Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Samstag, 21. Dezember 2013

DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (Quella villa accanto al cimitero 1981 Lucio Fulci)


Aus beruflichen Gründen zieht eine Familie von der Großstadt in eine kleine. Relativ schnell fühlt sich jeder von ihnen im neuen Haus unwohl. Als die Ehefrau auf eine Gruft innerhalb der Wohnung stößt, will sie endgültig ausziehen. Währenddessen erkundet ihr Ehemann den Keller und die Hintergründe seines beruflichen Vorgängers, der gegen Ende seines Lebens in den Wahnsinn abgedriftet ist...


Auch ohne Vampire für Geiermeier der ideale Wohnort...

Wenn es um die großen Erfolge des Regisseurs Lucio Fulci geht, werden zwar auch immer wieder seine Werke „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ und „Der New York Ripper“ erwähnt, die drei Filme „Ein Zombie hing am Glockenseil“, „Geisterstadt der Zombies“ und „Das Haus an der Friedhofsmauer“ werden jedoch gerne im direkten Zusammenhang zueinander genannt. Da die ersten beiden dieser drei Streifen auf ähnliche Art surreal schräg, aber auch atmosphärisch dicht, erzählt waren, bin ich automatisch davon ausgegangen „Das Haus an der Friedhofsmauer“ sei auch in diesem Stil erzählt. Um so überraschter war ich beim Sichten einen Film vorzufinden, der im Kern zunächst einmal klassisch erzählt ist, auf den ersten Blick sogar geradezu konventionell.

Wir bekommen eine klassische Ausgangslage präsentiert, wie es sie im Bereich des Horrorfilms recht häufig zu sichten gibt: eine Familie zieht um in ein Haus, welches ihnen im Laufe ihres Aufenthalts nicht ganz geheuer ist. Im Gegensatz zu den wirr erzählten Vergleichsfilmen Fulcis folgt der Regisseur hier einem deutlich erkennbaren roten Faden innerhalb der Erzählung, der sich sogar an den typischen Verlauf dessen hält wann eine Geschichte geradezu typisch ruhigere Geschütze auffährt, wann sie es krachen lässt und wann der Höhepunkt der Ereignisse zu erfolgen hat.

Dass sich „Quella villa accanto al cimitero“ (Originaltitel) trotzdem nicht wie der kleine Mainstream-Grusler aus der Masse guckt, ist u.a. Fulcis Unvermögen als Regisseur zuzuschreiben. Trotz der übersichtlichen Handlung verliert er schnell den Überblick, beendet manch angefangenen Erzählstrang nicht, oder lässt manch anderen zu spät, ja geradezu den Zuschauer überrumpelnd sinnlos einsetzen, so z.B. die finale Erkenntnis des Forschers die Hintergründe der sonderbaren Geschehnisse betreffend.

Dieser Kritikpunkt soll jetzt aber nicht heißen, dass Fulci über kein Talent verfügen würde, dies besitzt er durchaus. Aber die Vorzüge seiner Arbeiten bessern lediglich das Unvermögen auf der anderen Seite aus. Schöner wäre es freilich für den Zuschauer, wenn der gute Mann beides beherrscht hätte, sowohl die typischen Grundlagen einer guten Regie, als auch die eher bizarren Vorzüge, die Fulci seinem Publikum so oft zu schenken weiß.

Was „Das Haus an der Friedhofsmauer“ mit „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Geisterstadt der Zombies“ gemein hat, ist die dauerhaft aufrechterhaltende dichte Atmosphäre, die Fulci wie aus dem Nichts zu schaffen scheint. Da passiert in manchen Szenen nicht wirklich etwas, Effekte wirken aufgesetzt und/oder Darsteller spielen routiniert, und doch besitzt eine solche Szene ein atmosphärisches Hoch, sicherlich auch beeinflusst durch den stimmigen, monotonen, dumpfen Soundtrack, der bei jeglicher Szene wie die Faust aufs Auge passt, aber eben auch wegen Fulcis Gespür schlichte Komponenten gekonnt ineinander greifen zu lassen, die stimmige Atmosphäre, ob nun in spannungsgeladenen Szenen oder in gemütlichen, konstant oben zu lassen und trotz künstlerischem Bemühen doch scheinbar immer zu wissen, dass man sich im Schundbereich befindet. Dieser Schund wird jedoch ernst genug genommen, um ihn innerhalb der Geschichte konsequent zu verfolgen und sich entfalten zu lassen. Der Grundton des Films sorgt dafür, dass daraus kein unfreiwillig komisches Etwas entsteht.

Das gibt dem Streifen etwas ehrliches, und damit weiß er trotz kleinerer Makel zu funktionieren. Diese stören den Zuschauer nicht wirklich, taucht der doch in einen Filmstil ein, der eben keine Massenware ist, und dafür nimmt man Mankos in Kauf, die für diese Art Schund-Kunst gar nicht mehr Manko sind. Dass diese Rezeptur ideal für ein surreales Werk ist, liegt auf der Hand. Dass Fulci mit diesen Stärken jedoch auch innerhalb einer grundlegend konventionellen Erzählung die typischen Fehler seiner Regiekunst mit links überspielen kann, das darf verwundern, hätte ich ihm diesen Zaubertrick doch ehrlich gesagt gar nicht zugetraut. Da habe ich den Regisseur aber mal ganz gewaltig unterschätzt. Was gibt es besseres, als auf diese Art, sprich durch das Gucken eines so wundervollen Filmes wie „Das Haus an der Friedhofsmauer“, eines besseren belehrt zu werden? Danke Fulci für diesen stimmigen Genre-Beitrag!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen