eines Amateurfilms präsentiert ist schon erbärmlich zu nennen. Selbst auf das Subgenre Slasher-Horror gesehen sind die schauspielerischen Leistungen unter aller Sau zu nennen, so versteift spielt man hier und so uninspiriert billig kommen die Dialoge daher, die dem Einfallsreichtum schlechter Groschenromane wie „Alan Demore“ in Sachen Klischeemeer und fehlende Individualität die Hand reichen können. Wenn man in ruhigeren Szenen zudem noch seichte Musik hören darf, die ebenso in einen 80er Jahre Pornofilm passen würde, ist das Hoch einer schlechten Filmatmosphäre erreicht.

Zumindest passt dieser Sound zur Deutschvertonung, die auf unterstem Niveau angesiedelt ist und einem meist eher bei billigen Neuproduktionen über den Weg läuft. Diesen Ton zum Bild einer 80er Jahre-Produktion hört man selten. „Terror At Tenkiller“ scheint jedoch erst für die DVD-Veröffentlichung aus Österreich angefertigt worden zu sein, zumindest finden sich in der OFDb keine weiteren deutschsprachigen Veröffentlichungen.

Dass die Bundesprüfstelle Deutschlands dennoch tätig wurde und den Streifen beschlagnahmte, darf man zu Recht als Witz betrachten, wenn man einmal sehen darf wie zahm der Streifen daher kommt. Leichen gibt es wenige, die Morde sind ziemlich ereignislos inszeniert. Und wenn es doch mal ganz selten derber zur Sache gehen darf, wird auch geradezu lächerlichst getrickst. So schaut sich das Durchschneiden eines Armes wie das Zerschneiden von Gummi. Knochen scheint das arme Opfer zumindest nicht zu besitzen.

Für ein Land, dass seit „Starship Troopers“ ein wenig kulanter geworden ist was den Härtegrad und deren Seh-Erlaubnis für angeblich mündige Bürger in Filmform angeht, ist die Entscheidung aus dem Jahr 2005 für „Terror At Tenkiller“ ein Rätsel. Mag auch die Ironisierung der Geschichte fehlen und ein 80er Jahre-Film geradezu für ein Verbot prädestiniert sein, Sinn macht das in unserer modernen DVD-Landschaft keinen mehr, ein Bereich der zig härtere Filme im Monat hervorbringt, gegen den der hier besprochene geradezu zahm wirkt.

Im Falle eines „Terror At Tenkiller“ (was‘n Titel) kann man fast schon dankbar sein, lockt so ein Verbot doch nur die Freaks, und der Rest der Menschheit bleibt von diesem Müll verschont. Einzig das grobkörnigere 80er Jahre-Bild und die typische Billigfilm-Atmosphäre dieser Zeit wissen einen geringen Anteil von Charme zu versprühen, womit der Streifen auf seine Laufzeit gesehen trotz aller Defizite zumindest guckbar bleibt. Ein besserer Deutschton hätte deswegen schon viel retten können. Leider gibt es zum englischen Originalton keine deutschen Untertitel, sonst wäre das eine ratsame Alternative gewesen.

Viele Menschen lassen sich beim Urteil eines solchen Streifens von einer Porno-nahen Vertonung beeinflussen. Ich gehöre da zu der Ausnahme, gebe solchen Filmen trotzdem immer wieder eine Chance, und so kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass „Terror At Tenkiller“ nicht nur rein von der Vertonung her ein Reinfall ist. Der Film ist uninspiriert erzählt, weiß eigentlich gar nicht warum er seine Geschichte erzählen will, deswegen auch nicht wie, und deswegen kommt er so unbeholfen daher. Fast könnte er schon unfreiwillig komischer Trash sein, wäre er nicht so ereignislos und spannungsarm inszeniert. Ungeschickte Spannungsmomente würden den Humor fördern. Nicht vorhandene lassen einen eher resignieren.

Über das Weltbild der Verantwortlichen für diesen Streifen sollte man am Rande mal ein Wörtchen verlieren. Ich bin zumindest am rätseln ob das Verhalten der Heldin zum Ende hin ein unbeabsichtigtes Outen von Frauenfeindlichkeit ist, oder ob diese Fragwürdigkeit lediglich das zufällige Ergebnis eines ohnehin schon bewiesener maßen untalentierten Geschichtenerzählers ist. Denn der die Heldin zuvor schlagende und stalkende Freund darf zum Ende hin zur Rettung eilen. Sicherlich ist er das kleinere Übel gegenüber dem Killer vom See, und Opfer des Killers darf er auch noch werden, aber dass sich Leslie derart über ihren anderen Peiniger freut, ist schon etwas übertrieben umgesetzt. Man weiß wie es wohl in etwa gemeint ist, aufgrund dessen wie er eingebracht wird bleibt jedoch ein bitter Nachgeschmack zurück. Das klingt übel, gehört aber zu den wenigen Momenten wirksamer unfreiwilliger Komik.

Ebenso der Schluss, also Vorsicht SPOILER: nach einer recht nüchternen Verfolgungsjagd findet der finale Kampf auf einem Boot statt. Die beiden Personen landen im Wasser. Leslie kann schwimmen und somit dem Killer entkommen, denn... Tataaaa... der Mörder kann nicht schwimmen. Ja, genau jener Killer der sich zum Ort des Tötens ausgerechnet einen See ausgesucht hat und auch öfter mit dem Boot unterwegs ist, verfügt nicht über die Fähigkeit zu schwimmen.

Aber von Psychologie hat der Verfasser des Drehbuchs sowieso keine Ahnung. Das sieht man allein schon am unglaubwürdigen Beweggrund des Mörders für seine Taten, die im völligen Widerspruch dazu stehen, dass der gute Mann das Morden am See bereits begonnen hat, bevor er Leslie kennen lernen durfte. Diese, von Beginn des Films an schon mit öden Möchtegern-Erwartungs-weckenden-Off-Kommentaren nervend, darf am Ende noch naiv erwähnen, dass der Mörder nun auf dem Grund des Sees liegen mag. Warum auch immer. Er ist lediglich ertrunken. Was soll er bitte auf dem Grund des Sees verloren haben? Dass ihr Denken gar noch naiver wird aus der Sicht eines Horrorfilms, ist klar, und so darf für die obligatorische Schluss-Sequenz der todgeglaubte Killer noch einmal auftauchen. Warum sollte er auch ertrunken sein, nach einem solch ereignislosen Finale? Danke, dass einem eine mit dieser Sequenz angedrohte Fortsetzung erspart blieb. SPOILER ENDE

„Terror At Tenkiller“ hat einfach das Glück in den 80er Jahren gedreht worden zu sein, mit all seinen filmischen Vorteilen und Trash-fördernden Nachteilen. Damit wird der Film trotz aller Defizite zumindest nicht langweilig. Frühzeitig abschalten will man höchstens aus anderen Gründen: verschenkte Lebenszeit, schon vorher wissend wie der Film enden wird, ... Aber dranbleiben kann man als Horror-Nerd durchaus. Das ändert aber nichts daran dass dieser Film schlecht ist.

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