Montag, 17. November 2014

COCKNEYS VS ZOMBIES (2012 Matthias Hoene)


Die Brüder Terry und Andy stellen nach einem Überfall auf eine Bank fest, dass die komplette Stadt während ihrer Geiselsituation von blutrünstigen Zombies eingenommen wurde. So schnell wie möglich wollen sie zum Altenheim gelangen, um ihrem Opa aus der Stadt raus zu helfen. Aber der Weg dahin ist gar nicht so leicht zu erreichen wie erwartet. Erstaunlicher Weise wissen sich die Rentner im Heim allein ganz gut zu helfen...


Opa macht das schon...

Schnell nach Erscheinen von „Cockneys vs. Zombies“ wurden Stimmen laut, welche die britische Horror-Komödie mit „Shaun of the Dead“ gleichsetzten und den Film somit zum Hoffnungsschimmer inmitten dem Zombieeinerlei hochpriesen. Zugegeben: der Markt um lustige und unlustige Zombiefilme ist übersättigt, und da tut jeder Funke Innovation gut, dementsprechend hebt sich „Cockneys vs Zombies“ tatsächlich ein klein wenig aus der immergleichen Masse heraus. Die Raffinesse, das perfekte Timing und die Intelligenz eines „Shaun of the Dead“ besitzt der Streifen jedoch genauso wenig wie dessen Gagdichte.

Der Witz geht nicht so tief wie im Vergleichsfilm, ist eher auf Hau-drauf-Komik getrimmt, wie das was heutzutage üblicherweise im Bereich der harten Horror-Komödien herausgebracht wird. Und nur selten weiß Matthias Hoenes Film wirklich eigene Ideen hervorzubringen. Die schönste dürfte wohl jene sein, in welcher Zombie-Hooligans verfeindeter Vereine ihrem Instinkt nach lieber gegeneinander losgehen anstatt gegen die Lebenden. Das ist jedoch nicht der kultigste Gag des Streifens. Der ist leider ein aus einem der „OSS 117"-Parodien geklauter. Während sich dort zwei Schwerverletzte die langsamste Verfolgungsjagd der Welt lieferten, ist es hier ein Rentner mit Gehilfe, der von einem schlurfenden Zombie höchst langsam verfolgt wird, freilich mit actionreicher Musik untermalt wie für eine Verfolgungsjagd üblich.

Immerhin zeigt dieses Beispiel, dass „Cockneys vs Zombies“ zumindest auf die klassischen Kreaturen des Genres baut. Und da sprechen wir nicht nur von den langsam schleichenden Untoten, es ist diesmal auch kein Virus der um sich greift, so wie es eigentlich die moderne Pflicht des heutigen Sub-Genres um Zombies vorsieht. Zwar entsteigen unsere Untote nicht klassisch dem Grab wie im wundervollen „Return Of The Living Dead“ (der einzigen Zombie-Komödie gegen die selbst der kultige „Shaun of the Dead“ abstinkt), aber der erste lauert in einem alten, auf einer Baustelle neu entdeckten Grab, welches zwei Bauarbeiter erkunden und dabei einem optisch herrlich veralteten Zombie begegnen, der fast schon an den vermoderten Ur-Zombie aus besagtem Dan O‘Bannon-Klassiker erinnert.

Der bleibt ein Unikum, danach sehen Zombies so aus, wie sie es in guten modernen Produktionen immer tun, aber das ist auch vollkommen okay, wissen sie doch zu gefallen. Auch ihr blutiges Treiben macht Spaß. Zwar sind einige Tricks dem Computer entsprungen, was dann auch ziemlich billig aussieht, glücklicher Weise wurde parallel dazu aber auch auf handgemachte Tricks gesetzt. Das weiß zu splattern und zu gefallen ohne es dabei gleich zu übertreiben. Die Anzahl der perversen Blutideen bleibt übersichtlich, einen zweiten „Braindead“ hat man nicht anvisiert. Das tut dem Ergebnis sichtlich gut.

Weniger interessant sind die menschlichen Charaktere ausgefallen, die alle auf massentaugliche Komik und Coolness getrimmt sind und den Zuschauer lange Zeit zu distanziert das Geschehen erleben lassen. Es dauert bis der Funke überspringt und aus „Cockneys vs. Zombies“ ein funktionierender Film wird. Und selbst wenn dies endlich passiert, ist der Streifen nicht die Creme de la Creme seines Genres. Die Geschichte verläuft geradezu typisch, und auch in der Entwicklung der Charaktere gibt es keine Überraschungen zu verzeichnen. Aber Regisseur Hoene schafft es immerhin das monotone Treiben im Finale, in dem endlos auf Zombies geschossen wird, unterhaltsam umzusetzen. Wo andere Filme diesbezüglich langweilen, weiß Hoene das schon oftmals Gesehene kurzweilig und interessant umzusetzen. Warum dieses Talent nicht schon zu Beginn aufgeblitzt ist, wo es dringend nötig gewesen wäre, bleibt ein Rätsel.

Also, „Cockneys vs. Zombies“ benötigt seine Zeit um in die Gänge zu kommen und um mit den Figuren endlich mitfiebern zu können, aber nach einiger Zeit des Leerlaufs und wenn man als Zuschauer erst einmal begriffen hat dass der Film keineswegs zur Sternstunde seines Genres werden wird, wird es immerhin amüsant genug, um bis zum Schluss dran zu bleiben. Meiner Meinung nach hätte man aus der Rentner gegen Zombies-Idee mehr herausholen können, bzw. den Fokus viel mehr auf die Greisen anstatt auf die Bankräuber legen sollen. Aber allein das zeigt schon, wie sehr diese Horror-Komödie auf Nummer Sicher setzt und schon deshalb niemals ein „Shaun of the Dead“ sein kann.


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