Samstag, 24. August 2013

DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (E tu vivrai nel terrore - L'aldilà 1981 Lucio Fulci)


Die New Yorkerin Lisa hat in Louisiana ein heruntergekommenes Hotel geerbt, welches sie renovieren lässt, um den Betrieb wieder zu starten. Allerdings weiß sie nicht, dass das Gebäude auf einem der sieben Tore des Bösen erbaut wurde. Unheimliche Vorkommnisse häufen sich...


John - Lisa, Lisa - John, ...

Wer nach einem tieferen Sinn in „Die Geisterstadt der Zombies“ sucht, einem der größten Erfolge des italienischen Kult- und Schund-Regisseurs Lucio Fulci, der steht auf verlorenem Posten, ergibt doch so ziemlich alles was wir hier erleben keinen, oder zumindest wenig Sinn, zumal uns alles etwas zusammenhanglos präsentiert wird. Da man auch keine wirkliche Identifikationsfigur präsentiert bekommt, dadurch dass einem jeglicher Charakter zu fremd bleibt, kann man schon etwas orientierungslos werden. Scheinbar soll man das sogar, denn nur mit dieser Absicht lässt sich eine Art Sinn in Fulcis Werk erkennen. Gibt man sich also einfach mal dieser Orientierungslosigkeit hin, kann einem mit „Über dem Jenseits“ (Alternativtitel) ein ähnlich angenehmes Filmvergnügen wiederfahren, wie mit dem ein Jahr zuvor erschienenden „Ein Zombie hing am Glockenseil“.

Fulci erschafft in dem Nichts an Story eine unglaublich starke Atmosphäre, die man einfach auf sich wirken lassen muss, sofern man kann. Dann reißen Soundtrack und die grauenhaften Bilder mit, die Fulci uns zumutet. Erstaunlich: die völlig unnötig in Blut getränkten Abartigkeiten unterbrechen die dichte Atmosphäre des Streifens nicht, sie unterstützen diese sogar. Da mögen noch so sinnlos Spinnen ein Gesicht zersetzen, ein Mensch mit heißem Kalk gefoltert werden und einem Kind das halbe Gesicht weggeschossen werden (wohl der Tabubruch seiner Zeit schlechthin), der Film wirkt, und das obwohl Fulci die Ekelschraube nach dem bereits unappetitlichen „Ein Zombie hing am Glockenseil“ noch einmal ordentlich aufdreht.

Ebenso wie der spielen die im Titel genannten Zombies lediglich eine Nebenrolle. Ein zweiter „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ ist der Film inhaltlich somit nicht. Wer einen echten Zombiefilm vom italienischen Meister des B-Films sehen wollte, der musste damals bis 1988 warten als „Zombie 3“ erschien. Im hier besprochenen Film geht es eher um Spuk und um alternative Welten. Es geht um alles und nichts. Und da wird sich fleißig an mal mehr mal weniger Klischee-artigen, altbekannten Horrorzutaten bedient, wie ein geisterhaftes Läuten, ein mystisches Buch, Prophezeiungen einer Blinden, eine Lynchmeute mit Fackeln, uvm. Aber es blitzen auch Ideen auf, die große Genre-Werke später ins Zentrum rücken sollten, so z.B. die kurzzeitig geglückte Flucht aus dem Jenseits, die später im Mittelpunkt von Clive Barkers „Hellraiser“ stand.

Höhepunkt von „Im Jenseits der Zombies“ (Alternativtitel) ist dann tatsächlich auch sein Finale, in welchem die Zombies in den Mittelpunkt rücken, gefolgt von der Abschluss-Szene, in welcher die Musik ein atmosphärisches Zusammenspiel mit der billigen aber wirkungsreichen Kulisse bildet. Es ist eine Szene, die wenigstens einen Teil der offenen Fragen beantwortet. Glücklicher Weise ist man kurz vor diesem Szenario doch noch halbwegs warm mit den beiden Helden der Geschichte geworden, zumindest genug, damit der einfallsreiche Schluss zu wirken weiß.

„Eibon - Die 7 Tore des Schreckens“ (Alternativtitel) ist das Paradebeispiel dafür, dass ein Horrorfilm auch als loses Stückwerk mit wenig Sinn und mittelmäßigen Mimen funktionieren kann, zumindest dann wenn die Atmosphäre und die einzelnen Einfälle gut genug zu wirken wissen. Ob das Zusammenspiel der einzelnen ineinandergreifenden Fragmente tatsächlich dem Regisseur zu verdanken sind oder bloßes Glück waren ist die große Frage, die den Film umweht. Immerhin war Fulci nicht der begabte Regisseur für den ihn viele halten. Das meiste was ich von ihm sichten durfte war eher dürftiger Natur. Da aber bereits „Ein Zombie hing am Glockenseil“ auf ähnliche Art funktionierte, mag es vielleicht doch ihm zu verdanken sein. Vielleicht hatte er genau in den Jahren 1980 - 1981 ein intuitives Händchen, das nötige Gespür oder einfach nur freies Spiel das ihm vorher/später kein Produzent mehr ermöglichte. Wer weiß, wer weiß...

Kommentare:

  1. Oha - Fulcis feiner Zombiefilm. Da ich in meinem Blog gern vermehrt über das Zombiegenre schreiben will, werd' ich den sicher auch mal rezensieren. "Loses Stückwerk mit wenig Sinn und mittelmäßigen Mimen" trifft's gut, die Aussage über die Qualität der Mimen ist fast noch zu milde. Fulcis vier Zombiefilme sind für mich bei allen eklatanten Mängeln, die sie aufweisen, doch echte Klassiker.

    Im Oktober erscheint THE BEYOND, so der englische Titel, übrigens exklusiv beim britischen Online-Anbieter Zavvi als sehr schönes Blu-ray-Steelbook von Arrow. Ich hab' allerdings schon die ebenfalls sehr gelungene weiße Arrow-Edition im Schuber.

    Gruß,
    Volker Schönenberger
    Die Nacht der lebenden Texte

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    1. Ja, ich denke man muss schon ein sehr abgehärteter Stammzuschauer im italienischen Horrorkino besagter Zeit sein, um die Darsteller mittelmäßig zu finden. Aber im direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten nerven die Mimen hier tatsächlich nicht mit diesem extremen Dilettantismus wie z.B. in "Die Rückkehr der Zombies". Sie sind nicht begabt, aber sie schlagen sich noch wacker.

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