Sonntag, 8. März 2015

SUSPIRIA (1977 Dario Argento)


Die Amerikanerin Suzy geht neu auf eine Tanzschule in München und stößt dort auf ein düsteres Geheimnis...


Das fieseste Schnarchen der Welt...

„Suspiria“ ist ein Film den man erleben muss, sprich den man auf sich wirken lassen muss. Wer zu verkopft an Dario Argentos Meisterwerk herangeht wird genug entdecken was unsinnig ist, widersprüchlich oder holprig inszeniert. Gibt man sich aber dem visuellen und auditiven Rausch hin, den der Regisseur entfacht, gibt es kein Halten mehr. Dann muss man „Suspiria“ einfach lieben, einen Kunstfilm, der zwar auch die nach Blut gierenden Gorehounds zu bedienen weiß, aber eben doch nicht nur ein oller Genre-Beitrag des Horrorbereichs ist.

Die Farbspielereien, das regelrechte Zelebrieren der wichtigsten Szenen, der ungewöhnliche Einsatz der von der Band Goblin komponierten Musik (oftmals zum Spannungsaufbau eingebracht und genau dann pausierend, wenn eine Szene ihren Punkt erreicht an dem wirklich etwas passiert), der inhaltliche Terror den man in der ersten Stunde nicht wirklich eingeordnet bekommt und mittendrin das Herumstolzieren der zurückhaltenden Suzy, zuckersüß verkörpert von Jessica Harper („Das Phantom im Paradies“, „Shock Treatment“). Suzy ist eine Heldin zu der man allein inmitten einer kalten und ungewöhnlichen Welt als Zuschauer automatisch eine Bindung aufbauen muss. An sie gebunden durchlebt man ein Filmerlebnis, das für sich alleine steht, ein Werk wie es dies kein zweites Mal gibt, ein Original das man aufgrund seines der Kunst wegen minimal gehaltenen Inhalts entweder liebt oder sich umgekehrt angeödet von ihm abwendet.

Ach, was wird gerne über das Finale geklagt, über den recht plötzlichen Schluss, geäußert von Zuschauern die ihn scheinbar nicht verstanden haben. Ein konsequenter Schluss, der allein schon deshalb nicht hätte zelebriert werden müssen, weil es für den Zuschauer und die Heldin nichts zu entladen gibt das dringend raus müsste. „Suspiria“ ist ein Erlebnis und benötigt keinen Paukenschlag am Schluss, ist er von seiner Terrorwirkung her doch ein fortlaufender Paukenschlag, sich in den letzten 20 Minuten noch mal hochschaukelnder denn je, auch wenn dies kaum möglich scheint.

Inmitten einer liebevollen und absichtlich künstlichen Umsetzung (allein das typische unecht wirkende Argento-Blut und der verkrampfte Dialog während des Rauswurfs des Blinden), in welcher prachtvolle Gebäude und Plätze ebenso im Zentrum stehen wie die in ihnen agierenden Figuren, wäre es eigentlich nicht nötig gewesen „Suspiria“ so blutig zu gestalten wie geschehen. Der Messerstich in ein pulsierendes Herz wirkt wie ein Fremdkörper im fertigen Film, stört den Fluss der sonst so konsequent eingehalten wird. Dies und manch ruckartig unterbrochener Song wackeln ein wenig am Gesamtbild, aber das ist Nörgeln auf hohem Niveau in einem ansonsten rundum geglückten Stück individuellem Horror, das selbst dann aufgeregt erzählt ist und zu packen weiß, wenn gar nichts passiert. „Suspiria" muss man als Filminteressierter gesehen haben!


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