Samstag, 27. April 2013

TERROR HOUSE (Quella villa in fondo al parco 1988 Giuliano Carnimeo)


Ein Wissenschaftler erschafft ein Hybridwesen zwischen Menschenaffe und Ratte. Dieses kann entkommen und tötet Menschen. Ein Autor stößt bei dem Versuch die Mordreihe aufzulösen auf die Kreatur, die zu intelligent vorgeht um sich einfach einfangen zu lassen...


Rattiger Frauenmörder...

Seit der 70er Jahre suchen die Ratten die Nische des Tier-Horrors heim. Zu Beginn in „Willard“ noch auf Kommandos reagierend, wurden sie in der Fortsetzung „Ben“ selbstständig und terrorisierten die Menschheit von nun an in zig Nachahmern wie „Ratten - Sie sind überall“ und „Ratten - Mörderische Brut“. Selbst Pro 7 nahm sich irgendwann der Thematik an und produzierte den gar nicht mal so schlechten „Ratten - Sie werden Dich kriegen“.

Zwar wird über die kleinen Nager nicht ganz so viel im Bereich des Horrorfilms gedreht wie über Schlangen, Haie, Krokodile und Spinnen, aber der Ekel vor diesen kleinen Tieren prädestiniert sie einfach als immer wiederkehrende Erscheinung in der Welt der schauerhaften laufenden Bilder. So manches Mal erfahren ihre Leinwandauftritte körperliche Wandlungen. So durfte 2003 in Japan ein „Godzilla“-ähnliches Rattenwesen namens „Nezulla“ wüten, Jim Mickle ließ 2006 in „Mulberry Street“ Bürger durch einen Virus zu Rattenmenschen mutieren, und schon 1995 lief ein fehlgeschlagenes Ratten-Experiment in „Alien Terminator“ durch Laborgänge um Menschen zu meucheln.

Italien entdeckte den Reiz einer veränderten Rattengattung bereits 1988 und erschuf mit der Kreuzung aus Ratte und Affe ein menschenähnliches, intelligentes Wesen, das man ruhigen Gewissens als gelungenes Horrorfilm-Geschöpf bezeichnen kann, so skurril wie es ausschaut und so wirksam es eingesetzt wird inmitten einer holprigen Inszenierung. Warum man bei der deutschen DVD-Veröffentlichung zu dem Titel „Terror House“ griff, obwohl der auf VHS verwendete Titel „Ratman“ wesentlich treffsicherer war, bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich wollte man ihn als Giallo verkaufen, ein lukrativer DVD-Markt im alternativen Kino und dank Carnimeos Inszenierung auch nicht komplett unpassend in diese Richtung gedrängt.

Der gute Mann, der mit „Terror House“ seinen vorletzten Film ablieferte und für solche Trash-Perlen wie „Flotte Teens und Sex nach Noten“ verantwortlich war, orientiert sich stark an besagter Horror-Krimi-Richtung, die ein ureigenes Stück italienische Filmgattung ist und bei Erscheinen von „Terror House“ 1988 auch schon einige Jahrzehnte Tradition besaß.

Die ersten Morde im hier vorliegenden Film sind in alter Giallo-Tradition inszeniert, ganz besonders der erste, in welchem eine Frau zunächst von wem Fremdes mit einem Messer verfolgt wird, bevor sie in einem Versteck von dem eigentlichen Bösewicht, der Kreatur, umgebracht wird. Das hätte für das Story-unwissende Publikum ein großer Überraschungseffekt sein können, wenn der Rattenaffe nicht schon zu Beginn des Streifens Beachtung bekommen hätte.

Aber da sind wir auch schon bei den Schattenseiten von „Quella villa in fondo al parco“ (Originaltitel), denn er krankt an den psychologischen Mangelerscheinungen der meisten italienischen Produktionen dieser Art. Weder der Verlauf der Geschichte ist geschickt eingefädelt, noch wissen die Figuren glaubwürdig zu agieren. „Ratman“ ist ein kleiner Schundfilm, nicht ganz so Schmuddelfilm wie „Torso“ und Co, aber doch nur ein Werk zum Befriedigen niedriger Horror-Fan-Bedürfnisse. Und dabei hätte er das Potential zu so viel mehr gehabt. Das erkennt man immer dann wenn es Regisseur Carnimeo schafft inmitten von Irrsinn und Fremdschämen Atmosphäre aufzubauen.

Immer dann wenn man sich wieder daran gewöhnt hat unterhaltsamen Italo-Schund zu schauen sind sie wieder da, die geglückten Szenen, die teilweise echtes Spannungspotential bieten. Da kommt im Finale auch die Geisterstadt sehr gelegen, deren Flair bereits die Schöpfer von „Futureworld" zu Gruselzwecken erkannten. Vielleicht wollte Carnimeo mit dieser Location auch auf Nummer sicher gehen, war der Westernbereich im italienischen Kino doch einmal ebenso beliebt wie der des Giallos. Vielleicht wollte er dem heimischen Publikum damit ein Stück Kinonostalgie bescheren. Wie auch immer, es weiß zu wirken.

Auch die erschreckend unniedliche Kreatur selbst gehört zu den Pluspunkten, strahlt sie doch etwas beunruhigendes aus. Seine Wirkung wäre ohne inszenatorische Fehler, wie die optische Fehleinschätzung verschiedener Blickwinkel oder der zu laute Ton der Kreatur, der vom zukünftigen Opfer wunderlicher Weise nicht wahrgenommen wird, hoch genug gewesen, um dem Film den nötigen Schliff zu verleihen. Immerhin scheitern Werke dieses Genres gerne mal spätestens dann, wenn die Kreatur Richtung Finale in Erscheinung tritt. Der „Rat Man“ braucht sich zum Erreichen einer unheimlichen Wirkung nicht zu verstecken.

Man ist aus Italien seit der 70er Jahre im Horrorbereich so einiges gewohnt. Und mit Vorkenntnis der üblichen Ergebnisse jenseits von Argentos künstlerisch wertvollen Arbeiten, darf man von „Terror House“ durchaus positiv überrascht sein. Wer cineastisch fremd ist in dieser Schaffenszeit von Europas Stiefel, der wird hingegen die Nase rümpfen und sich wundern, warum kein bisschen auf schauspielerisches Talent, Logik, Psychologie und einen echten roten Faden geachtet wird. Allein das Fehlen echter Identifikationsfiguren wirkt fremd für Menschen, die im Mainstream daheim sind.

Aber ab und an muss es gerade diese Art Nonsens zu Unterhaltungszwecken sein. Manchmal darf es auch ein „Terror House“ sein, der freiwilligen Schund mit unfreiwilliger Komik mixt und dennoch charmant daher kommt, ohne komplett unbeholfen zu wirken. Manchmal muss es im Horrorbereich auch Ablenkung von der Realität auf geringem Niveau sein. Das spricht den hier besprochenen Film nicht von jedem Fehler frei, aber kurzweilige Kost wurde durchaus geboten. Ich mag es einfach wenn Schwächen und Stärken so nah beieinander existieren. Das gibt dem italienischen Horrorfilm seinen eigenen Reiz.


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