Sonntag, 15. März 2015

NACHTS, WENN DAS SKELETT ERWACHT (The Creeping Flesh 1973 Freddie Francis)


Ein Wissenschaftler bringt von einer Expedition ein erstaunlich altes und überraschend großes menschenähnliches Skelett mit nach Hause. In Berührung mit Wasser kann es seinen Körper regenerieren. Anhand alter Bücher glaubt der Forscher durch ein vom Gewebe des Toten gewonnenem Elixiers das Böse im Menschen bekämpfen zu können. Deswegen spritzt er das Serum seiner Tochter, da er schon immer Angst hatte der Wahnsinn, der ihre Mutter ins Irrenhaus führte, könnte auch sie heimsuchen. Leider wirkt das Mittel nicht wie erhofft. Und auch das Skelett lässt sich nicht ewig vom Wasser fernhalten...


Der Wassermann...

Ein Jahr bevor Regisseur Freddie Francis den recht bodenständigen Horrorfilm „Craze - Dämon des Grauens“ ablieferte, drehte er mit „Nachts, wenn das Skelett erwacht“ einen Film gleichen Genres, der schon einer wesentlich abgedrehteren Idee nachgeht. Auch der mit Peter Cushing und Christopher Lee so hervorragend besetzte Film ist bodenständig erzählt, ist er doch eingetaucht in eine Inszenierung wie sie auch in den 50er und 60er Jahren von den Hammer-Studios hätte umgesetzt werden können. Im 19. Jahrhundert spielend zwischen Gottes Erfurcht und der Neugierde der Wissenschaft pendelnd, das ganze Szenario freilich eingetaucht in historischen Settings und glaubwürdigen Kostümen, man traut dem Film bei all dem klassischen Flair gar nicht zu, dass seine Geschichte so ausgeflippt ist.

Doch egal wie krank sich die Geschichte entwickelt, und wie idiotisch die Ideen werden, „The Creeping Flesh“ (Originaltitel) hält stets sein Niveau und kommt stilistisch nie vom Weg ab. Damit bleibt er der Linie treu für welche die Werke seiner Hauptdarsteller schon immer standen. Inhaltlich geht es jedoch nicht nur in Sachen Nonsens ungewohnt her, auch das Weltbild das der Film entwickelt ist ungewöhnlich zu nennen, ist es doch geradezu eine Provokation dass inmitten einer Geschichte, in welcher ein Forscher versucht das Böse zu bekämpfen, eigentlich nirgendwo eine echte Trennung von Gut und Böse zu erkennen ist. Stets ist beides gleichzeitig vorhanden. Ein ausgebrochener Irrer darf zum Opfer werden, Wissenschaftler werden zu Gesetzesbrechern wenn es um ihre Arbeit geht, Normale werden verrückt gemacht, der Irrsinn greift überall um sich, auch im scheinbar Normalen.

Das ist alles kein Zufall. Hier wird absichtlich Gesellschaftskritik geübt, und dies nicht auf die aufdringliche Art, sondern trotz zentraler Stellungnahme eigentlich fast nur nebenher passierend. Im Zentrum soll für den Zuschauer der Horror-Spaß liegen, der Tiefsinn wird lediglich als Zugabe gereicht für jene, die es interessiert und dies überhaupt bemerken.

Während der Streifen tricktechnisch alles gibt, aber mittels langem Hinhalten auch recht wenig Spezialeffekte benötigt, leidet die Inszenierung selbst unter einer gewissen Trägheit, was kaum zu glauben ist, so wild wie hier verschiedene Handlungsstränge ineinander verwoben werden und so intensiv wie hier auf das geistige Mitspielen verrückter Ideen beim Zuschauer gebaut wird. Obwohl „Die Auferstehung des Grauens“ (Alternativtitel) inhaltlich nie einem Stillstand erliegt kommt der Film selbst manchmal träger von der Stelle als er eigentlich könnte. Nicht falsch verstehen, Francis‘ Werk ist durchaus unterhaltsam ausgefallen, aber nie interessant genug inszeniert, als dass er die Aufmerksamkeit des Zuschauers derart kitzeln würde, dass er zum großen Filmerlebnis wird.

„Nachts, wenn das Skelett erwacht“ bleibt entgegen dem was er erreichen könnte lediglich ein kleiner Horrorbeitrag, einer dem man durchaus mal Aufmerksamkeit schenken kann, gerade wenn man sich für die Werke der beiden hier agierenden Stars interessiert. Was es genau ist, was den Film hemmt, kann ich gar nicht so genau ausmachen. Er endet interessant mit der Möglichkeit den Zuschauer weiter fantasierend zurück zu lassen, er bietet eine ungewöhnliche Geschichte mit mehreren Handlungssträngen, und er ist optisch wie stilistisch über dem Durchschnitt angelegt. Und doch legt sich eine Schwere über dieses Werk, die ihm seiner möglichen Wirkung beraubt. Manche Filme sind wahrlich rätselhaft.


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