Samstag, 18. Mai 2013

INVASION DER BIENENMÄDCHEN (Invasion Of The Bee Girls 1973 Denis Sanders)


Immer mehr gesunde Männer verlieren ihr Leben während des Beischlafs durch Herzversagen. Da kann doch etwas nicht stimmen, denkt sich Agent Agar und forscht nach...


Heiße Bienen und schlaffe Bullen...

In den 70er Jahren konnte die in den 50er Jahren so beliebte Thematik der Insektenmenschen a la „Die Fliege“ und „Die Wespenfrau“ schon nicht mehr so klassisch umgesetzt werden wie seinerzeit. Auf skurrile Kostüme verzichtete man komplett, und eine reine Monster-Show sollte „Invasion der Bienenmädchen“ auch nicht werden. Allerdings ging es hierbei nicht um Fremdschämen alter Werke und dem Wunsch etwas niveauvolleres abzuliefern. Das Thema sollte noch immer Thema jenseits des Mainstreams bleiben und noch mehr in den cineastischen Underground-Bereich hineinrutschen als ohnehin schon. Denn der Film sollte sexy sein, weshalb es nicht schwer ist zu erraten, warum die Mädels gerade zu Bienen werden mussten.

Wie das so ist, wenn Sex und Horror aufeinanderstoßen, wird das Ergebnis höchst trashig. Trashig genug um die Aufmerksamkeit des Fernsehsenders Arte auf sich zu ziehen für die legendäre Trash-Reihe, die für mich unverständlicher Weise noch keinen Weg auf DVD gefunden hat. Gerade wegen Filme wie „Invasion der Bienenmädchen“ oder auch wegen „Auch Marsmenschen haben Hunger“ wäre der Weg von Arte ins DVD-Geschäft wünschenswert, sind beides doch Werke die ansonsten keine deutsche Veröffentlichung erfahren haben. Deswegen darf man beide auch im Originalton mit deutschen Untertiteln genießen. Das gibt solchen Werken noch mal ein ganz besonderes Flaire.

Außerhalb von nackter Haut, von der es in Amerika immer wenig zu sehen gibt, im Underground-Bereich der späten 60er und frühen 70er Jahre aber um so mehr, verzichtet Regisseur Denis Sanders, für den „Invasion der Bienenmädchen“ die letzte Tätigkeit nach 15 Jahren Regieerfahrung war und der uns u.a. den Film „Der Mörder mit der Gartenschere“ beschert hat (nettes Wortspiel, kicher), auf jeglichen Sehwert. Mehr als schwarze Augen werden den Bienenmädchen als äußere Verwandlung nie beschert. Meist verzichtet man aber selbst auf diese und lässt sie mit Sonnenbrillen bekleidet umher laufen. Aber solch simple Elemente geben dem fertigen Film bereits ihren besonderen Touch.

Glücklicher Weise wird über die Laufzeit gesehen nicht zu viel rumgefummelt. Dies wird nur in einer einzigen Szene etwas übertrieben, von der man sich erhofft sie ende mit der (Teil-)Verwandlung der Sexualpartnerin, was jedoch nie geschieht und die Szene um so ärgerlicher werden lässt. Da sie zudem im Mittelteil stattfindet, jene Phase in welcher der Film ein wenig auf der Stelle tritt, könnte sie ungünstiger nicht gesetzt sein.

Das macht diese kleine Perle des schlechten Films jedoch nicht wirklich kaputt, sondern lediglich etwas schwierig zu verdauen. Ansonsten darf man der Musik der 70er Jahre lauschen, die Optik dieser Zeit einatmen und bekommt dabei das Gefühl diese fast noch einmal mitleben zu dürfen. Keine Angst vor AIDS, bereit den letzten Stuss zu erzählen, und alle reden sie nur übers Bumsen, selbst die Konservativen. Ja so haben sich die Hippies die Welt schön geredet und vielleicht sogar ganz naiv gehofft, dass es so werden würde.

Es ist schön zu bebachten wie unverkrampft und gleichzeitig unaufdringlich „Invasion Of The Bee Girls“ (Originaltitel) daher kommt, zumal sich Regisseur Sanders nie von dem abbringen lässt, was er gerade erzählen will. Und das ist nie konstant das gleiche. Mal kippt der Film Richtung Krimi, dann hat er wieder mehr von Science Fiction und Horror, während er in anderen Momenten fast zum reinen Erotikfilm mutiert. Die Hintergründe der „Invasion“ interessieren dabei so gut wie gar nicht. Und gäbe es nicht hin und wieder ein Summen zu hören und Szenen zu sehen, in welchen wir die Welt aus den Augen der Mutanten sehen, man könnte meinen der Titel „Invasion der Bienenmädchen“ wäre ein Spoiler, arbeitet doch alles im Film auf das Lüften eines Geheimnisses hin, das im Titel bereits verraten wird.

Eine solche Herangehensweise beweist, dass es den Verantwortlichen des Streifens keineswegs um die vordergründige Geschichte geht. Ein aufgedecktes Rätsel das für den Zuschauer keines ist, und das diese Tatsache nicht einmal dazu nutzt den Helden in eine Falle tappen zu lassen, da muss man nicht Sherlock sein, um zu erraten dass ein solches Werk rein der Provokation und des reißerischen Effekts wegen gedreht wurde. Endlich durften Titten im Kino gezeigt werden. Und wenn‘s noch eine dusselige Science-Fiction-Geschichte drum herum gibt, dann ist man als Zuschauer des geringen Anspruchs gerne dabei, zumal „Graveyard Tramps“ (Alternativtitel) sich nie als reiner Nudistenfilm wie „Nude On The Moon“ oder „The Beast That Killed Women“ guckt, sondern die Genres des phantastischen Filmbereichs nicht nur als Ausrede nutzt.

Doch so wenig Sanders es auch gewollt hat, ein wenig mehr hineininterpretieren als die reine Lust am Gewagten kann man in diesen Streifen schon, spielt doch auch er mit der Angst der Männer ihre Rolle in einer Welt der Emanzipation zu verlieren. Das begann bereits auf biederem Weg in den 50er Jahren mit Werken wie „The Astounding She Monster“, aber nun, in jener Phase als auch das weibliche Geschlecht frei seine Sexualität auslebte und sich Geschlechtspartner autonom selbst aussuchte und nicht mehr nur den ehelichen Pflichten nachkam, da stieg die unterschwellige Angst um so mehr, die heute noch manche Verschwörungstheoretiker vermuten lassen, dass die Welt der Zukunft keine Männer mehr benötigen wird und wir in einer Art Übergangszeit leben.

Der Mann dient nur noch der Fortpflanzung wegen. Die Zügel haben von nun an die Frauen in der Hand (hatten sie eigentlich immer und jederzeit, aber jetzt auch offiziell). Und dem Sex folgt der Tod - freilich nur für die Männer. Sicherlich ist vieles Auslegungssache. Ein Freund von mir frotzelte nach dem Sichten, dass die Botschaft auch heißen könnte Frauen haben in der Wissenschaft nichts zu suchen, scheitert die Invasion doch an ihnen selbst. Doch im Gegensatz zu dieser lustig gemeinten Provokation ist die Position des Mannes und seiner Ängste in „Invasion der Bienenmädchen“ überaus deutlich zu erkennen.

Der Schluss beschert uns nach einem relativ ereignislosen und recht schnellen Abschluss der Hauptgeschichte eine Sequenz, die jeder für sich selbst interpretieren muss. Der Film an sich lässt schon viele Fragen offen, aber die letzte Szene wirft auch noch die ein oder andere auf. Ist der Spiegel im Schlafzimmer nur ein augenzwinkerndes Gimmick oder der Hinweis auf ein überlebendes Bienenmädchen? Das muss jeder für sich selbst beantworten, und wenn er dies auch wirklich tut, was sicherlich die wenigsten machen, dann wird er auch im richtigen Film gesessen haben. Denn dann gehört man zum Zielpublikum, das sich für diesen Schwachsinn tatsächlich interessieren und vielleicht sogar begeistern konnte, während der Rest der Welt die Nase rümpfte. Dass ich als Trash-Fan zu den Erstgenannten zähle, dürfte aber wohl jedem Stammleser klar sein.


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