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Sonntag, 3. November 2013

HOBGOBLINS (1988 Rick Sloane)


Als er einen neuen Job als Nachtwächter in einem Filmstudio annimmt, wird Kevin von einem älteren Kollegen noch gewarnt: öffne nie den Tresorraum! Einst konnten dort Wesen gefangen werden, die der Menschheit nicht positiv gesonnen sind. Es kommt wie es kommen muss. Kevin öffnet auf der Suche nach einem Einbrecher trotz der Warnungen des alten Mannes den Tresor...


Kasperle-Gremlins...

Es ist schwer etwas über einen Streifen wie "Hobgoblins" zu schreiben. Er gehört zu dieser Art Film die man gesehen haben muss, um wirklich begreifen zu können, was man mit ihm erlebt. Eins ist klar: "Hobgoblins" ist schlecht, egal ob man ihn als Horrorfilm oder als Komödie sieht. Er ist beides, und er will beides sein. In Sachen Komödie hat er sogar einige gelungene Witze zu bieten, eigentlich sprudelt er jedoch nur so über vor unfreiwilliger Komik, so dass Trash-Fans vor Lachen und Hände-vor-die-Stirn-schlagen kaum zu Atem kommen. Da der freiwillige Humor von Hobgoblins streckenweise aber sehr skurril ist, oft auf der Basis von Anti-Gags, verschwimmt selbst für den erfahrenen Trash-Fan oft die Grenze zwischen freiwilligem und unfreiwilligem Humor. Oft erwischte ich mich bei der Frage: war das jetzt so gemeint oder war das wieder mal ein Fehler und/oder eine Peinlichkeit? Das spricht mit Sicherheit FÜR den Humor des Films, kann ihn aber trotzdem nicht davor retten lediglich als wunderbar peinlicher Schund zu funktionieren.

Nehmen wir nur mal die Musik: bis auf einige wenige Punk-Rock-Songs, die im Stil ein wenig an die Lieder aus "The Return Of The Living Dead" erinnern, ist der Soundtrack ziemlich übel ausgefallen. Aufgesetzte Musik terrorisiert die Ohren, alles zu monoton komponiert, und in seinem Höhepunkt an Grausamkeit ertönt hundsmiserable Tanzmusik in einer Endlosschleife, der die Glaubwürdigkeit fehlt, dass Charaktere wie für den Film verwendet sich eine solche überhaupt anhören würden. Dazu tanzen sie völlig versteift (später in einer Disco-Szene das selbe Manko noch mal viel lustiger), was den akustischen unfreiwilligen Humor visuell noch einmal unterstützt. Ähnlich schlechtes Tanzen sah ich bislang eigentlich nur im unbekannten "Sleepover Nightmare".

Dass die schauspielerische Leistung nicht nur in Tanzszenen schnell ihre Grenzen erreicht, muss freilich nicht wirklich gesondert erwähnt werden. Interessant ist jedoch, dass manch einer lediglich wie ein Idiot durchs Bild tappst, manch anderer zuvor aber wenigstens versucht eine bessere Leistung abzuliefern bevor sein Scheitern kein Geheimnis mehr ist.

Die Idee der Geschichte ist eine gar nicht mal schlechte Idee einer "Gremlins"-Kopie. Um sie gekonnt und glaubhaft umsetzen zu können hätte es allerdings eine talentierte Regie und ein gutes Drehbuch gebraucht. Der Clou der Geschichte: die Hobgoblins können die Gehirne ihrer Opfer manipulieren und ihnen ihre größten Wünsche zeigen. Das ist noch simpel, zugegeben! Aber da andere Beteiligte die Wünsche der anderen ebenfalls sehen können, wird ein Ball der Geschehnisse ins Rollen gebracht, bei dem man als Regisseur nun eigentlich die Übersicht behalten müsste, um der etwas komplizierten Idee gerecht zu werden und diese konsequent weiter zu führen. In einem guten Drehbuch würde es irgendwann schwer fallen die echten von den falschen Geschehnissen auseinander zu halten. Im vorliegenden Versuch endet alles im Desaster, ein verpatzter Versuch auf Kasperletheater-Basis, glücklicher Weise aber immer auf schadenfreudige Art unterhaltsam.

Der Vergleich mit einem Kasperletheater liegt im übrigen näher als die Formulierung als Redewendung ansonsten eigentlich meist gemeint ist. Wenn die Hobgoblins mal durchs Bild huschen, und das passiert nur höchst selten, dann sind sie wie Kasperlepuppen animiert. Immer gibt es eine Couch oder ein anderes optisches Hindernis, wo die Spieler ihre Arme oder Hände hinter verstecken können. Es gibt nicht eine Szene in der man sie mal mit vollem Körpereinsatz durch die Gegend huschen sieht, nichts. Wie Handpuppen, so haben natürlich auch die Hobgoblins keine Chance auf Veränderungen ihrer Mimik. Zudem können sie wie diese nur Mund und Arme bewegen.

Kommt es gar mal zu einem Kampf zwischen den Wesen und einem Menschen, kämpfen die Darsteller mit bewegungslosen Stoffpuppen, was freilich den Partyfaktor des Streifens ungemein erhöht, zumal Schnitt und Kamera nicht einmal versuchen das ganze nicht nach Puppe aussehen zu lassen. Es gibt nur eine Szene im fertigen Film, bei der ich das Gefühl hatte, dass mit einer anderen Art getrickst wurde: die Hobgoblins fahren Auto und machen jeder für sich (verschiedene) Hin und Herbewegungen. Wer schon einmal in der Geisterbahn im Phantasialand oder auf der Kirmes war, der kennt das vielleicht. Motoren steuern Puppen monoton hin und zurück, immer im gleichen Rhythmus, nie mit Abwechslung versehen. Und dementsprechend dämlich sieht das Autofahren der Hobgoblins dann auch aus.

Bei all diesem Untalent ist es nicht verwunderlich, dass der Film auch vor Unlogiken nur so strotzt. Aber Fehler wie folgenden einzubauen, gehört schon zu einem ganz speziellen Talent des Unvermögens: eine Frau möchte einen Wagen anschieben, der aber stur stehen bleibt. Dann gibt es eine Nahaufnahme, in welcher der Wagen rollt. Dann kommt der Retter angefahren, erreicht das Fahrzeug der hilfsbedürftigen Person, und dieses wird wieder versucht anzuschieben ohne das es sich bewegt. Zum Ausgleich gibt es in der selben Szene gleich auch den lustigsten freiwilligen Gag zu sehen, die meisten werden bis dahin ihren Fernseher aber sicherlich ausgeschaltet haben.

Also, wer es unfreiwillig komisch mag, angereichert mit freiwilligem schrägen Humor, der nur selten zündet, kann reinschalten. Der Rest sollte dies tunlichst vermeiden. Da zumindest der schadenfreudige Trash-Fan bedient wird, kann man "Hobgoblins" als gelungener bezeichnen als das Gremlins-Imitat "Die Munchies", der wirklich nicht auszuhalten war. Eigentlich gefällt mir „Hobgoblins“ sogar besser als „Ghoulies 2“ und „Ghoulies 3“, obwohl er hingeschluderter wirkt als diese, und die Vergleichsfilme routiniert unterhaltsam ausgefallen sind. Aber freiwillig erreichter Durchschnitt guckt sich nun mal nicht so spaßig wie missglückter Blödsinn, zumindest wenn er so ausgefallen ist wie im hier vorliegenden Film.


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Kommentare:

  1. Huch, den kenne ich ja gar nicht. Deine Beschreibung liefert auch wohl eine Begründung dafür. Aber reizen würde es mich ja schon. Hm. Ich bin zu leicht beeinflußbar.

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    1. Und wie der reizt! Wer Filme wie "Rabbits" und "Robot Monster" mag, muss halt irgendwann auch mal "Hobgoblins" gucken. Mich persönlich würde ja auch die Fortsetzung aus dem Jahr 2008 (!!!) interessieren, aber die ist (noch) nicht im deutschsprachigen Raum erschienen. Und auf Filme im Originalton ohne Untertitel habe ich schon lange keinen Bock mehr.

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