Samstag, 20. Juni 2015

MESSIAS DES BÖSEN (Messiah of Evil 1973 Willard Huyck u.a.)


Obwohl ihr Vater sie im letzten Brief darum bat ihn nicht aufzusuchen, reist eine junge Frau in die kleine Küstenstadt, in welche ihr Vater einige Jahre zuvor gezogen ist. Sie sucht nach ihm, nachdem selbst der Briefkontakt abgebrochen ist. Weder in seiner Wohnung noch anderswo im Ort ist er aufzufinden. Und die Bewohner der ungemütlichen Stadt benehmen sich eigenartig. Auch merkwürdige Tagebucheinträge des Herrn Papa werfen eher Rätsel auf anstatt zu Antworten zu führen...


Die Stadt der Fleischfresser...

Seinerzeit wurde „Messias des Bösen“ von der Kritik geschmäht, heute gilt er unter Filmfreunden als sehenswertes Stück Kunst. Wie man auf einen solch liebevoll umgesetzten Streifen, der aus seinem kleinen Budget so viel herauszuholen weiß, herumtreten kann verstehe ich auch nicht, aber man muss aus „Messiah of Evil“ (Originaltitel) auch nicht mehr machen als er ist, ist er doch nur ein halbfertiges Stück Film, welches gegen Ende irgendwie zusammengeflickt wurde, um einen fertigen Streifen vorzugaukeln. In Wirklichkeit ging den Produzenten kurz vor Schluss das Geld aus, weswegen das Werk auch erst einige Jahre nach „Ferigstellung“ veröffentlicht wurde.

Eine Auflösung der im Film gestellten Rätsel gibt es nicht. Andeutungen werden gemacht. Und vielerorts heißt es, der Zufall, dass das unfertige Ende so skurril wirkt, würde dem Werk der Regisseure Willard Huyck und Gloria Katz gut tun, da es zur Restinszenierung passen würde. Ich sehe das anders. Zwar entfachen die Gemälde im Haus des Vaters und die sehr langsame Erzählform teilweise eine grandios hypnotische Wirkung, an anderer Stelle wirkt Letztgenanntes jedoch zu zäh, und die dichte Atmosphäre leidet am Stillstand. Zu diesem kommt es nie vollends, da der Film immer wieder tolle Momente, manchmal sogar nur wunderbare Aufnahmen, als Überraschung aus dem Hut zaubert, aber dieses ständige auf die Bremse treten stört dann doch etwas zu sehr, um „Blood Bastards“ (Alternativtitel) über den grünen Klee zu loben.

Trotzdem sollte man nicht zu sehr über „The Second Coming“ (Alternativtitel) schimpfen, denn er ist wie bereits erwähnt in seiner künstlerichen und hypnotischen Art sympathisch umgesetzt, und das Mysterium des Ortes weiß auch die Gedanken des Zuschauers zu stimmulieren, fragt man sich doch gemeinsam mit der Protagonistin, was das Geheimnis der kleinen Küstenstadt ist. Erleben wir einen Satanskult? Wurde an den Bewohnern herumgedoktort, wie es in „Tot und begraben“ der Fall war, der inhaltlich einige Parallelen zu „Messias des Bösen“ aufweist?

Die Regisseure vertrauen auf diesen Schwebezustand zwischen verwirrtem Geist aufgrund der Bild- und Tonwirkung und dem Neugierde weckenden aktiven Geisteszustand des Zuschauers. Wie bereits erwähnt etwas zu sehr, und mit einem offenen Schluss enttäuschend, aber immerhin verzeiht man dem Werk so einiges, allein schon für die zwei hervorhebenswerten Szenen des Streifens. Das wäre zum einen die Supermarkt-Szene und zum anderen die Hitchcock-Verbeugung, wenn ein Kinobesuch absichtliche Parallelen zu „Die Vögel“ aufbaut und damit ein ähnlich unheilvolles Szenario kreiert wie der Meister des klassischen Thrills.

Meiner Meinung ist die Kinosequenz auch gleich die unheimlichste des kompletten Filmes, ist das Gesamtwerk doch eher wenig unheimlich ausgefallen. Rätselhaft und ominös passt, surreal auch, und hin und wieder kribbelt es vor Spannung, aber wahrlich gruselig fällt „Dead People“ (Alternativtitel) in seiner nüchternen Art eher nicht aus. Es ist ein verkopfter Film, der den Geist des Zuschauers vernebeln möchte. Wie intensiv dieser Ansatz zu wirken weiß wird von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich sein. Damit ist die psychologische Grundlage auf welcher dieser Genre-Beitrag aufbaut durchaus vergleichbar mit dem Gruselbereich, der auf ein ebenfalls unterschiedlich sensibles Publikum stößt.

Sollte „Messias des Bösen“ seine Wirkung bei manchem Zuschauer nicht entfachen, so sollte er zumindest noch theoretisch funktionieren, ist seine ruhige Art und seine Bildkomposition doch respektabel ausgefallen, erst recht wenn man das niedrige Budget im Hinterkopf hat. Nörgler sollten also mal lieber etwas genauer hinschauen was hier geleistet wurde. Aber die künstlerich wertvolle Umsetzung kann nicht alles entschuldigen. Dass „Deep Swamp“ (Alternativtitel) ein unfertiger Film ist und zu oft auf der Stelle tritt, sind unschöne Teilbereiche eines ansonsten liebevoll gefertigten Herzensprojektes.


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