Samstag, 19. September 2015

NIGHT OF THE BLOOD BEAST (1958 Bernard L. Kowalski)


Ein Astronaut stürzt auf die Erde und müsste laut ärztlichen Untersuchungen eigentlich tot sein, aber er wacht überraschender Weise auf. Er hat etwas aus dem Weltall mitgebracht, und ein Teil davon läuft in der näheren Umgebung umher und erschreckt die Leute. Als es zu einem ersten Toten kommt, nehmen die Wissenschaftler den Kampf mit dem Alien auf...


Der Körpervereinigung abgeneigt...

„Night of the Blood Beast“ ist ein schrulliger, kleiner Science Fiction-Horror aus den 50er Jahren, der auf der einen Seite so ziemlich jedem Klischee dieser Art Produktionen seiner Zeit entspricht, auf der anderen Seite jedoch auch eine sehr eigenständige Geschichte erzählt, die einige Ideen enthält, die für seine Zeit zu überraschen wissen. Der Film an dem drei Cormans beteiligt waren, wobei der berühmteste von ihnen, Roger Corman, freilich die Produktion übernahm, nimmt mit der Thematik eines Menschen als Wirt für die außerirdische Brut bereits eine der wichtigen Ideen von „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ voraus. In der Frage ob die Kreatur eine Bedrohung ist, begibt sich „The Monster from Galaxy 27“ (Arbeitstitel) sogar auf ein mutiges Terrain.

Letztendlich bleibt es am Ende Interpretationssache ob der Außerirdische gute oder böse Absichten hatte. Zwar manipuliert er den Astronauten und schleicht immer neugierig umher, aber er präsentiert sich dem Rest der Truppe gegenüber als Erretter der Menschheit, was die Aliens in den diversen „Invasion of the Body Snatchers“-Filmen in ihrer Bösartigkeit allerdings auch so gesehen haben. Und so bleibt die merkwürdige Form unter welcher die Kreatur hier die Errettung der Menschheit versteht doch als lebenswürdige Form des Weiterlebens zu diskutieren. Zudem könnte sie auch nur ein Trick sein um mit Hilfe einer Fremdspezies die eigene zu retten. Schön dass die Protagonisten des Streifens die Frage ob sie richtig oder falsch gehandelt haben, bzw. ob der Außerirdische gelogen hat oder nicht, sich am Ende selbst stellen und damit kein so klares Helden-Ende präsentiert wird, wie es in Produktionen dieser Art damals üblich war.

Auch der Härtegrad ist für einen Film dieser Zeit nicht ohne, zumindest was das theoretisch Angesprochene betrifft. Gezeigt wird nichts, härtere Momente werden lediglich durch Schattenaufnahmen dargestellt, aber allein dass der Schädel des Toten nur noch zur Hälfte besteht ist in seiner Vorstellung schon ein widerlicher Gedanke, der das in Sachen Härtegrad nicht gerade verwöhnte Publikum von einst sicherlich geschockt haben dürfte.

Was „Night of the Blood Creature" jedoch seinen wahren Sympathiegehalt beschert ist der wunderbar naiv-skurrile Mix aus völlig blödsinnigen wissenschaftlichen Erklärungen und echtem rationalen Denken innerhalb der Gruppe. Während man in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen allerhand Fehlinformationen, Fantastereien und Idiotien ertragen muss, tut es gut zu sehen, dass wir eine Gruppe Menschen durch den Film begleiten, die ihre Situation logisch überdenken und auch über mögliche Folgen geplanter Aktionen diskutieren. Auch über die Frage ob der Astronaut fremdgelenkt ist, obwohl er sich nicht so fühlt, wird ausreichend diskutiert. Kann man ihm trauen? Letztendlich traut er nicht einmal sich selbst. Da bietet das Drehbuch für seine Zeit für einen Genre-Bereich der damals nie sehr ernst genommen wurde doch einige Überraschungen mit Potential, die es zwar nie zu wahrem Tiefgang schaffen, aber doch nicht geistlos aufgegriffen werden.

Zu den Sympathiepunkten eines solchen nah am Trash-Bereich orientierten Streifens zählt natürlich auch die Kreatur, und die pendelt zwischen einfallslos und interessant hin und her, ist sie doch eigentlich nur ein klumpiges Etwas, was wie typisch für Geschichten dieser Art mit einem Menschen im Kostüm umgesetzt wurde, andererseits besitzt das Aussehen des Außerirdischen aber auch eine Andeutung an eine vogelartige Gattung, und das beschert ihr optisch einen Reiz, der auch beim x-ten Blick auf das fremde Wesen nicht vergeht. Auch weitere Spezialeffekte laden zum Schmunzeln ein. Ein Blick auf die Blutkörperchen stellt hierbei den Höhepunkt an unfreiwilliger Komik dar, aber auch der Blick auf die Brut des Aliens im Bauch des Astronauten weiß in seiner naiven Art optisch zu gefallen, wird jedoch durch jene Idiotie überschattet, mit der es überhaupt möglich ist einen Blick auf die Ungeborenen zu werfen.

Zwar wurde „Night of the Blood Beast“ mit „Das Grauen kam um Mitternacht“ eine deutsche Vertonung und Veröffentlichung beschert, dabei handelt es sich aber nicht wirklich um den hier vorliegenden Film, ist der Streifen mit besagtem deutschem Titel doch ein Zusammenschnitt aus dem hier besprochenen Alien-Streifen und aus „Attack of the Giant Leeches“, der es in seiner Originalversion ebenfalls nie nach Deutschland geschafft hat. Glücklicher Weise ist auf der DVD zu „Das Grauen kam um Mitternacht“ jedoch die Möglichkeit gegeben sowohl das Fake-Werk, als auch den richtigen amerikanischen Film mit deutschem Untertitel zu sichten, und so habe ich mich selbstverständlich für den Originalfilm entschieden anstatt für einen Streifen der in Wirklichkeit keiner ist. Die Trennung dieser beiden Werke ist für Interessierte also unbedingt zu beachten.

Zumindest hat Regisseur Kowalski (der anbei auch für besagten „Attack of the Giant Leeches“ verantwortlich war) unter der Fuchtel von Vielfilmer Roger Corman ein sympathisches und innovatives Stück Science Fiction-Horror auf die Beine gestellt, das ich Freunden der 50er Jahre-Kost definitiv empfehlen kann. Sein naiver Charme gepaart mit einfallsreichen Ideen macht ihn zu einem geglückten, aber auch schwer einzuordnendem Stück Film. Sicherlich ist „The Creature from Galaxie 27“ (Alternativtitel) ganz deutlich ein Trash-Film, aber er bietet auch so einige Komponenten, die über reine unfreiwillige Komik hinaus gehen. Einen Platz in meinem Cineastenherzen hat er sich jedenfalls mit seiner sympathischen und kurzweiligen Art verdienter Maßen ergattert.


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