Dienstag, 18. Februar 2014

DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL (La bestia uccide a sangue freddo 1971 Fernando Di Leo)


In einer Nervenheilanstalt für Frauen treibt ein Triebtäter sein mörderisches Unwesen...


Die Mörderklinik...

1971 war das Jahr der Zusammenkunft von Erotik und Gewalt im italienischen Kino, eine Mischung die dort noch lange Zeit beliebt bleiben sollte. Parallel zu „Die Grotte der vergessenen Leichen“ erschien im besagten Jahr „Das Schloss der blauen Vögel“, der in Deutschland auch unter dem Titel „Der Triebmörder“ erschienen ist, ein durchaus provozierender Titel, erst recht für diejenigen, die den Film bereits kennen.

Viele kennen ihn nicht gerade, und die vielen die es nicht tun haben auch nicht wirklich etwas verpasst. Zwar ist „Das kaltblütige Tier“ (Alternativtitel) hübsch fotografiert und weiß eine Zeit lang auch auf schmuddelige Art zu gefallen, mit der Zeit merkt man jedoch, dass Regisseur Di Leo nur auf wenig hinaus möchte. Zwar gibt es überraschende Wendungen, aber an sich dümpelt der Film nur seicht vor sich hin ohne wirklich etwas erzählen zu wollen. Di Leo fängt jeden Moment für sich ein, dies auch recht stimmig, aber fast bekommt man das Gefühl der Triebtäter ginge nur einer inhaltlichen Pflicht wegen um. Man bekommt den Eindruck Di Leo hätte ihn am liebsten weggelassen und stattdessen das belanglose Treiben in der Klinik zum Zentrum gemacht.

Der Regisseur, dessen Arbeiten so bemerkenswert auffällige deutsche Titel tragen wie „Die Unbefriedigte“, „Mafiaboss - Sie töten wie Schakale“, „Ich polier‘ dir deine Glatze“ „Söldner Attack", „Sex In The Head" und „Oben ohne, unten Jeans“, konzentriert sich im hier besprochenen Erotik-Thriller ohnehin viel lieber auf den erotischen Aspekt anstatt auf den des Thrills. Wegen dieser Vernachlässigung wird „Hotel Erotica“ (Alternativtitel) auch nie zum Horrorfilm, sondern bleibt brav im Bereich des Thrillers hängen, gegen Ende sogar absteigend in den Bereich des Kriminalfilms. Aufregend sind allerdings beide Aspekte nicht wirklich, und das Hauptaugenmerk der Erotik übrigens auch nicht.

Die Sittenwächter werden sicherlich schockiert darüber sein, dass es auch mal Großaufnahmen von Vaginas zu sehen gibt an denen auch noch herumgespielt wird. An sich fallen die Sexszenen jedoch recht soft aus, sind mit der üblichen Musik der 70er Jahre Erotikfilme untermalt (was aber eigentlich recht nett klingt), und die amourösen Situationen baden geradezu im Klischee typischer Erotikfilm-Momente. Natürlich kann kaum wer von irgendwem die Finger lassen, Frauen entkleiden sich ständig und schlafen natürlich auch alle nackt, und jeder Verführte, egal ob Frau oder Mann, lässt es auch geschehen.

Fernando Di Leo war wohl ein alter Steltzbock, wie so viele seiner Kollegen, man denke nur einmal an den Regisseur von „Torso“, der jeden Mann als sabbernden notgeilen Typen darstellte, sobald auch nur ein Hauch Bein bei einer Frau zu sehen ist. Aber in dieser trivialen Ehrlichkeit liegt eigentlich auch der Reiz an einem Film wie „Das Schloss der blauen Vögel“. Der Film hüpft von einem erotischen Schmuddelszenario zum nächsten, wird ab und an durch recht harmlos dargestelle Morde unterbrochen und dann darf die monotone Story an anderer Stelle wieder fummelnd weitergehen. Empfehlen kann man das keinem wirklich, am wenigsten noch den Cineasten, die sich einen waschechten Giallo erhofften. Am richtigen Tag ist dies jedoch genau die richtige Dosis Schund die man zur Abwechslung als unvoreingenommener Film-Fan ruhig mal vertragen kann.

Kinski spielt zu seiner optischen Bestzeit mit. Ich finde seine Wirkung mit den langen blonden Haaren einfach wunderbar psychotisch. Selbstverständlich erwartet man ihn als den finalen Mörder, zumal der Täter von der Größe und vom Haar her passen würde. Ob er es wirklich ist sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten, ist die Antwort auf diese Frage doch der einzige Motor, der ein Interesse am belanglosen Treiben überhaupt noch am laufen hält. Aber so trivial, banal, plump und unfreiwillig komisch das ganze Miteinander der einzelnen Figuren auch sein mag, dank einer stimmigen Umsetzung, netten Fotografien und einem zum Geschehen passenden Soundtrack macht „Slaughter Hotel“ (Alternativtitel) irgendwie unter Niveau Spaß. Zumindest eine Zeit lang, auf Dauer wurde er mir dann auch etwas zu öde.

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