Sonntag, 18. Oktober 2015

KÜSS DEN FROSCH (The Princess and the Frog 2009 Ron Clements u.a.)


Ein betrogener in einen Frosch verwandelter Prinz wird von der armen, verzweifelten Tiana geküsst, die sich nichts sehnlicher wünscht als genug Geld zu verdienen um ein Restaurant zu eröffnen. Da Tiana jedoch keine Prinzessin ist, erlöst sie den Verwandelten mit besagtem Kuss nicht, sondern wird selbst zum Frosch. Nun kann nur noch Tianas reiche Freundin helfen, die bis Sonnenaufgang den Titel einer Ehrenprinzessin trägt und damit den Zauber per Froschkuss rückgängig machen könnte. Diese ist jedoch verwöhnt, ekelt sich vor Fröschen und ist gerade dabei sich in einen Betrüger zu verlieben, der sich als Prinz ausgibt...


König der Frösche...

Was durfte man aufatmen, dass die Disney-Studios doch wieder neben den computeranimierten Trickfilmen zu der klassisch gezeichneten Variante zurückkehrten, nachdem die Pforten dieser für einige Jahre verschlossen war. Zwar hatte man mit „Die Kühe sind los“ und „Der Schatzplanet“ Werke geschaffen die weit unter dem Niveau üblicher Disney-Zeichentrickfilme angesiedelt waren, aber dennoch machte sich bei vielen Hoffnung breit mit der Rückkehr ins klassische Zeichentrickgeschäft Qualitäten vergangener Tage zu erleben.

In gewisser Weise ist das auch passiert, nur leider besann man sich auf späte Erfolgszeiten zurück, auf Zeiten von „Arielle, die Meerjungfrau“, „König der Löwen“ und Co, die sich zwar heutzutage großer Beliebtheit erfreuen, denen aber aus diversen Gründen der Charme der großen Klassiker wie „Aristocats“, „Bernard und Bianca“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ und Co fehlt. „Küss den Frosch“ beginnt mit ähnlichen Schwächen selbiger Zeit. Zwar ist der Streifen animationstechnisch auf höchstem Niveau angesiedelt, ständig selbstverliebter Gesang raubt einem jedoch schnell den Nerv. Wenn das ganze dann noch durch einen charakterlich viel zu braven und arg kitschigen Figurentyp präsentiert wird, zumindest in der Vorgeschichte während der Kindheit unserer Heldin, dann ist das zwar der typische Zeitgeschmack wie die Masse heutzutage einen Familienfilm sichten möchte, aber längst nicht mehr innovativ, vorrausschauend und mutig wie die großen Disney-Filme - ganz zu schweigen vom fehlenden Charme einer zu berechnenden und anbiedernden Umsetzung.

Nach einer schwer zu ertragenden Einleitung kommt plötzlich ein Hoffnungsschimmer auf, darf mit Auftauchen des Frosches doch endlich die nötige Dosis Komik ihren Einzug in die Geschichte halten, die einige Zeit später noch Verstärkung durch ein Musik-begabtes Krokodil erhält. Doch diese Lichtblicke funktionieren nur kurze Momente, sind ohnehin nur Schatten vergangener Sympathieträger wie es einst z.B. Libellchen war, und selbst starke Figuren alter Disney-Klassiker bekämen das zu berechnende Konstrukt von „The Princess and the Frog“ (Originaltitel) nicht gestemmt.

Schon Jahre vor dem Schließen der klassischen Animationsstudios kamen in Amerika, auch von anderen Firmen, nur noch familienfreundliche Zeichentrickfilme außerhalb der reinen Computeranimation auf dem Markt, deren Drehbücher sich nicht zu verfilmen lohnten, so als wolle man geradezu absichtlich das bisherige Animationsverfahren aus dem Weg räumen. „Küss den Frosch“ kann sich hier nahtlos einreihen in seiner Einfallslosigkeit, nicht einmal den Partyfaktor liefernd, der zumindest die weniger innovativen CGI-Filme heutiger Zeiten zu retten weiß. Schön und gut dass man relativ klassisch wieder einsteigen wollte, aber dann darf man nicht nur formelhaft auf Märchengrundlagen und leicht modernisiertem biederen Stil zurück greifen, dann muss man gerade an den Punkten ansetzen, welche die Erfolge der frühen Werke damals ausgemacht haben: sympathische Charaktere, situationsorientierter sowie herzlicher Gesang jenseits eines Musical-Stils und Mut zu Innovationen. All das fehlt „The Frog Princess“ (Alternativtitel).


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Kommentare:

  1. So schlimm fand ich den gar nicht. Optisch mit dem nächtlichen Bajou und den Lichtern ganz stark, tolle Nebencharaktere mit dem für Kinderfilme nötigen Ernst (Glühwürmchen Ray) und die märchenverfilmungsähnliche klassische Geschichte. Damit kommt der weder an die ganz alten Klassiker noch an die Disney-Werke der zweiten Hochzeit heran, mixt aber die Elemente aus beiden Welten gut zusammen und funktioniert deshalb als Kinderfilm perfekt und auch ich war gut unterhalten.
    Das Gesinge war stellenweise aber tatsächlich anstrengend, wobei mir das in der deutschen Version viel stärker aufgefallen ist, weil da (wohl deswegen) echte Sänger als Sprecher gecastet wurden, die das Synchronisieren nicht drauf haben und damit der Film insgesamt anstrengender ist als in der OV.

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    1. Das ist auf jeden Fall eine interessante Info, schließlich habe ich den Film nur auf deutsch geguckt! Danke für den Hinweis! :)

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