Mittwoch, 16. September 2015

DER WÜSTENPLANET (Dune 1984 David Lynch)


Der Prinz eines ehemaligen Königreiches lebt im Untergrund auf dem Wüstenplanet, der einzige Planet im Weltall auf dem es das für die Raumfahrt so wichtige Spice gibt. Zusammen mit den Ureinwohnern bereitet er eine Rebellion vor, welche den Imperator des Universums zu fairem Handel zwingen soll. Laut einer Legende ist es vorhergesagt dass ein Auserwählter kommt, der besagtes Szenario vorwärts bringt. Aber ist der Prinz tatsächlich eben jener Auserwählter?...


Der Beherrscher der Würmer...

Es ist gar nicht so leicht über Lynchs „Der Wüstenplanet“ zu schreiben, den ich in der 130 minütigen Kinoversion geguckt habe anstatt in der parallel existierenden drei stündigen TV-Version, die ebenfalls auf meiner DVD enthalten ist. Von daher kann ich nichts darüber sagen, ob das letzte Drittel in der Langfassung ebenso gehetzt erzählt wird, nachdem der Hauptteil der Geschichte in aller Seelenruhe mit Liebe zu wichtigen und unwichtigen Details umgesetzt wurde. Wie auch immer: das Ergebnis der Kinoversion schaut sich wie ein Kampf des Kunst-liebenden Lynchs gegen Mainstream-liebende Produzenten, denn auch wenn der Streifen wahrlich nichts fürs Massenpublikum ist, so ist es doch interessant zu beobachten, wie die Modewelle der frühen 80er Jahre Einzug ins Endprodukt hält und billigste Stereotype durch eine teilweise recht plumpe Rebellen-Story stampfen.

Dem gegenüber stehen skurrile, teilweise gar richtig groteske Gestalten und Situationen, die „Dune - Der Wüstenplanet“ (Alternativtitel) wahrlich zu etwas eigenem machen, versehen mit recht experimentellen Spezialeffekten, die sich zwar heute stark veraltet schauen, damals aber sicher faszinierend anzusehen waren. Am erstaunlichsten fand ich die Szenen rund um den verwöhnten und von Hautkrankheiten entstellten Baron, ein Fiesling wie ihn das Kino in dieser Extreme und Comicartigkeit viel zu selten hervor bringt, voller Spielfreude interpretiert und einem Ekel und Freude zugleich bereitend, während seine Art zu regieren einem das Gefühl einer wirklich fremden Welt gibt.

Auch hier schaut sich „Dune“ (Originaltitel) sehr wackelig. Teilweise wirken die Mentalitäten und Rituale so stark befremdlich wie es heutige Kinoproduktionen kaum noch hin bekommen, sprich dass sie tatsächlich fern der uns bekannten Kulturen angesetzt sind. Manchmal streifen jedoch Modefigürchen durchs Bild, die uns wieder all zu deutlich machen aus welchem Land der Film stammt und wie dünn die Geschichte trotz aller Ablenkung dann doch ausgefallen ist.

Ich weiß wie negativ sich das liest, aber irgendwie hat es bei mir die Faszination für diesen Streifen verstärkt. Das Interesse des aus Talent und Geld wild zusammengewürfelten Ergebnisses schwappt zwar häufig eher in eine theoretische Faszination über, letztendlich ist der Film aber interessant genug erzählt, dass er auch auf der Unterhaltungsebene zu gefallen weiß, auch wenn er sich mit seiner arg plumpen Heldenstory zwischendurch immer wieder ein wenig ausbremst. Stets hat man das Gefühl, dass da mehr möglich gewesen wäre. Und da man weiß wie außergewöhnlich Lynchs Werke im allgemeinen ausfallen, ob man sie jetzt mag oder nicht, kann man wohl wirklich von einmischenden Produzenten ausgehen bei solch holpriger Umsetzung, die immer ein wenig orientierungslos zwischen phantastisch und gewöhnlich hin und her springt.

Ich glaube ich mag „Der Wüstenplanet“ eben weil er so ein merkwürdiges Produkt zweier Interessenseiten geworden ist. Wer weiß wie die Vision Lynchs in totaler Vollendung ausgesehen hätte, dann würde ich vielleicht auf den 130 Minüter fluchen, wie er heute existiert. Aber so wie vorhanden fasziniert mich der fertige Film mehr, als dass er mich enttäuscht. Dennoch hätte man sich gegen Ende mehr Zeit für die Geschichte nehmen sollen. Wie schnell der Prinz zum Anführer wird, wie ebenso schnell er die großen Sandwürmer beherrscht und wie extrem schnell der Imperator jede Gegenwehr sein lässt ist doch aufgrund des Tempos alles viel zu unglaubwürdig erzählt. Dank der Stärken des Hauptteils, und merkwürdiger Weise fast noch mehr dank der Schwächen eben selbiger Phase, geht man jedoch nicht all zu streng mit dem gehetzten Schluss um. „Dune“ bleibt trotzdem ein hochinteressanter Ausnahmefilm seiner Zeit, der zwar intelektuell völlig über dem Budenzauber eines „Krieg der Sterne“ steht, aber scheinbar trotzdem nicht mehr sein will als dieser.


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