Sonntag, 3. November 2013

STARTUP (Antitrust 2001 Peter Howitt)


Das junge Computergenie Milo nimmt einen Job bei einem Softwareriesen an und muss feststellen, dass es in der Firma nicht mit rechten Dingen zugeht. Ist der Chef gar in den Todesfall von Milos bestem Freund verwickelt?...


Nicht jede Arbeitsstelle ist erstrebenswert...

„Startup" ist ein spannender Film, ganz klar! Was mir aber außer seiner guten Umsetzung gefallen hat, ist sein mutiges Thema. Ähnlich den Michael Moore-Filmen geht es hier um modernen Wirtschafts-Faschismus. Die Übereinstimmungen von Tim Robbins Rolle zu Bill Gates sind nicht zufällig, dessen Geschäftsmethoden nicht unbekannt. Klar, „Antitrust“(Originaltitel) ist ein Popkornfilm und somit in erster Linie Unterhaltung, aber ich glaube themenernster umgesetzt hätte es ihn gar nicht gegeben. Viel zu sehr wurde bei dieser Art Umsetzung schon riskiert. Ich denke, ähnlich wie im grandiosen Dokumentarfilm "Super Size Me" wird es nicht ganz einfach gewesen sein, dieses Werk überhaupt zu veröffentlichen, geschweige denn fertig zu stellen. Aus all diesen Gründen fand ich es sehr schade, dass jede Review die ich im Netz zu diesem Film lesen durfte, stets so geschrieben war, als ginge es hier lediglich um reine Unterhaltung, um Fiktion und um ein nicht reales Thema das keinen von uns betrifft. Schade, aber diese Lücke ist ja nun mit diesem Text gefüllt.

Der Film selbst ist kurzweilig ausgefallen, lässt sich in der Einführungsphase zwar viel Zeit, wird dabei aber nie langweilig. Die Bedrohung liegt von Anfang an in der Luft, die Grundatmosphäre ist damit stimmig. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen, Robbins spielt mit sichtbarer Freude seine Schurkenrolle. Aber dieser sichtbare Spaß ist meiner Meinung nach sein Markenzeichen, so z.B. auch überaus deutlich zu erkennen in seiner kleinen, überzogenen Rolle in „High Fidelity“.

Das Ende von „Startup“ ist zwar keine Katastrophe, das Thema wäre mit einem anderen Schluss jedoch näher an der Realität orientiert werden, aber das sind wohl die Kompromisse die man machen muss, wenn man eine wichtige Thematik in einen Unterhaltungsfilm packt. Andererseits: ein „Social Network“ hatte diesen Kompromiss auch nicht nötig um zum Blockbuster zu werden. Vielleicht war bei dessen Erscheinen die Zeit auch reifer um solche Themen auf ein Massenpublikum loszulassen.

Ich hoffe für die Zukunft, dass es auch weitere Filme zum Thema Wirtschafts-Faschismus geben wird, so würde mich z.B. mal ein Film interessieren, der die großen Parteien von heute darin entlarvt, wie sie den demokratischen Gedanken immer mehr abbauen und unauffällig eine unfreie Gesellschaft aufbauen. Auf Konzernebene erzählt "Startup" genau das selbe. Interessant war hierbei gerade das Durchleuchten der Firmenpolitik, wenn die von Ryan Phillippe gespielte Figur bei seiner Einstellung darauf getrimmt wird, andere Mitarbeiter anzuschwärzen und zu bespitzeln. Eine Gesellschaft die sich gegenseitig überwacht bis sich keiner mehr traut frei zu handeln, na hoppla, das hatten wir Deutschen doch schon mal auf Landesebene. Warum aus dem einen lernen und es in anderen Lebensbereichen zulassen?


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