Samstag, 7. September 2013

THE 6TH DAY (2000 Roger Spottiswoode)


In einer Zukunft, in der fleißig Haustiere geklont werden, ist es ein Verbrechen das Duplikat eines Menschen anzufertigen. Trotzdem muss Pilot Adam Gibson an seinem Geburtstag zu seinem Entsetzen feststellen, dass genau dieses Verbrechen an ihm verübt wurde. Auf die Überraschungsfeier zu seinem Ehrentag eingestellt, muss er bei seiner Heimkehr mit ansehen, wie die Gäste einem Fremden, seinem Ebenbild, ein Ständchen singen. Adam will sein Leben zurück, aber es gibt eine Interessengruppe die das gar nicht gerne sieht...


Der Mensch erschuf den Mensch...

Auch wenn seine Komödie „Versprochen ist versprochen“ ein kleiner Kino-Hit war, die 90er Jahre nach dem Erfolg „True Lies“ liefen für Schwarzenegger im Verhältnis nicht gerade wie gewünscht. „Eraser“ blieb an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück, „Batman und Robin“ war ein Desaster, und der Versuch mit „End Of Days“ sich mal im Horror-Genre auszuprobieren stieß nicht auf sonderlich viel Gegenliebe. Zeit sich im neuen Jahrtausend angekommen auf den Ursprung der Karriere zu besinnen, den Genre-Mix aus Action und Science Fiction, der mit „Terminator“, „Terminator 2“, „Die totale Erinnerung“, „Running Man“ und „Predator“ mehrfach erfolgreich beim zahlenden Publikum punktete. Und da der doppelte Arnie in den Augen der Produzenten gleich doppelt erfolgreich sein müsste, lag die Idee einer Klon-Thematik nahe, zumal es in der Realität noch nicht all zu lange her war, dass man es schaffte ein Schaf zu klonen.

Arnie gegen Arnie, so wie es uns die Werbung weiß machen wollte, ist „The 6th Day“ leider nicht geworden. Die beiden Haudegen bekämpfen sich nur recht kurz, und dies sehr spät. Und da wird schneller Frieden geschlossen um gemeinsam gegen den Feind zu kämpfen, als einem lieb ist. Dies nicht wirklich weil man den Muskelmann gegen sich selbst kämpfen sehen will, sondern weil das Drehbuch hier, wie auch an anderen Stellen, unnötig auf das Gaspedal drückt, bestimmte Storyentwicklungen so schnell wie möglich durchboxen will und dabei die Psychologie, die Glaubwürdigkeit und die Wahrnehmung des Zuschauers missachtet. Warum der Arnie-Klon und das Original so schnell Freundschaft schließen, bleibt ein Rätsel. Zumal sich der unwissende zu Hause wohnende Part erstaunlich schnell einer Realität fügt, die der gegen alle Widerstände kämpfende Part in einem längeren Prozess zu akzeptieren lernen musste. „The 6th Day“ soll ein Actionfilm sein, aber im Gegensatz zu den meisten Science Fiction-Erfolgen Schwarzeneggers will man dies so extrem, dass einem alles andere egal ist.

Dass die philosophischen, gesellschaftskritischen und ethischen Themen nur gestreift werden, enttäuscht einem bei einem Popkorn-Film sicherlich nicht. Und dass Schwarzenegger als Ehemann und Vater grundsätzlich nicht zu überzeugen weiß, waren weder in „Phantom Kommando“, noch in „True Lies“ oder im hier besprochenen Film gravierende Schwachpunkte. Aber die Actionszenen zu zelebrieren, ohne der Geschichte die nötige Zeit zur Entfaltung zu schenken, dass ist es, was den an sich sympathischen Streifen zu nichts weiter als einem Film zum Schnellverzehr macht, einer der schneller wieder vergessen ist als die Schwarzenegger-Werke, die noch heute als Evergreens glänzen.

Da man im Jahr 2000 nach der Liste der eben aufgezählten Enttäuschungen aber ohnehin nichts mehr von einem Schwarzenegger-Film erwartet hat, hält „The 6th Day“ auch ein was man sich von einem kleinen Zeitvertreib auf dem Bildschirm für zwischendurch verspricht. Arnie vermöbelt ordentlich die Bösen, teilweise mit humoristischen Elementen, kehren die Schurken dank der Klontechnik doch nach jeder Selbstjustiz Arnies zurück. Zur Komödie verkommt der Film jedoch nie, das war Regisseur Roger Spottiswoode scheinbar wichtig, jener Mann der bei den wenigen von mir gesichteten seiner Arbeiten nie mehr als Durchschnitt ablieferte. Da war der recht flache aber amüsante „Stop! Oder meine Mami schießt“ mit Schwarzeneggers Ex-Rivalen Sylvester Stallone, da gab es Spottiswoodes Debut mit dem Slasher-Horror „Monster im Nachtexpress“, der nicht an die Konkurrenzprodukte seiner Zeit herankam, und da war „Scott und Huutsch“, der mir nie so gut gefallen hat wie der charmante „Mein Partner mit der kalten Schnauze“.

Spottiswoode arbeitet also im Rahmen seiner Möglichkeiten, mit einem Schwarzenegger, dessen große Zeit deutlich vorbei war. Und für solch ein spätes Werk, dem vor dem Beginn der Politkarriere nur noch „Collateral Damage“ und „Terminator 3“ als Verzweiflungsversuche zurück zum großen Kinoerfolg folgen sollten, ist „The 6th Day“ durchaus geglückt. Zwar wissen die computeranimierten Szenen mit den ferngesteuerten Hubschraubern bereits nicht mehr zu wirken, aber der Rest der Actionszenen stimmt, der Oberbösewicht ist gut gecastet und Robert Duvall mit an Bord zu haben ist ohnehin nie eine Fehlentscheidung.

Dass mancher Story-Twist, der durch seine „Sixth Sense“-geprägte Zeit geradezu typisch war, heute niemanden mehr ernsthaft zu überraschen weiß, zumal der Zuschauer optisch recht früh auf eine finale Wendung hingewiesen wird, schadet dem Film ein klein wenig im Vergleich zu damals, als manche Überraschung noch einen tollen Aha-Effekt verursachte. Somit guckt sich „The 6th Day“ heutzutage noch mehr als Light-Version eines Schwarzenegger-Hits als damals schon. Aber auch in dieser Doppel-Light-Version bereitet der hier besprochene Streifen noch genügend geistfreie Freude um nett unterhalten zu werden. Wer in dem Werk gar Tiefe vermutet, der dürfte Filme mit Pioniersarbeit zu dieser Thematik („Blade Runner“, „Ghost In The Shell, ...) nicht kennen. Das Thema Cyborg wurde lediglich gegen das Thema Klone eingetauscht. Ironischer Weise ist „The 6th Day“ damit ein Klon zur ethischen Thematik des Cyborg-Genres.

1 Kommentar:

  1. Sympathisch trifft es ganz gut. Mochte den auch und habe mir neulich sogar die Blu-ray zugelegt.

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